Börse am Morgen: Citigroup, Heidelberger Druck, JPMorgan, Chase Ölpreis, Dividenden - Nord/LB
Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognosen für Deutschland deutlich gesenkt. Hauptgrund dafür sind die durch den Nahost-Krieg gestiegenen Öl- und Gaspreise. Deutschland kann demnach 2026 nun noch mit einem Wachstum von 0,8% rechnen, 2027 dann von 1,2%.
Inmitten der Konjunkturflaute steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland weiter. Im Januar haben die Amtsgerichte insgesamt 1.919 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert (+4,9% ggü. Vorjahresmonat). Dies sei ein moderater Anstieg, der die aktuelle weltpolitische und gesamtwirtschaftliche Entwicklung allerdings noch nicht abbilde, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID), Niering. „Nicht nur Transport- und Logistikunternehmen, die unmittelbar von hohen Kraftstoffpreisen betroffen sind, sondern auch energieintensiv produzierende Unternehmen stehen aktuell unter großem Druck“, hieß es.
Chinas Exportmotor ist im März ins Stocken geraten. Die Ausfuhren legten nur um 2,5% im Jahresvergleich zu und verfehlten damit die Erwartungen deutlich. Ökonomen hatten mit einem Plus von 8,6% gerechnet. Der Einbruch folgt auf ein kräftiges Wachstum von 21,8% in den ersten beiden Monaten des Jahres. Die schwachen März-Zahlen sind der erste echte Test dafür, ob die starke Nachfrage nach KI - und den dafür benötigten Chips und Servern - die Folgen des Iran-Kriegs ausgleichen kann.
Tagesausblick
Heute Vormittag werden Daten zur europäischen Industrieproduktion für den Februar veröffentlicht, welche voraussichtlich (noch) solide ausfallen dürften. Außerdem steht der US-Immobilienmarkt im Fokus, wobei der NAHB Bauklima-Index einen Hinweis darauf gibt, wie die Stimmung im Sektor ist – Spoiler: sie wird voraussichtlich weiterhin schwach ausgeprägt sein. Außerdem: Von heute bis Freitag finden in Berlin die Online-Energietage 2026 statt. Diskutiert werden die zentralen Herausforderungen der Energiewende. An den Energietagen 2026 beteiligen sich über 100 Institutionen aus Politik, Verbänden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mit eigenen Veranstaltungen. Damit bilden sie das gesamte Spektrum der energie- und klimapolitischen Debatte ab.
Aktienmärkte
Vor ein paar Tagen hat die Dividendensaison begonnen. In den meisten europäischen Ländern erfolgen die Ausschüttungen in der Regel zwischen März und Mai. Auch 2026 dürfte wieder ein sehr gutes Jahr werden. So zeigen die Berechnungen von Allianz Global Investors, dass europäische Firmen in diesem Jahr voraussichtlich 454 Mrd. EUR ausschütten. Das wären 4% mehr als 2025 – ein neuer Rekord. Einen großen Beitrag dazu liefert der Finanzsektor, in dem die Ausschüttungen besonders stark zulegen dürften. Bei zyklischen Konsumgütern, zu denen die Automobilindustrie und Luxusgüter zählen, sind dagegen niedrigere Dividenden als im Vorjahr zu erwarten. Erstere sind auch der Grund, warum die 40 DAX-Konzerne im Frühjahr 2026 erstmals seit dem Corona-Frühjahr 2020 insgesamt weniger als im Vorjahr ausschütten. Das geht aus einer umfassenden Prognose vom „Handelsblatt“ hervor. Die erwartete Gesamtsumme liegt bei knapp 52 Mrd. EUR – rund 2 Mrd. weniger als in 2025.
Hoffnungen auf weitere Gespräche im Iran-Krieg verliehen dem deutschen Aktienmarkt einen Auftrieb. DAX+1,3%; MDAX+0,9%. Unter den Einzelwerten stach Heidelberger Druck mit einem Kurssprung von knapp 19% heraus. Die schon einmal im März spürbare Fantasie für den Einstieg in das Rüstungsgeschäft wurde wieder belebt durch einen Zeitungsbericht und einen Besuch des brandenburgischen Ministerpräsidenten am Standort.
Unternehmen
Die starken Schwankungen an den Kapitalmärkten und das stabile Geschäft mit Fusionen und Übernahmen spielen den großen Investmentbanken in den USA in die Hände. Bei JPMorgan Chase wuchs der Nettogewinn in Q1 2026 um 13% auf 16,5 Mrd. USD. Die Citigroup legte beim Gewinn dank eines florierenden Wertpapierhandels sogar um 42% auf 5,8 Mrd. USD zu.
Rohstoffe
Öl: Die OPEC geht davon aus, dass die vom Iran-Krieg ausgehenden Marktverwerfungen bis zum Ende des laufenden Quartals behoben sind. Denn die Nachfrageprognose wurde im akt. OPEC-Monatsbericht nur für Q2 nach unten revidiert. Für Q3 rechnet man mit einer Rückkehr der Nachfrage auf das zuvor prognostizierte Niveau. Die Nachfrage Q4 soll sogar höher ausfallen als bislang erwartet. Für das Gesamtjahr erwartet die OPEC weiterhin einen Nachfrageanstieg von 1,38 Mio. Barrel pro Tag.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
