EPH Group: „Wir suchen außergewöhnliche Standorte“
Seit Ende 2025 notieren die Aktien der EPH Group an der Börse. Die Gesellschaft entwickelt Hotel- und Resort-Projekte im Premium- und Luxussegment. Dabei fokussiert man sich auf die frühe Entwicklungsphase. Im Gespräch mit der Redaktion von 4investors.de erläutert Alexander Lühr, Vorstand der EPH Group, das Geschäftsmodell der Gesellschaft. Lühr geht auf den Markt ein und sieht gerade im Bereich der Luxusreisen großes Potenzial.
4investors.de: Attraktive Standorte werden von ihnen bis zur Baureife entwickelt, danach werden sie von internationalen Hotelmarken geführt. Welche Kunden haben Sie, welche Betreiber könnten später ihre Projekte übernehmen?
Lühr: Zu unseren potenziellen Investoren zählen institutionelle Anleger, Immobilienfonds, Versicherungen, Family Offices sowie Investoren mit Fokus auf Hotels und Tourismusimmobilien. Auf Betreiberseite sprechen wir mit bekannten internationalen Marken aus dem Luxus- und Premiumsegment.
4investors.de: Sie sind stark auf Österreich und Bayern fokussiert. Wann werden Sie dort das erste Projekt übergeben können?
Lühr: Nach aktueller Planung rechnen wir noch im Jahr 2026 mit dem ersten Projektverkauf. Hotelprojektentwicklungen haben allerdings lange Zyklen. Zwischen Grundstückssicherung, Genehmigungen, Betreiberkonzept und Verkauf liegen oft mehrere Jahre.
4investors.de: In der Pipeline von EPH befinden sich derzeit neun Projekte. Kann es sein, dass ein Projekt scheitert, da Sie nicht die notwendigen Genehmigungen erhalten?
Lühr: Natürlich gibt es dieses Risiko. Gerade im Alpenraum spielen Raumordnung, Naturschutz oder Umweltverträglichkeit eine wichtige Rolle.
Wir versuchen Risiken frühzeitig zu erkennen, etwa durch Machbarkeitsstudien, Behördenabstimmungen und lokale Partner. Zudem erfolgen unsere Grundstücksankäufe meist unter der aufschiebenden Bedingung einer Baugenehmigung. Dieser Ansatz reduziert viel Risiko. Aber kein seriöser Entwickler kann garantieren, dass jedes Projekt genau wie geplant umgesetzt werden wird.
4investors.de: Sie haben bisher zwei Anleihen begeben und damit rund 13 Millionen Euro eingesammelt. Wie haben Sie das eingesammelte Geld genutzt?
Lühr: Im Wesentlichen für Projektankäufe und laufende Projektentwicklungen. Wir befinden uns weiterhin in einer frühen Wachstumsphase. Deshalb investieren wir derzeit hauptsächlich in Pipeline und Strukturaufbau.
4investors.de: Ist Luxustourismus in diesen Tagen überhaupt noch angesagt?
Lühr: Absolut. Gerade das Premium- und Luxussegment hat sich in den vergangenen Jahren als bemerkenswert resilient erwiesen. Premium-Reisedestinationen sind für vermögenden Zielgruppen längst zu einem festen Lifestyle-Bestandteil geworden.
Der globale Markt für Luxusreisen wächst laut McKinsey und Deloitte deutlich schneller als der klassische Massentourismus. Besonders gefragt sind neuwertige und nachhaltige High-End-Konzepte. Genau dort sehen wir uns positioniert.
4investors.de: Aktuell umfasst Ihr Portfolio neun Projekte. Wie viele Projekte können Sie realistisch jährlich bewältigen?
Lühr: Unser Geschäftsmodell erlaubt es uns, mehrere Projekte parallel zu entwickeln. Entscheidend bleibt für uns aber die Qualität der Projekte. Kurzfristig sehen wir eine niedrige bis mittlere einstellige Zahl neuer Projekte pro Jahr als realistisch.
4investors.de: Wie muss ein Grundstück sein, damit es für Sie interessant ist?
Lühr: Entscheidend sind Lage, internationale Erreichbarkeit, touristische Attraktivität und ganzjähriges Potenzial. Wir suchen keine beliebigen Grundstücke, sondern außergewöhnliche Standorte mit langfristiger Nachfragequalität.
4investors.de: Wie viele Luxushotels und Resorts werden in Österreich und Bayern noch benötigt?
Lühr: Entscheidend ist weniger die Anzahl als die Qualität der Standorte. Viele bestehende Häuser entsprechen heute nicht mehr den Erwartungen internationaler Premiumgäste. Gefragt sind nachhaltige, designorientierte und ganzjährig nutzbare Konzepte. Dort sehen wir weiterhin erhebliches Potenzial.
4investors.de: Wie sieht der Markt derzeit aus, wer sind Ihre Mitbewerber?
Lühr: Wir stehen weniger im Wettbewerb mit klassischen Hotelbetreibern als vielmehr mit Immobilienentwicklern, Family Offices und Investoren im Premium- und Luxussegment. Was den Markt aber besonders spannend macht: Im Bereich der Premium- und Luxushotelentwicklung in Europa gibt es aktuell keinen dominanten, börsennotierten Player. Genau diese Lücke schließen wir.
4investors.de: In Deutschland wird häufig über bürokratische Hemmnisse geklagt. Wie empfinden Sie dies bei Projekten in Österreich?
Lühr: Genehmigungsverfahren sind komplex, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. Gerade im alpinen Raum spielen Umwelt-, Raumordnungs- und Infrastrukturthemen eine große Rolle.
Wir sehen die Vorgaben aber nicht nur als Hürde, sondern auch als Qualitätsfilter. Sie verhindern ein unkontrolliertes Überangebot und sorgen dafür, dass langfristig hochwertige Standorte entstehen.


