Zinsphantasie und KI-Angst - Dt. Telekom, Siemens, Siemens Energy im Blickpunkt - Börse München
Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche erneut uneinheitlich tendiert. Wesentlichen Einfluss auf das Geschehen am Gesamtmarkt hatten dabei vor allem Konjunkturdaten aus den USA – hier beispielsweise die neuesten Arbeitsmarktzahlen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, und vor allem auch die etwas niedriger als erwartet ausgefallenen Inflationszahlen. Letztere wurden am Freitag publiziert, sorgten für Zinsphantasie und stützen damit die Aktiennotierungen. Belastet wurden sie dagegen von der immer mehr um sich greifenden Angst, dass die rasante Entwicklung der KI die Geschäfte von Unternehmen nachhaltig beeinträchtigen wird. Hatte sich diese zuvor vor allem auf die Kurse von High-Tech-Werten ausgewirkt, so beeinflusste sie zuletzt zunehmend auch die Notierungen von Aktien aus anderen Sektoren, beispielsweise aus dem Finanzbereich. Maßgeblich geprägt wurde die Entwicklung an den Börsen zudem unverändert durch die laufende Bilanzberichtssaison und die anhaltende Rotation weg von High-Tech-Titeln hin zu klassischen Werten.
Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte im Wochenvergleich um 0,8 Prozent auf 24.914,88 Punkte. Der MDax rutschte dagegen um 1,1 Prozent auf 31.299,04 Zähler ab. Beim TecDax errechnete sich ein Schlussniveau von 3.655,33 Punkten; und damit ein Wochenplus von einem Prozent. Der m:access All-Share verlor 1,1 Prozent auf 1.187,11 Punkte.
Wie bereits in den fünf Handelstagen zuvor gehörten die Papiere der Deutschen Telekom auch in der abgelaufenen Woche zu den großen Gewinnern im Dax. Dieses Mal kletterten sie um über 6 Prozent. Siemens Energy machten nach positiven Geschäftszahlen im Wochenverlauf 6,1 Prozent gut, wohingegen bei Siemens selbst – ebenfalls nach sehr positiven Zahlen und nach Berücksichtigung eines Dividendenabschlags von 5,35 Euro je Aktie – ein kleines Minus von 0,4 Prozent zu Buche stand. Die Geschäftszahlen der Commerzbank wurden von den Anlegern erheblich weniger honoriert. Der Titel der Frankfurter Großbank verlor im Wochenvergleich 4,4 Prozent.
Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche leicht angezogen. Wie an den Aktienmärkten wurde auch am Rentenmarkt das Geschäft vor allem von Nachrichten aus den USA und über die USA geprägt. So hatte beispielsweise am Montag die Bloomberg-Meldung, dass chinesische Beamte die Banken des Landes aufgefordert haben sollen, den Kauf von US-Staatsanleihen zu begrenzen, für Verunsicherung gesorgt. Dagegen profitierten die Märkte zum Wochenende hin von den etwas niedriger als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten. Diese vergrößern nach allgemeiner Auffassung den Spielraum der US-Notenbank Fed, die Zinsen zu senken. So erwartet etwa die Commerzbank, dass die Fed die Zinsen ab Juni viermal senken wird. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe wurde am Freitag im späten Geschäft mit 2,75 Prozent berechnet. Dies waren 9 Basispunkt weniger als eine Woche zuvor. Die Umlaufrendite gab um 2 Hundertstel auf 2,70 Prozent nach.
Noch mehr als in Deutschland war das Geschehen an den US-Aktienbörsen in der vergangenen Woche von der Angst vor dem negativen Einfluss der KI auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen geprägt und von den neuesten Konjunkturdaten. Dabei zeigte sich insbesondere der Dow-Jones-Index zunächst sehr widerstandsfähig und kletterte mehrmals auf ein neues Rekordniveau. Diesen Schwung konnte er allerdings nicht halten und notierte letztlich im Wochenvergleich im Minus. Er verlor 1,2 Prozent auf 49.500,93 Zähler. Der breiter gefasste S&P-500 gab ähnlich stark nach – nämlich um 1,4 Prozent auf 6836,17 Punkte. Ebenfalls um 1,4 Prozent ging der technologielastige Nasdaq-100 in den Keller. Er wurde am Freitag zuletzt mit 24.732,73 Punkten berechnet.
Ausblick
Das Geschehen an den Aktienmärkten wird nach allgemeiner Auffassung auch in der laufenden Woche von denselben Faktoren geprägt sein, wie in den beiden Wochen zuvor: Konjunkturdaten, die möglicherweise die Zinsphantasie weiter beflügeln auf der einen Seite und KI-Angst auf der anderen. Ergänzt wird dies durch Unternehmensmeldungen im Rahmen der laufenden Bilanzberichtssaison und durch charttechnische Aspekte; insbesondere beim Dax könnte es dabei nach Auffassung der Auguren erneut darum gehen, ob er die Marke von 25.000 Punkten nachhaltig überbieten kann.
Bei den Konjunkturdaten dürfte sich der Blick der hiesigen Investoren zumindest zum Wochenanfang mangels US-Daten vor allem auf Europa und Deutschland richten; etwa auf die Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone – die neuesten Zahlen werden am Montag veröffentlicht – und auf den Verbraucherpreisindex und die Ergebnisse der ZEW-Konjunkturumfrage. Beide stehen für Dienstag im Kalender. Dieser wird ab Mittwoch dann sehr voll. Denn sowohl in Europa als auch in den USA stehen dann zahlreiche neue Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an.
Daneben richtet sich das Interesse der Marktteilnehmer unverändert auf die laufende Bilanzberichtssaison. Vor allem zur Wochenmitte werden in diesem Zusammenhang etliche wichtige Unternehmen Einblick in Ihre Bücher geben. Am Donnerstag sind dies Airbus, Infineon, Knorr-Bremse, der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé und in den USA Walmart.
Unabhängig von den kurzfristigen Daten hat zumindest die Bank of America in der Vorwoche eine erfreuliche Prognose für die deutsche Wirtschaft und für den deutschen Aktienmarkt publiziert. Demnach schlage sich das deutsche Fiskalpaket zur Belebung der Wirtschaft endlich auch in den Wirtschaftsdaten nieder. Entsprechend rechnet das Institut jetzt damit, dass die deutschen Aktienmärkte sich in den kommenden Monaten besser entwickeln werden als die anderen europäischen Märkte.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 16.02.: Industrieproduktion in der Eurozone. Dienstag, 17.02.: Verbraucherpreisindex Deutschland; ZEW-Konjunkturumfrage für Deutschland und die Eurozone; Redbook (USA).
Mittwoch, 18.02.: US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter; Kapazitätsauslastung der Industrie (USA); Industrieproduktion (USA).
Donnerstag, 19.02.: Bundesbank-Monatsbericht; Entwicklung des Verbrauchervertrauens in der Eurozone; Erstanträge und Folgeanträge Arbeitslosenunterstützung in den USA; Philly-Fed-Herstellungsindex; US-Handelsbilanz.
Freitag, 20.02.: Erzeugerpreisindex für Deutschland; HCOB-EMI-Index für das verarbeitende Gewerbe und für Dienstleistungen in Deutschland und der Eurozone; Entwicklung der Konsumausgaben in den USA; Einkommensentwicklung in den USA; S&P-Global EMI-Index
