Deutsche Inflationsrate steigt auf 2,9 Prozent im April – das Ende der Fahnenstange ist aber noch nicht erreicht - DWS
Die deutsche Inflationsrate zieht weiter an, wenn auch weniger kräftig als erwartet. Im April stiegen die Lebenshaltungskosten um 2,9 Prozent, nach 2,7 Prozent im Vormonat. Haupttreiber waren die Energiepreise, die sich um 10,1 Prozent erhöhten. Die Nahrungsmittelpreise zogen leicht an (+1,2 Prozent), wobei insbesondere saisonale Nahrungsmittel wie Gemüse teurer wurden. Die Kernrate ging dagegen von 2,5 Prozent im März auf 2,3 Prozent im April zurück, da sich der Preisanstieg für Dienstleistungen von 3,2 Prozent auf 2,8 Prozent verlangsamte. Hier könnte sich der Ostereffekt bemerkbar machen.
Wie es mit der Inflationsrate weitergeht, hängt entscheidend davon ab, ob und wann die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheit ist der Ölpreis für die Sorte Brent zuletzt wieder auf über 110 Dollar/Barrel gestiegen. Der ab Mai wirksame Tankrabatt kann den Verbrauchern eine temporäre Entlastung bringen. Je länger es aber keine signifikante Entlastung beim Ölpreis gibt, desto größer könnten auch mögliche Zweitrundeneffekte ausfallen. Kurzfristig dürfte sich dies in steigenden Preisen für Flugtickets oder Übernachtungen bemerkbar machen. Insofern rechnen wir auch in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Lebenshaltungskosten in Deutschland.
Für die EZB bedeutet dies: Wachsamkeit hinsichtlich der Inflationsrisiken ist weiterhin angesagt. Für die morgige EZB-Sitzung erwarten wir unveränderte Leitzinsen, da der EZB schlichtweg zu wenige belastbare Daten vorliegen, um die Risiken für die weitere Entwicklung der Inflation adäquat bewerten zu können. Je länger der Energiepreisschock aber anhält, desto stärker steigen die Risiken in Richtung Zinserhöhung. Doch übereilte Schritte seitens der EZB erwarten wir nach wie vor nicht.
Ulrike Kastens, Senior Economist
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