Börse am Morgen: Deutz, Hapag-Lloyd, Kontron, Öl, Konjunkturdaten - Nord/LB Marktbericht
Der Iran-Krieg und die Sorge vor steigenden Energiepreisen drücken die Stimmung der deutschen Verbraucher deutlich. Das Barometer für das Konsumklima für April sank auf minus 28,0 Pkt. und damit um 3,2 Zähler zum Vormonat. Während die Kauflaune noch weitgehend stabil ist, trüben sich vor allem die Erwartungen an das künftige Einkommen und die Konjunktur spürbar ein. Die deutschen Verbraucher müssen sich der Bundesbank zufolge wegen gestiegener Energiepreise infolge des Iran-Kriegs auf eine höhere Teuerung einstellen. "Die Inflationsrate wird in den kommenden Monaten deutlich anziehen", heißt es in dem veröffentlichten Monatsbericht. Der höhere Rohölpreis verteuere kurzfristig insbesondere Kraftstoffe und Heizöl für die Verbraucher. "Infolgedessen dürfte die Inflationsrate in nächster Zeit deutlich in Richtung 3% ansteigen", so die Bundesbank. Zum Vergleich: Im Januar und Februar lag sie bei rund 2%.
Die Bundesregierung treibt die Einführung eines mit Milliardenhilfen subventionierten Industriestrompreises und die Ausweitung der Strompreiskompensation für weitere Branchen voran. Wirtschaftsministerin Reiche kündigte an, dass die Förderrichtlinien zu beiden Vorhaben bis Ende Q2 veröffentlicht würden, um eine rückwirkende Anwendung zu ermöglichen. Der Industriestrompreis soll ab dem 1. Januar 2026 greifen, die Strompreiskompensation rückwirkend für das gesamte Jahr 2025. Die Zahl der anspruchsberechtigten Sektoren steige von 10 auf 31, die Beihilfeintensität auf 85%. Mit dem Industriestrompreis will die Bundesregierung hohe Energiekosten für stromintensive Unternehmen abfedern und eine Abwanderung verhindern. Profitieren sollen Firmen aus der Chemie-, Metall- und Halbleiterbranche, die dann etwa 5 Cent pro Kilowattstunde zahlen sollen.
Tagesausblick
Zum Wochenausklang steht mit dem Michigan Index ein wichtiger Stimmungsindikator von Seiten der effektiven Nachfrage auf dem Plan. Die Stimmung der privaten Haushalte im März dürfte mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt werden, zumal die frischen Signale zu den Inflationserwartungen für die Fed aktuell besonders relevant sind. Im Anschluss treten passend dazu mit Mary Daly und Adrian Paulson gleich zwei Fed-Stimmen auf die Bühne. Hierzulande will der Bundestag eine grundlegende Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge beschließen. Die seit 2002 bestehende Riester-Rente wird durch ein neues System abgelöst, das renditestärker, einfacher und kostengünstiger sein soll. Kern der Reform ist die Abkehr von starren Beitragsgarantien, um höhere Renditen am Kapitalmarkt zu ermöglichen. Zudem wird die staatliche Förderung vereinfacht, der Kreis der Förderberechtigten auf Selbstständige erweitert und die Zulagen für Familien erhöht. Die neuen Regelungen sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Aktiemärkte
Widersprüchliche Signale aus den USA und dem Iran zu den Aussichten auf eine Deeskalation im Nahen Osten hielten die Anleger in Atem. Die Angst vor einem sich hinziehenden Krieg im Nahen Osten hat die Börsen dies und jenseits des Atlantiks belastet. Größter Verlierer im DAX waren die zuletzt deutlich erholten Siemens Energy mit -5,2%. Deutz verloren nach Geschäftszahlen im MDAX 7,2%. Börsianern gefiel das Profitabilitätsziel des Motorenbauers für 2026 nicht. Ähnlich erging es Kontron im SDAX mit einem Abschlag von mehr als 14%. Der Spezialist für Produkte rund um das sogenannte Internet-der-Dinge (IoT) enttäuschte mit seinem Gewinnziel für 2026.
DAX -1,50%; MDAX -1,93%; TecDAX -1,56%; Dow Jones -1,00%; S&P 500 -1,74%; Nasdaq Comp. -2,38%.
Unternehmen
Der Krieg im Nahen Osten macht Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd zunehmend zu schaffen. Der Hamburger Konzern schließt operativ ein deutliches Minus für das Gesamtjahr 2026 nicht aus. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde in einer Bandbreite von -1,3 bis +0,4 Mrd. EUR liegen, teilte Hapag-Lloyd mit. Die Prognose bleibe aufgrund sehr volatiler Frachtraten und des Nahost-Konflikts mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Schon im vergangenen Jahr musste die weltweit fünftgrößte Containerreederei einen EBIT-Rückgang um gut 63% auf 950 Mio. EUR hinnehmen.
Rohstoffe
US-Präsident Trump hat die angedrohten Angriffe auf Energieanlagen im Iran nach eigenen Angaben für weitere zehn Tage ausgesetzt und die Ölpreise damit gedrückt. Der Preis für die Nordseesorte Brent sank im frühen Handel um 0,8% auf 107,11 USD.
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