Börse am Morgen: Carnival, DAX, Euro/Dollar, Konjunkturdaten - Nord/LB
Die deutsche Wirtschaft hat sich im Juni so schwach wie seit rund 18 Monaten nicht mehr entwickelt. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen sank um 0,8 Punkte auf 48,0 Zähler und signalisiert damit Schrumpfung. Damit ging die Wirtschaftsleistung den dritten Monat in Folge zurück, was das Risiko einer Rezession in Q2 2026 erhöht (Q1: +0,3%). Besonders belastet der Dienstleistungssektor. Der Teilindex fiel auf 46,8 Punkte – den tiefsten Stand seit über dreieinhalb Jahren – bei rückläufiger Aktivität und schwächeren Auftragseingängen. Die Industrie zeigt sich stabiler. Der PMI lag mit 50,0 Punkten nur leicht niedriger, während Produktion und Auftragseingänge, auch aus dem
Ausland, leicht zulegten.
Die Euro-Zone hat im Juni die Rückkehr in die Expansion knapp verpasst. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen zusammen stieg zwar auf 49,5 Punkte (Vormonat: 48,5), blieb aber unter der Wachstumsschwelle von 50. Während der Servicesektor weiter schrumpfte – wenn auch langsamer – weitete die Industrie ihre Produktion moderat aus. In Deutschland (s. o.) und Frankreich hielt die Schwäche an, wobei sich der Rückgang in Frankreich abschwächte, in Deutschland hingegen deutlich verstärkte. Die übrigen Euro-Länder verzeichneten ein solides Wachstum, so stark wie seit Jahresbeginn nicht mehr.
In H1 2026 sind die Firmeninsolvenzen in Deutschland auf ein Niveau wie zuletzt 2013 gestiegen. Laut Creditreform erhöhte sich die Zahl um 7,8% auf 12.900 Fälle. Nach Jahren der Stagnation und Rezession sind viele Unternehmen geschwächt, verschärft durch den Öl- und Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs. Auch die Verbraucherinsolvenzen nahmen zu, sie stiegen um 2,3% auf rund 38.800 Fälle.
Die US-Wirtschaft hat im Juni an Dynamik gewonnen. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaftstieg laut S&P Global um 0,7 Punkte auf ein Funfmonatshoch von 52,2 Zählern. Mit einem Wert klar über der Wachstumsschwelle von 50 signalisiert der Index somit Expansion.
Tagesausblick
Das heutige Highlight wird am Vormittag veröffentlicht, das ifo-Institut wird demnach seine Stimmungsumfrage für den Juni präsentieren. Während wir bei der Geschäftslage und dem -klimaindex von einer Verbesserung ausgehen, könnten sich die Geschäftserwartungen noch einmal marginal nach unten bewegen. Die handels- und geopolitische Lage bleibt schlicht weiter angespannt. Immobiliendaten aus den USA werden außerdem einen Einblick in die wichtige Branche geben, welche auch Kevin Warsh durchaus auf dem Schirm hat.
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Aktien- und Rentenmärkte
Die Aktienmärkte haben am Dienstag nach der jüngsten Rekordrally weltweit spürbar nachgegeben. Belastend wirkte vor allem ein breiter Abverkauf im Technologiesektor, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen nach der KI-getriebenen Rally sowie gestiegene Zweifel an der Nachhaltigkeit hoher Investitionen. Hinzu kamen zunehmende Zinssorgen, da Marktteilnehmer wieder stärker mit weiteren Leitzinserhöhungen in den USA und tendenziell auch im Euroraum rechnen. Darüber hinaus dämpften schwache Konjunkturdaten die Stimmung zusätzlich und die geopolitische Lage bleibt trotz jüngster Entspannung im Nahostkonflikt ein Unsicherheitsfaktor. DAX -0,98%; MDAX -1,37%; TecDAX -1,69%; Dow Jones -0,09%; S&P 500 -1,44%; Nasdaq Comp. -2,22%.
Unternehmen
Der US-Kreuzfahrtkonzern Carnival hat in Q2 2026 mit Rekordergebnissen überzeugt, am Markt jedoch gleichzeitig mit einem gedämpften Ausblick enttäuscht. Der bereinigte Nettogewinn stieg y/y um mehr als 20% auf USD 569 Mio., während die Erlöse dank einer anhaltend starken Nachfrage nach Kreuzfahrten mit USD 6,7 Mrd. ebenfalls einen Höchststand erreichten. Das Geschäft zeigte sich mit steigenden NettoRenditen und verbesserter Kostendisziplin robust und konnte den deutlichen Anstieg der Treibstoffkosten weitgehend kompensieren. Die Buchungslage für 2026 liegt über Vorjahr, während historisch hohe Preise erzielt werden. Für Ernüchterung sorgt jedoch der Ausblick auf das laufende Q3, für das ein bereinigtes EPS von USD 1,35 je Aktie in Aussicht gestellt wurde (Markterwartungen: USD 1,42). Als Belastungsfaktor gelten weiterhin hohe Treibstoffkosten. Die Aktie reagierte mit deutlichen Abschlägen. Auch Wettbewerber gerieten unter Druck.
Devisen und Rohstoffe
Die Hoffnung auf eine Normalisierung der Öllieferungen durch die Straße von Hormus ließ die Rohölpreise weiter fallen.
Der USD profitierte von den Aussichten auf steigende Zinsen. Entsprechend rutschte der EUR unter die Marke von USD 1,14. Der starke USD und die Zinsspekulationen sorgten für Kursrückgänge bei Gold und Silber.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


