Börse am Morgen: Stellantis, Volkswagen, Solarenergie, Tesla, Ölpreis - Nord/LB
Die wirtschaftliche Unsicherheit unter deutschen Unternehmen ist im März deutlich gestiegen und erreicht mit 78,6% den höchsten Wert seit Februar 2024 (Ifo-Firmen-Konjunkturumfrage zur Einschätzung ihrer zukünftigen Geschäftsentwicklung). Treiber ist laut den Münchener Forschern der Krieg im Nahen Osten, dessen wirtschaftliche Folgen für viele Firmen derzeit kaum kalkulierbar sind. Besonders stark betroffen ist die Industrie, hier berichten 87,7% der Unternehmen von hoher Unsicherheit. Energieintensive Branchen wie Chemie sowie Gummi- und Kunststoffverarbeitung melden sogar Quoten zwischen 94% bis 95%. Aber auch im Dienstleistungssektor nahm die Unsicherheit im März spürbar zu, hier insbesondere bei Transport und Logistik (88,1%). Während das Baugewerbe einen moderaten Anstieg von 71,9% auf 73,4% verzeichnet, bleibt auch im Handel die Lage mit gut 84% angespannt. Laut Ifo-Institut belasten vor allem Energiepreise, geopolitische Risiken und mögliche Lieferkettenstörungen zunehmend Investitionen und Wachstum.
China erwägt einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, die Ausfuhr moderner Solar-Technologien einzuschränken, um damit seine weltweite Führungsposition zu sichern. Mögliche Maßnahmen richten sich dabei insbesondere gegen die Vereinigten Staaten, wo Unternehmen, wie bspw. Tesla, den Aufbau eigener Solarfabriken planen. Hintergrund ist die Sorge der chin. Branche, US-Unternehmen könnten die Überkapazitäten in China nutzen, um günstig an Ausrüstung und Know-how zu gelangen. Im Fokus stehen hier insbes. Anlagen zur Herstellung hocheffizienter Heterojunction-Solarzellen (HJT), zu denen bereits Gespräche von chinesischen Behördenvertretern mit dem Anlagenbauer Suzhou Maxwell Technologies stattfanden.
Tagesausblick
Zahlenseitig werden heute vereinzelt Indikatoren aus der Eurozone und den USA veröffentlicht, wobei Industriedaten aus letzterer Volkswirtschaft die ökonomischen Highlights darstellen dürften. Außerdem werden hochrangige Geldpolitiker der EZB und der Fed zum Abschluss der IWF-Konferenz geldpolitische Einblicke geben, aus welchen sich möglicherweise Implikationen für die weiteren Zinspfade ergeben. Der weiter andauernde Iran-Konflikt stellte bekanntermaßen jüngst eine Zäsur aufgrund der gestiegenen Inflationserwartungen dar.
Aktien- und Rentenmärkte
Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten charakterisiert derzeit das Marktgeschehen. Börsianer blieben gestern vorsichtig skeptisch und nahmen eine abwartende Haltung ein. Derweil konsolidieren die Ölpreise (Brent unterhalb von USD 100) und lassen hierdurch ein wenig Druck aus der kochend heißen Inflationssuppe. Dies würdigen die europ. Börsen seit Ostern mit Erholungssignalen und anziehenden Kursen. Am Rentenmarkt übersetzt sich dies bei den Staatsanleihen entsprechend in leicht steigenden Kursen (i.e. rückläufigen Renditen). Die Wall Street preist im Umfeld des bisher stabilen Waffenstillstands Optimismus. Fast unbemerkt handelte der S&P 500 am Mittwoch schon wieder auf dem höchsten Stand seit Anfang Februar.
Unternehmen
Der Autobauer Stellantis meldet im ersten Quartal eine deutliche Absatzbelebung: Die Verkäufe stiegen um 12% auf 1,4 Millionen Fahrzeuge (getragen vor allem von Nordamerika und Europa). Trotz der Erholung steckt der fanzösisch-itlalienische Mehrmarkenkonzern (Chrysler, Citroen, Fiat, Jeep, RAM, Peugeot, Opel) wegen milliardenschwerer Abschreibungen auf die Elektromobilität und Qualitätsproblemen weiterhin tief in den roten Zahlen. Konzernchef Antonio Filosa will am 21. Mai seine Strategie vorstellen, um Stellantis wieder auf Kurs zu bringen.
Der chin. Automarkt könnte laut einer Aussage von VW-Vorstand Ralf Brandstätter im Jahr 2026 erstmals seit 2018 schrumpfen (oder bestenfalls bei rund 24 Mio. Fahrzeugen stagnieren). Als Grund werden gekürzte E-Auto-Förderungen genannt. Langfristig erwartet VW daher bis zum Jahr 2030 nur noch 26 Mio. statt zuvor 28 Mio. Verkäufe. Der Wettbewerb in China hat sich zuletzt stark verschärft, weshalb Volkswagen trotz des Ziels, führender intern. Hersteller zu bleiben, nicht mehr mit früheren Superrenditen rechnet. In Q1/26 sank der VW-Absatz in China bspw. um 14,8% auf knapp 550.000 Fahrzeuge. Besonders schwach entwickelte sich dabei das Elektrogeschäft. Zusätzlich belastet die Einstellung des ID.4 in den USA das VW-Ergebnis durch eine Abschreibung in dreistelliger Millionenhöhe.
Devisen
Der Euro zeigte sich am Mittwoch ggü. dem Greenback lethargisch. Es fehlten Impulse.
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