Evotec Aktie: Gewinnwarnung und sonstige Überraschungen
Eine erneut gekappte Jahresprognose hat die Evotec Aktie am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Auf XETRA verliert der Anteilsschein rund 23,5 Prozent auf 3,778 Euro, im Tief wechselte die Biotech-Aktie heute für 3,176 Euro den Besitzer. Der Blick auf den Langfristchart führt vor Augen, wie tief der TecDAX-Wert gefallen ist: 2021 kostete er noch mehr als 45 Euro. Auslöser des heutigen Kursdesasters sind vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 sowie ein drastisch gesenkter Ausblick. 4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
Überraschenderweise bleiben manche Analysten weiter bei hohen Kurszielen für die Biotech-Aktie: So hält RBC vorerst an der Einstufung „Outperform” fest und beziffert das Kursziel zunächst auf 10 Euro. Trotz der massiven Prognosesenkung heben die Analysten hervor, dass das Basisgeschäft Discovery & Preclinical Development mit deutlich gestiegenen Auftragszahlen sogar an Schwung gewonnen habe. Bei den laut Konzern vor allem zeitlich verschobenen Einkünften aus dem Partnergeschäft stehe allerdings noch einiges an Überzeugungsarbeit gegenüber den Börsianern bevor. Ob von RBC zur Evotec Aktie doch noch eine Neueinschätzung kommt, bleibt abzuwarten.
Die Deutsche Bank bestätigt nach den gestutzten Zielen ihr „Hold” für die Biotech-Aktie und ebenso ihr Kursziel von 4,50 Euro. In einer ersten Reaktion verweisen die Experten schlicht auf die am Montagabend veröffentlichte, als erheblich eingestufte Gewinnwarnung für 2026.
Für die erste Jahreshälfte weist das Biotechnologie-Unternehmen aus Hamburg vorläufig einen Konzernumsatz von rund 300,1 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von etwa minus 42,7 Millionen Euro aus, die Liquidität lag Ende Juni bei rund 465,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun nur noch mit Erlösen von 570 bis 610 Millionen Euro und einem bereinigten EBITDA von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro. Zuvor waren 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz und ein ausgeglichenes bis leicht positives EBITDA von 0 bis 40 Millionen Euro angekündigt.
Als Hauptgrund nennt das Management verschobene Einnahmen aus dem Geschäft mit strategischen Partnern, deren margenstarke Umsätze überproportional auf das Ergebnis durchschlagen. Rund 40 Prozent der Lücke entfallen auf bestehende Partnerschaften mit verschobenen Meilensteinzahlungen, weitere etwa 45 Prozent auf Verzögerungen bei neu verhandelten Kooperationen und die restlichen rund 15 Prozent auf eine geringere Umsatzrealisierung. Die vollständigen Halbjahreszahlen folgen am 13. August 2026.
Im Kursverlauf muss man weit zurück gehen, um ähnliche Kursniveaus zu finden. Im Juni 2016 gab es einen markanten lokalen Tiefpunkt bei 3,10 Euro - nahezu das Niveau, an dem sich der Titel auch heute gefangen hat.

Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Evotec.
