Börse am Morgen: MTU Aero Engines, Telefónica, Iran-Krieg, Konjunkturdaten, Fed - Nord/LB Marktbericht
Der Auftragseingang in der deutschen Industrie stieg im Februar nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes saison- und kalenderbereinigt um m/m 0,9%. Ohne Großaufträge ergab sich ein Plus von 3,5%. Der für Januar gemeldete Rückgang um 11,1?% wurde nach Revision bestätigt. Treiber des Anstiegs im Februar war vor allem die Automobilindustrie (+3,8%). Positive Impulse kamen auch aus der Textilindustrie (+45,2%) sowie der Metallerzeugung und ?bearbeitung (+3,7%), während der sonstige Fahrzeugbau deutlich nachgab (-25,9%).
Der saisonbereinigte Umsatz im Einzelhandel ging im Februar 2026 gegenüber Januar 2026 laut ersten Schätzungen von Eurostat im Euroraum um 0,2% und in der EU um 0,3% zurück. Im Januar hatte er in beiden Regionen stagniert. Im Jahresvergleich legte der kalenderbereinigte Einzelhandelsumsatz im Februar 2026 sowohl im Euroraum als auch in der EU um jeweils 1,7% zu.
Die Industrieerzeugerpreise sind im Februar 2026 im Euroraum gegenüber dem Vormonat um 0,7% und in der EU um 0,5% gesunken, nachdem sie im Januar in beiden Regionen noch um jeweils 0,8% gestiegen waren. Im Jahresvergleich lagen die Erzeugerpreise im Februar ebenfalls deutlich niedriger: Im Euroraum fielen sie um 3,0%, in der EU um 2,7% gegenüber Februar 2025.
Die US-Notenbank lässt ihren künftigen Zinskurs offen. Aus dem FOMC-Protokoll der März-Sitzung geht hervor, dass Zinsschritte erst erfolgen sollen, wenn klarer ist, ob Inflation oder Arbeitsmarkt das größere Risiko darstellen. Einige Notenbanker hielten angesichts der weiter über dem Ziel von zwei Prozent liegenden Inflation – auch wegen der Folgen des Iran-Krieges – zwar Zinserhöhungen für möglich. Zinssenkungen bleiben jedoch Teil des Basisszenarios.
Tagesausblick
Der heutige Handelstag steht – neben den geopolitischen Themen – mit dem PCE-Deflator im Zeichen von Inflationsdaten aus den USA. Wir gehen für den Februar von einer leicht erhöhten, aber nicht stark ins Gewicht fallenden, Preissteigerungsrate aus. Der Folgemonat wird ohnehin spannender und dürfte für die Geldpolitiker in Washington von höherem Interesse sein. Aus unserer Sicht wird die „Wait-and-See“-Strategie mindestens bis zum Wechsel an der Spitze der Fed anhalten.
Aktienmärkte
Der DAX reagierte gestern mit einem Kursplus von über 1.100 Punkten regelrecht euphorisch auf die vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg. Auch die Indizes der Wall Street notierten sehr fest. Diese Rally spiegelt vor allem Hoffnung wider. Ob daraus eine tragfähige Bewegung wird, hängt an politischen Entscheidungen und ihrer Umsetzung. Gerade in euphorischen Marktphasen ist eine nüchterne Risikoanalyse entscheidend. Wie fragil das Abkommen ist, zeigen die Angriffe Israels auf den Libanon und die entsprechenden Vergeltungsdrohungen des Iran, die heute Nacht die Stimmung an den asiatischen Börsen dämpften.
DAX +5,06%; MDAX +5,43%; TecDAX +4,96%; Dow Jones +2,84%; S&P 500 +2,51%; Nasdaq Comp. +2,80%.
Unternehmen
Telefónica zieht sich aus einem weiteren lateinamerikanischen Markt zurück. Der spanische Telekomkonzern verkauft seine Tochter Movistar México für USD 450?Mio. an ein Konsortium um den Telekomanbieter Oxio und den Finanzinvestor Newfoundland. Movistar México zählt rund 20 Mio. Kunden. Mit dem Verkauf setzt Telefónica seine Strategie fort, sich auf die Kernmärkte Spanien, Deutschland, Großbritannien und Brasilien zu fokussieren. Für die Tochter in Venezuela wird weiterhin ein Käufer gesucht.
MTU Aero Engines steigt mit der Übernahme des Kölner Startups AeroDesignWorks in das Geschäft mit Drohnenantrieben ein. Das Unternehmen entwickelt Turbojet-Triebwerke für kleinere unbemannte Fluggeräte und Lenkflugkörper. Mit dem Zukauf will MTU sein bislang noch kleines Militärgeschäft beschleunigt ausbauen, wie Vorstandschef Johannes Bussmann erklärte. AeroDesignWorks beschäftigt rund 40 Mitarbeiter und erzielt etwa EUR 10 Mio. Umsatz, mit deutlichem Wachstumspotenzial. Das aus dem DLR hervorgegangene Unternehmen beliefert bereits Kunden wie MBDA, Airbus und Boeing. Ziel ist nun, die Produktion zu skalieren und leistungsstärkere Drohnenantriebe zu entwickeln – unterstützt durch die industrielle Stärke der MTU.
Rohstoffe
Die Ölpreise gerieten im gestrigen Tagesverlauf immer weiter unter Druck. Die Juni-Futures für Brent und WTI fielen deutlich unter die psychologische Marke von USD 100 und näherten sich der USD 90 Marke an. Nach Israels Angriffen auf den Libanon setzte eine (bislang) moderate Gegenbewegung nach oben ein.
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