Rheinmetall: Experte senkt Kursziel – Strukturwandel im Rüstungsmarkt
Rheinmetalls Aktien und die Folgen von Lockheed Martins schwachem ersten Quartal – flacher Umsatz von rund 18 Milliarden US-Dollar, Gewinn je Aktie vier Prozent unter Konsens, negativer freier Cashflow: Dies liefert mwb research den Anlass für eine kritische Neubewertung der Aktie des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns. Nicht die Nachfrageschwäche beunruhigt das Institut, sondern die veränderte Zusammensetzung der Rüstungsausgaben: Marschflugkörper, Luftverteidigung und autonome Systeme gewinnen massiv Budgetanteile, während klassische Landsysteme wie 155-Millimeter-Artillerie und Panzer an Bedeutung verlieren. Lockheed plant nach eigenen Angaben eine Vervielfachung seiner Munitionskapazitäten mit einem klaren Fokus auf Präzisionswaffen und Luftverteidigung.
Für Rheinmetall (WKN: 703000, ISIN: DE0007030009, Chart, News) bedeutet das eine gemischte Botschaft. Das Segment Waffen & Munition, das bis 2030 auf 14 bis 16 Milliarden Euro Umsatz wachsen soll, stützt sich noch stark auf 155-Millimeter-Artillerie – genau jenes Segment, in dem der branchenweite Kapazitätsausbau nach Einschätzung von mwb research mittelfristig Preisdruck erzeugen wird. Vielversprechender erscheint dem Institut die Luftverteidigung, die von einer kleinen Basis auf drei bis vier Milliarden Euro wachsen soll und gut zu europäischen Beschaffungsprioritäten passt. Das im April gegründete Joint Venture mit Destinus für Marschflugkörper und Raketenartillerie bewegt sich zwar in die richtige Richtung, ist aber noch in einem frühen Stadium, während Wettbewerber wie MBDA und Lockheed dort bereits einsatzbereite Produkte haben.
mwb research senkt in der aktuellen Rheinmetall-Studie das Kursziel für die Rüstungsaktie weiter von zuvor 1.500 auf 1.450 Euro und bestätigt die „Halten”-Einstufung. Die Bewertung lasse keinen Spielraum für Enttäuschungen, der aktuelle Konsens preise noch immer eine starke Nachfrage nach klassischen Systemen ein. Als nächste wichtige Wegmarken gelten der NATO-Gipfel im Juli und Rheinmetalls Capital Markets Day. Beide könnten das Wachstumsnarrativ stützen, aber auch unter Druck setzen.
Die Schätzungen von mwb research zeigen trotz der Kurszielsenkung einen deutlichen Wachstumspfad: Der Umsatz soll von 9,75 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 23 Milliarden Euro im Jahr 2028 steigen. Die EBITDA-Marge weitet sich laut Prognose von 17,9 auf 24,5 Prozent aus, die EBIT-Marge von 13,8 auf 20,7 Prozent. Das Ergebnis je Rheinmetall Aktie klettert in dem Zeitraum laut mwb-Prognose von 16,51 Euro auf 64,33 Euro und die Dividende je Aktie von 8,10 auf 32,17 Euro.
Die Rheinmetall Aktie notiert bei 1.344,80 Euro mit 0,09 Prozent im Plus.


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