Börse am Morgen: Chip-Aktien, Mercedes-Benz, VW und Ölpreis - Nord/LB
Die Stimmung im deutschen Wohnungsbau hat sich im Juni weiter eingetrübt. Das Ifo-Geschäftsklima fiel auf -31,0 Punkte und die Erwartungen der Unternehmen erreichten den niedrigsten Stand seit März 2025. Belastend wirken weiterhin eine schwache Nachfrage, steigender Auftragsmangel sowie eine unverändert hohe Stornierungsquote von 11,4%. Trotz zunehmender Baugenehmigungen sehen viele Unternehmen keine nachhaltige Belebung des Marktes, zumal die hohen Baukosten Investitionen in Neubauten bremsen. Der Wohnungsneubau bleibt damit deutlich hinter dem Bedarf zurück – 2026 werden voraussichtlich nur rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt, benötigt werden jedoch etwa 320.000 pro Jahr.
Die deutschen Agrar-Erzeugerpreise sind im Mai gegenüber dem Vorjahr um 13,9% gefallen und verzeichneten damit den stärksten Rückgang seit Januar 2015 (gegenüber April beschleunigte sich der Preisverfall weiter). Hauptursachen waren deutlich niedrigere Preise für tierische Erzeugnisse (-15,9%), insbesondere Milch (-25,3%) und Schlachtschweine (-19,5%), sowie für pflanzliche Produkte (-10,4%), wobei Speisekartoffeln (-53,5%), Obst (-22,5%) und Getreide (-9,5%) besonders stark nachgaben. Im Gemüsebereich zeigte sich ein gemischtes Bild. Während die Preise insgesamt nahezu stabil blieben, verteuerten sich Tomaten (+28,2%) und Gurken (+21,5%) deutlich. Einzelne Produktgruppen konnten sich dem Abwärtstrend entziehen, darunter Eier (+13,6%), Erdbeeren (+3,3%) sowie einige Gemüsesorten.
Tagesausblick
Heute werden US-seitig gleich zwei Highlights zu erwarten sein. Zunächst erscheinen am späten Mittag die derzeit extrem spannenden Verbraucherpreisdaten für den Juni – wir erwarten Entwicklungen nahe der Nulllinie, die Inflation fiel zuletzt wieder drastisch. Außerdem wird Kevin Warsh vor dem Kongress sprechen. Die Märkte hängen dem Top-Notenbanker der Fed aktuell regelrecht an den Lippen und erhoffen sich so Hinweise jedweder Art, um eine Idee für die künftige Ausrichtung der Zentralbank zu erhalten.
Aktien- und Rentenmärkte
Die Eskalation des Iran-Krieges belastete zu Wochenbeginn die Börsen, da steigende Ölpreise und die Schließung der Straße von Hormus die Sorge vor wirtschaftlichen Folgen und geopolitischen Risiken verstärkten. Besonders Technologiewerte standen unter Druck, wobei Chip-Aktien ihre jüngste Korrektur fortsetzten. An den europ. Rentenmärkten stiegen die Renditen deutlich, da die höheren Ölpreise die Erwartungen an eine weitere EZB-Zinserhöhung im September verstärkten. DAX +0,19%; MDAX +0,20%; TecDAX +0,82%; Dow Jones -0,26%; S&P 500 -0,79%; Nasdaq Comp. -1,55%.
Unternehmen
VW-Chef Oliver Blume hat erstmals angegeben, dass zur Senkung der im Branchenvergleich um 20% höheren Gemeinkosten theoretisch im Konzern bis zu 50.000 Stellen weltweit wegfallen könnten, konkrete Entscheidungen seien jedoch noch nicht getroffen. Parallel arbeitet Volkswagen an einem Restrukturierungsprogramm, wobei laut Blume in Europa Überkapazitäten von rund 500.000 Fahrzeugen bestehen. Für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm sieht VW langfristig noch keine gesicherte Auslastung, sieht Werksschließungen aber nicht als einzige Lösung an.
Mercedes-Benz hat sein Werk im ungarischen Kecskemét für rund EUR 1,0 Mrd. ausgebaut und dort die Produktion der elektrischen C-Klasse gestartet. Der Standort könnte mit einer Kapazität von bis zu 350.000 Fahrzeugen zu einem der größten Mercedes-Werke Europas aufsteigen und künftig neben der C-Klasse auch weitere Elektro- und Verbrennermodelle fertigen. Hintergrund ist die Verlagerung von Produktion in kostengünstigere Länder. In Ungarn liegen die Fertigungskosten laut Mercedes rund 70% unter dem deutschen Niveau.
Rohstoffe
Trotz rückläufiger aber volatiler Rohölpreise sind die Preise für Heizöl und Diesel zuletzt deutlich gestiegen. Der Hauptgrund ist nicht das Rohöl selbst, sondern die starke Verteuerung von Gasöl, dem wichtigsten Vorprodukt für Diesel und Heizöl (sogenannte Mitteldestillate). Seit Ende Juni stieg der Gasölpreis von rund 860 USD/t auf zeitweise 1.075 USD/t (+25%). Dadurch verteuerte sich Heizöl in Deutschland innerhalb weniger Wochen um rund EUR 25 je 100 Liter. Hinzu kommen ein ggü. dem USD schwächerer Euro und Versorgungsrisiken bei Diesel und Heizöl. Besonders belastend wirkt dabei die Situation in Russland. Mehrere Raffinerien wurden durch ukrainische Angriffe beeinträchtigt, die Raffinerie in Omsk musste bspw. zeitweise stillgelegt werden und Russland beschränkte Diesel-Exporte. Dadurch reduzierte sich das am Weltmarkt ohnehin knappe Angebot an Diesel und Heizöl nochmals weiter.
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