EZB handelt – erste Zinserhöhung seit September 2023 - DWS
Die EZB ist dem klaren Mandat der Preisstabilität verpflichtet. Vor dem Hintergrund der in den vergangenen Monaten gestiegenen Inflationsraten sowie aktueller Projektionen, die für die Jahre 2026 und 2027 eine deutliche Überschreitung des Inflationsziels erwarten lassen, erscheint uns die Anhebung des Einlagensatzes auf 2,25 Prozent als angemessene Reaktion auf die erhöhten Inflationsrisiken. EZB-Präsidentin Lagarde hat mehrfach auf die Notwendigkeit hingewiesen, die weitere Inflationsentwicklung genau zu beobachten. Zwar seien die längerfristigen Inflationserwartungen relativ gut verankert. Dies gelte jedoch nicht für die kurzfristigen Inflationserwartungen, insbesondere bei den Konsumenten. Zwar sind noch keine Zweitrundeneffekte zu beobachten, da das Lohnwachstum bisher moderat ausfällt. Insgesamt hat sich der Preisanstieg jedoch verbreitert. Da die jüngsten BIP-Projektionen auf ein moderates konjunkturelles Umfeld hindeuten, sehen wir die Gefahr ausgeprägter Zweitrundeneffekte aktuell als begrenzt an. 4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
Auf die Frage, ob es bereits im Juli zu einer weiteren Zinserhöhung kommen könnte, legte sich die EZB-Präsidentin nicht fest, sondern betonte die Datenabhängigkeit und die fehlende Vorfestlegung auf einen bestimmten Zinskurs. In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf ihre Rede im März, in der sie die möglichen Reaktionen der Geldpolitik in verschiedenen Szenarien beschrieb. Bei einem Energiepreisschock, der zu einem vorübergehenden Überschreiten des Inflationsziels führt, wäre eine gewisse Anpassung der Geldpolitik erforderlich. Wir erwarten zwar, dass die heutige Zinserhöhung allein nicht ausreichen wird, um die Inflationsgefahren einzudämmen. Dennoch halten wir vor dem aktuellen konjunkturellen Hintergrund eine extreme Straffung der Geldpolitik für unwahrscheinlich. Wir rechnen noch mit einer weiteren Zinserhöhung auf 2,50 Prozent im September.
Ulrike Kastens, Senior Economist
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