Börse am Morgen: Siemens Energy, Euro/Dollar, US-Notenbank, Brent, Konjunkturdaten - Nord/LB
Das Ifo-Institut senkt seine Wachstumsprognose für das Jahr 2027 auf 0,8% (im März antizipierten die Wirtschaftsforscher aus München noch einen Zuwachs von 1,2%). Ursache für den pessimistischeren Ausblick ist laut Ifo der energiepreisbedingte Dämpfer infolge des Nahost-Konflikts (für das laufende Jahr 2026 bleiben die Wachstumserwartungen mit 0,8% unverändert). Die dt. Konjunktur steht dabei derzeit im Spannungsfeld gegenläufiger Kräfte. Der Energiepreisschock belastet Konsum und Kaufkraft, während eine expansive Fiskalpolitik der dt. Bundesregierung das Wachstum stützt. Kurzfristig dürfte die dt. Wirtschaft daher lediglich stagnieren, jedoch nicht in eine Rezession geraten. Ab dem Sommer wird wieder mit einer moderaten Belebung gerechnet, sofern sich die geopolitische Lage wirklich entspannt. Die staatlichen Impulse wirken auf der einen Seite zwar konjunkturstabilisierend, führen jedoch auch zu deutlich steigenden Defiziten und einer höheren Staatsverschuldung. Langfristig bleiben die Perspektiven laut Ifo schwach, da Demografie und geringe Produktivität das Wachstumspotenzial deutlich begrenzen und strukturelle Reformen erforderlich sind.
Laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) konnten sich die Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften im Mai deutlich verringern. Nach den erschreckenden Rekordinsolvenzständen aus den Vormonaten nahmen die Firmenpleiten ggü. dem April diesmal zweistellig (15%) ab. Lediglich der Sektor Lagerei und Verkehr bildet eine Ausnahme (hier kam es zu der höchsten jemals im Insolvenztrend gemessenen Anzahl an Pleiten). Der IWH-Insolvenztrend wird seit Januar 2020 berechnet und fundiert auf Frühindikatoren die dem Insolvenzgeschehen ca. zwei bis drei Monate vorauslaufen. Dadurch ist der Indikator wesentlich schneller als die amtliche Statistik.
Tagesausblick
Der ökon. Kalender ist am Freitag dünn besiedelt, die Handelswoche hat aber bereits einige marktbewegende Veröffentlichungen hinter sich. Nachdem der G7-Gipfel schon ein konsensual unterzeichnetes Dokument hervorgebracht hat, wurde zwischenzeitlich ein „MoU“ zwischen den USA und dem Iran geschlossen. Die richtige Arbeit, sprich intensive Verhandlungen, beginnt jetzt allerdings überhaupt erst. Die Weltwirtschaft könnte jetzt aber einmal die Gelegenheit haben, tief durchzuatmen! Die heute aus Deutschland gemeldeten PPIs dürften diese Entwicklungen womöglich aber noch nicht reflektieren.
Aktien- und Rentenmärkte
An den Rentenmärkten gab es bei den Händlern am Donnerstag eigentlich nur ein vorherschendes Diskussionsthema. Nämlich Fed-Chef Warsh. Wie soll man zukünftig mit der neuen Kommunikationsstrategie der größten Zentralbank der Welt umgehen? Man weiss jetzt schon, dass sie sich nachhaltig verändern wird. Das Federal Open Market Committee Statement wurde bereits deutlich gekürzt und dürfte als geldpolitisches Hilfsinstrument klar an Bedeutung verlieren. Warsh will offenkundig nicht mehr der Gefangene von Worten aus der Vergangenheit sein. Er will also mehr Stille wagen. Das muss man erst einmal verdauen. Nach der Fed-Sitzung haben US-Treasuries entsprechend reagiert. Kurzlaufende Anleiherenditen sprangen kurzfristig sogar auf ein 15-Monatshoch. Auch an den Aktienmärkten ist die Richtung unklar. Entsprechend ein uneinheitliches Vorzeichenbild auf dem Parkett.
DAX +0,37%; MDAX -0,58%; TecDAX -0,02%; Dow Jones +0,14%; S&P 500 +1,08%; Nasdaq Comp. +1,91%.
Unternehmen
Siemens Energy prüft einem Medienbericht zufolge eine mögliche Abspaltung der Sparte Transformation of Industry. Konzernintern wird eine Trennung als pot. Mehrwert für Einheit und Aktionäre gesehen, Entscheidungen gibt es jedoch noch nicht. Die Sparte bietet Lösungen zur Dekarbonisierung für Industriekunden und erzielte zuletzt EUR 5,7 Mrd. Umsatz. Investoren kritisieren die geringe Transparenz („Blackbox“), während Optionen (Spin-Off oder Börsengang) im Raum stehen.
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Devisen und Rohstoffe
Dem neuen Fed Chef Kevin Warsh ist es mit einem geschickten Vorgehen gelungen sich eher als geldpolitischer Falke zu positionieren, wenngleich die US-Notenbank zunächst erwartungsgemäß gar keine Anpassungen am Leitzinsniveau vornehmen will. Aussicht auf steigende Zinsen in den USA helfen der Weltleitwährung USD am zweiten Tag nach der Fed-Sitzung damit weiter auf die Sprünge. Ggü. der europäischen Gemeinschaftswährung übersetzt sich dies in einem stärker werdenden Greenback. Am Donnerstag wurde die 1,15er Marke durchbrochen.
Die Nordseesorte Brent hat innerhalb einer Woche bisher rd. 13% an Wert verloren. Gestern ging es 0,73% nach unten. Damit fehlt nicht mehr viel und das schwarze Gold handelt wieder auf dem Niveau wie vor Ausbruch des Krieges in Nahost.
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Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


