Börse am Morgen: Conti, Renk, Rheinmetall, SAP, ASML, Nvidia - Nord/LB
Der weltweite Ausbau von Rechenzentren nimmt durch den KI-Boom stark zu. Laut Allianz Trade könnte KI bis 2030 rund 40% des Stromverbrauchs von Rechenzentren verursachen, ggü. derzeit 15 bis 20%. Die Investitionen erreichten 2025 rund 580 Mrd. USD, die Kapazitäten dürften sich bis 2030 verdoppeln. Die Klimabilanz hängt dabei stark vom Strommix ab. Skandinavische Länder schneiden deutlich besser ab als Deutschland, die USA oder China. Europa verfügt insgesamt über gute Voraussetzungen für klimafreundliches KI-Wachstum, Deutschland liegt jedoch wegen des weiterhin hohen Anteils fossiler Energieträger nur im Mittelfeld. Zugleich steigen die Umweltbelastungen (CO?-Emissionen und Wasserverbrauch) stärker als bisher angenommen.
Wochenausblick
Die Märkte reagieren derzeit sehr sensibel auf kleinste Hinweise bezüglich der strategischen Ausrichtung der Notenbanken, wie wir nach Sintra sehen konnten. Eine Äußerung von Warsh, die kaum der Rede wert war, hatte durchaus für Bewegung gesorgt. Deshalb wird das Sitzungsprotokoll der Fed zur Mitte der Woche sicherlich besonders im Fokus stehen. Der heutige ISM PMI für die Dienstleistungsbranche wird dahingehend ebenfalls spannend, v. a. mit dem Blick in die Komponenten. Ob auch hier die Dynamik bei den Prices Paid zurückgeht, bleibt eine zentrale Frage. Unternehmensseitig ist die Agenda eher geprägt von Hauptversammlungen, bevor Mitte Juli dann von USBanken die Berichtssaison eingeläutet wird.
Aktienmärkte
Der deutsche Leitindex erklomm zum Wochenschluss erneut ein Rekordhoch. Er geht damit verheißungsvoll in die zweite Jahreshälfte. In den ersten drei Tagen im Juli hat er schon mehr Prozente gewonnen als in der gesamten ersten Jahreshälfte. Seine Wochenbilanz ist mit + 4,5% die stärkste seit April 2025. Als Treiber der DAX-Rekorde werden die Aussicht auf eine weniger restriktive US-Geldpolitik und das zuvor in Berlin verabschiedete Reformpaket gesehen. Unter den Einzeltiteln standen u. a. Continental mit +1,6% im Fokus. Der näher rückende Verkauf der Kautschuk- und Kunststofftochter Contitech bescherte dem künftig reinen Autozulieferer den höchsten Stand seit Nov. 2021. Den Anstoß dazu gab die Mitteilung, dass eine Vertragsunterzeichnung mit dem Finanzinvestor Lone Funds vor dem Abschluss steht. DAX +0,78%; MDAX +1,38%; TecDAX +0,31%.
An der Wall Street fand aufgrund der am Samstag stattfindenden Feierlichkeiten zum US-Unabhängigkeitstag kein Handel statt. Der KI-Boom treibt die Kurse großer Technologiekonzerne weiter an.
Laut EY stieg deren Marktkapitalisierung seit Jahresbeginn um 30% auf 35,2 Billionen USD. Nvidia blieb mit 4,846 Billionen USD wertvollstes Unternehmen vor Alphabet, Apple, Microsoft und Amazon. SpaceX erreichte als Börsenneuling mit 2,25 Billionen USD direkt Platz sechs. Außerhalb des Technologiesektors schaffte es nur Saudi Aramco in die Top Ten. Europas bestplatziertes Unternehmen ist der niederländische Chip-Zulieferer ASML auf Rang 20, während SAP deutlich zurückfiel. Der Softwarekonzern, vor Jahresfrist noch die europäische Nummer eins, rutschte im Gesamtklassement auf Platz 114 ab.
Unternehmen
Die Absage des Fregatten-Projekts F126 durch die Bundesregierung lastet auf den Bilanzen des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Das Ziel eines Auftragsvolumens (Rheinmetall Nomination) von 20 Mrd. EUR im zweiten Quartal werde durch die Beendigung des Programms nicht erreicht werden können, teilte Rheinmetall mit. Vielmehr werde das Gesamtvolumen hier in Q2 ein niedriges zweistelliges Milliarden-Euro-Niveau erreichen. Das angepeilte Umsatzwachstum von über 60% im Quartal werde aber voraussichtlich getroffen.
Der Rüstungszulieferer Renk steht einem Medienbericht zufolge vor der Übernahme des Getriebeherstellers David Brown Defence. Der Zukauf bewerte das Unternehmen aus Großbritannien mit 200 bis 250 Mio. USD. Renk baue mit dem Schritt sein Geschäft im Marinesektor aus und sichere sich Technologie für U-Boot-Antriebssysteme.
Devisen und Rohstoffe
Der EUR baute am Freitag seine Vortagsgewinne etwas aus. Die Stimmung im Dienstleistungssektor der Eurozone hat sich im Juni stärker verbessert als zunächst angenommen. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global stieg im Mai auf 49,4 Punkte und lag damit über der ersten Schätzung von 48,9 Punkten.
Die Opec+ plant ihre Ölproduktion im August um 188.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Die beteiligten 7 Staaten betonen jedoch, dass sie die Fördermenge je nach Marktlage auch schneller erhöhen, pausieren oder wieder senken können. Zur aktuellen Situation in der Straße von Hormus äußerte sich die Opec+ nicht.
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