Börse am Morgen: Lanxess, Erdgas, Ölpreis, Inflation - Nord/LB Marktbericht
Glaubt man dem Chef der spanischen Notenbank (Jose Luis Escriva) dann ist eine Zinsppause der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Monat eine beschlossene Sache. „Nach dem mir vorliegenden Stand der Informationen halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass wir die Leitzinsen bei der nächsten Sitzung antasten werden“. Auch wenn sich die Energiepreise derzeit in lange nicht gesehene Höhen katapultiert haben, bleibt die EZB reserviert. Bemerkenswert: Das Emirat Katar prognostiziert derzeit, dass alle Energieerzeuger am Golf die Exporte vollständig einstellen und dadurch der Preis pro Barrel Öl auf USD 150 treiben werden. Laut „Katar“ würde es auch bei einem sofort zu Ende gehenden Krieg „Wochen bis Monate“ dauern bis es zu einem normalen Lieferzyklus kommen würde.
In die gleiche Kerbe schlägt Isabel Schnabel (EZB Direktorin) und warnt. Der Energiepreisschock des Iran-Kriegs dominiert. „Wir dürfen uns jedoch nicht in Sicherheit wiegen. Wir müssen wachsam bleiben, da das aktuelle geopolitische und makroökonomische Umfeld Aufwärtsrisiken für die Inflation im relevanten Zeithorizont birgt.“
Wochenausblick
Der Sentix wird zu Wochenbeginn als früher monatl. Stimmungsindikator ein erstes Bild unter den befragten Finanzmarktexperten in Bezug auf die Region am Persischen Golf eingefangen haben. Bei den taggleichen harten Januar-Daten zur dt. Industrieproduktion wird mehrheitlich mit einer Stabilisierung gerechnet. Zur Wochenmitte rücken dann die Februar-Verbraucherpreise der USA in den Fokus. Die Energiepreisturbulenzen dürften sich darin voraussichtl. erst im Folgemonat zeigen, nichtsdestotrotz setzt sich schon längst auch die Fed mit den gestiegenen Inflationsrisiken auseinander. Am Freitag folgt zudem mit den PCE-Daten (Januar) das favorisierte Inflationsmaß der Fed.
Aktienmärkte
Die Ölpreise bestimmen den Marktverlauf. Und solange Öl knapp bleibt (und daher die Nachfrage hoch) gibt es für die Aktienmärkte in der Tendenz keine andere, volatile Richtung als gen Süden. Aber ist das ein genereller kurzfristiger Trend oder nur eine von mehrerer Wehen bis zur Geburt einer finalen Nahost-Lösung? Einfach wird es nicht, das ist klar. Bei der Nachrichtenlage darf oder muß man jeden Tag auf neue, sprichwörtliche Einschläge vorbereitet sein. Neben den ölpreisinduzierten Inflationssorgen rückt indes das KI-Thema komplett in den Hintergund. Der dt. Leitindex wollte diese Woche jedenfalls nicht im Plus schließen. Auch die Wall Street verzeichnet rote Vorzeichen. Krieg ist auf jeden Fall eines: Nicht günstig.
DAX -0,94%; MDAX -0,69%; TecDAX -1,53%; Dow Jones -0,94%; S&P 500 -1,33%; Nasdaq Comp. -1,59%.
Unternehmen
Lanxess-Aktien fielen zum Ende der letzten Woche auf ein 17- Jahrestief; 14% Kursverlust allein am Freitag. Die schwache Chemiekonjunktur und der Iran-Krieg veranlassen den Finanzinvestor Advent zur Zurückhaltung beim Einstieg im Joint-Venture Envalior.
Rohstoffe und Devisen
Im letzten Jahr erklomm die Stromerzeugung aus Erdgas und Solar neue Rekordstände. Erdgas? Ja, Erdgas. 2025 wurden aus Erdgas 10,2% mehr Strom produziert als im Jahr zuvor (70,6 Mrd. KWh). Erfreulich: Rd. 58,6% des in das dt. Netzt eingespeisten Stroms entstammt erneuerbaren Energieträgern. Windkraft fällt bei der erzeugten Strommenge dabei zurück (minus 3,6% auf 131,3 Mrd. KWh). Konventionelle Energieträger halten ihren Anteil an der Erzeugung konstant. In Summe wurden 2025 in Deutschland 438,2 Mrd. KWh Strom erzeugt und eingespeist.
Laut dem Wall Street Journal fährt Kuwait seine Öl-Exploration und Produktion aufrund voll laufender Lager zurück. Bemerkenswert: Kuwait ist Gründungsmitlgied der OPEC (Organisation Erdölexportierender Staaten). Der Grund ist trivial. Wohin mit dem schwarzen Gold wenn der Seeweg blockiert ist? Die Tanklager sind voll. Die Förderung wird auf das nötigste des kuwaitischen Verbrauchs zurück gefahren. In diesem Umfeld bleibt Rohöl weltweit weiter gesucht, oder eher knapp? Die Sorten Brent als auch WTI steigen heute morgen auf USD 116,10 resp USD 113,68 pro Barrel (plus 20,36% resp.+25,06%).
Auch der Greenback gilt trotz (oder wegen) der weltweiten Unsicherheit als eine sichere Bank. Entsprechend fällt der Euro und der Dollar ist King. Die europ. Gemeinschaftswährung verliert am Freitag ggü. der Weltleitwährung zwischenzeitlich bis auf 1,1544. Am Ende einigen sich die Devisenhändler auf einen Kurs von 1,1607.
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