US-Geldpolitik: Auch das FOMC kann die Zukunft nicht vorhersagen - Nord/LB
Das FOMC der Federal Reserve belässt die Fed Funds Target Rate bei 3,75% und setzt um, was die Mehrheit der Marktbeobachter zuletzt auch erwartet hatte. Die Entscheidung wurde nahezu einstimmig entschieden, nur Stephen Miran hätte den Leitzins der USA gerne um 25 Basispunkte gesenkt. Aus unserer Sicht hätte das Gremium den Zins ohnehin erst um den Zeitpunkt des Wechsels an der Fed-Spitze gesenkt, der Iran-Konflikt und der damit einhergehende Inflationsdruck setzt sicherlich sogar hinter diese eher konservative Prognose mittlerweile ein großes Fragezeichen.
In der „Summary of Economics Projections“ ist zunächst (noch) nichts von größeren Änderungen bei den Projektionen zu spüren. Die Notenbanker sehen den Leitzins zum Ende 2026 in einer Range von 3,1-3,6%, was am unteren Rand nur leicht höher ausfällt. Powell sagte auf Nachfrage allerdings auch, dass wirklich niemand vorhersagen könne, welche Auswirkungen der Konflikt im Mittleren Osten noch auf die Märkte haben wird. Die Ölpreise als eine der zentralen Komponenten für die Lebenshaltungskosten sind aktuell ein großes Risiko für die Preisentwicklung in nahezu allen Ländern der Welt. Durch die Straße von Hormus werden, je nach Quelle, zwischen 20 und 30% des weltweiten Rohöls transportiert, aber auch energieintensive Vorprodukte wie Dünger werden in den Anrainerstaaten produziert und anschließend durch die Meerenge verschifft. Die Blockade trifft also nicht nur die Tanks, sondern perspektivisch auch die Teller. Mit der Zerstörung von Produktionsanlagen auf beiden Seiten der Fronten dürfte das Angebot an Öl ohnehin verknappt sein, zuletzt hörte man diesbezüglich aber auch Töne der Mäßigung. Man wolle möglicherweise Produktionsstätten schonen. Ob dies auch erfolgt, bleibt freilich abzuwarten.
Die USA als Nettoexporteur von Rohöl haben durch die eigenen Kapazitäten einen gewissen natürlichen „Hedge“, welcher die Preisanstiege im Binnenmarkt abmildern könnte. Jedenfalls sollten sie dort nicht so nachhaltig zu spüren sein wie in anderen Ländern, die stärker von exogenen Abhängigkeiten betroffen sind – der Beginn des Ukraine-Krieges lässt mit dem Anstieg von Gaspreisen grüßen. Die Sorte WTI (West Texas Intermediate) ist natürlich auch der Preisbildung am Weltmarkt unterworfen, dennoch fallen die Transportrisiken nicht so sehr ins Gewicht. Außerdem plant die US-Administration mit der temporären Aussetzung des sog. „Jones Act“ die Logistik in den USA zu vereinfachen. Es werden also Schritte neben der Freigabe von strategischen Ölreserven unternommen, um den allergrößten Druck von den Lebenshaltungskosten zu nehmen.
Wir gehen weiterhin von Zinssenkungen in den USA für 2026 aus, auch weil ein sich allzu sehr in die Länge ziehender Iran-Konflikt innenpolitisch wohl nicht lange geduldet werden würde. Wie sich die Stimmung noch ändern kann, lässt sich schwerlich antizipieren. Das Risiko bei den Midterms im November eine „Klatsche“ zu kassieren, dürfte den Granden der GOP allerdings im Hinterkopf sitzen. Verringerungen der Fed Funds Target Rate sollten Stand jetzt aber voraussichtlich erst zum Halbjahreswechsel vollzogen werden. Bis dahin dürfte man auch mehr Klarheit über die Tendenzen der Inflationsentwicklung haben.
Fazit: Das FOMC hat den Leitzins der USA bei 3,75% belassen. Ein Schritt nach unten hätte angesichts der globalen Inflationsdynamik sicherlich auch etwas fehl am Platz gewirkt. Wie Powell betonte, kann niemand in die Zukunft schauen, was sich ein Stück weit auch in den ebenfalls veröffentlichten Projektionen ablesen lässt. Bei den Erwartungen zur Leitzinsentwicklung haben die Notenbanker ihre Meinung bislang kaum geändert. Die Inflationserwartung wurde für das aktuelle Jahr zwar etwas angehoben, ein Hindernis für Zinssenkungen sollte dies allerdings nicht darstellen, denn der Realzins sollte weiterhin genügend Raum für eine geldpolitische Lockerung lassen. Spätestens ab dem Halbjahreswechsel sollte die Fed Funds Target Rate gesenkt werden können, zumindest wenn sich die Tendenzen bei der Inflationsentwicklung als positiv herausstellen.
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