Börse am Morgen: Siemens Energy, Electrolux, Intel, Ölpreis - Nord/LB
Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im April deutlich eingetrübt: Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 84,4 Punkte nach 86,3 im März und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Sowohl die Erwartungen als auch die Einschätzung der aktuellen Lage haben sich spürbar verschlechtert, belastet unter anderem durch die Irankrise. Im Verarbeitenden Gewerbe drücken deutlich pessimistischere Aussichten – insbesondere in der Chemie – das Klima, während zugleich Lieferengpässe bei Vorprodukten zunehmen. Der Dienstleistungssektor verzeichnete einen kräftigen Rückgang, vor allem wegen düsterer Erwartungen in der Logistik. Auch im Handel gab das Geschäftsklima stark nach, da Einzelhändler angesichts hoher Inflation mit zurückhaltenden Konsumenten rechnen. Im Bauhauptgewerbe brachen die Erwartungen nahezu zweistellig ein; die Hoffnung auf eine kurzfristige Erholung hat sich vorerst zerschlagen.
Wochenausblick
Diese aufgrund des 1. Mai verkürzte Woche wird wieder sogenannte „Zentralbankwoche“. Die BoJ, die Fed, die BoE und zu guter Letzt die EZB werden über die jeweiligen Leitzinsen beraten. Aufgrund der gestiegenen Inflationserwartungen sind die Markterwartungen teils drastisch ins „hawkishe“ Lager umgeschwenkt. Das Pendel scheint in der Zwischenzeit allerdings wieder zurückgeschwungen zu sein. Jede Volkswirtschaft hat dabei natürlich ihre geldpolitischen Besonderheiten, Allgemeinplätze lassen sich demnach also nicht eröffnen – Nichts tun scheint derzeit allerdings opportun. Die BIP-Zahlen aus den USA werden gegen Ende der Woche außerdem noch einmal Impulse für die Märkte bereithalten.
Aktienmärkte
Sowohl der DAX als auch der EURO STOXX 50 gingen am Freitag fast unverändert aus dem Handel. Während der starke Rückgang des Ifo-Index und die damit verbundene schlechte Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen belasteten, wirkten wieder aufkeimende Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran ausgleichend. SAP setzten sich nach den positiven aufgenommenen Zahlen vom Donnerstagabend an die DAX-Spitze. Der MDAX war von einem starken Kurseinbruch nach Gewinnrückgang bei Jungheinrich belastet. Dieser zog auch den Wettbewerber Kion tief in den roten Bereich. DAX -0,11%; MDAX -1,95%; TecDAX +0,44%.
An der Wall Street gab der Dow Jones leicht nach. Halbleiteraktien profitierten dagegen von einem starken Quartalsergebnis und einem optimistischen Ausblick bei Intel. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq erzielten neue Rekordstände. Dow Jones -0,16%; S&P 500 +0,80%; Nasdaq Comp. +1,63%.
In Europa dürften die Aktienmärkte heute freundlich starten, nachdem Berichte über einen neuen Verhandlungsvorschlag des Iran für Hoffnungen sorgen.
Unternehmen
Eine starke Auftragseingangsdynamik zu Jahresbeginn stimmt Siemens Energy zuversichtlicher. Insbesondere Grid Technologies und Siemens Gamesa entwickeln sich besser als erwartet. Für das GJ 2025/26 rechnet der Konzern nun mit einem Nettogewinn am oberen Ende der Spanne von EUR 3 Mrd. bis EUR 4 Mrd. Der bereinigte Umsatz soll um 14% bis 16% zulegen (bisher: 11% bis 13%), die operative Marge vor Sondereffekten wird nun bei 10% bis 12% (zuvor: 9% bis 11%) gesehen.
Electrolux ist in Q1 wegen schwacher Nachfrage in den USA und höherer Kosten durch US?Zölle überraschend in die Verlustzone gerutscht. Der Hausgerätehersteller mit Marken wie AEG oder Frigidaire wies einen operativen Verlust von SEK 266 Mio. aus, nachdem im Vorjahr noch ein deutlicher Gewinn erzielt worden war. In Nordamerika (rund ein Drittel des Konzernumsatzes) brachen die Erlöse organisch um 11,6% ein, der Konzernumsatz sank leicht. Als Reaktion kündigte der Konzern eine weitreichende Partnerschaft mit dem chinesischen Wettbewerber Midea an und plant zur Finanzierung eine Kapitalerhöhung über SEK 9 Mrd., verbunden mit dem Abbau von rund 3000 Stellen.
Intel präsentierte für Q1 einen Umsatzanstieg um 7% auf USD 13,6 Mrd. und einen Gewinnanstieg um 123% auf USD 0,29 je Aktie und stellte für Q2 einen Umsatz von USD 13,8 Mrd. bis USD 14,8 Mrd. sowie einen Gewinn je Aktie von USD 0,20 in Aussicht.
Rohstoffe
Die Ölpreise sind am Wochenende erneut deutlich angezogen, nachdem die geplanten Friedensgespräche zunächst platzten. Der Trend könnte sich heute umdrehen, sofern die neuen Gesprächsangebote des Iran sich als ernsthaft herausstellen.
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