Ausblick auf die US-Notenbanksitzung am 28. Januar 2026: Politik könnte dominieren - DWS
Nach Wochen intensiver Kommunikation und zahlreicher öffentlicher Auftritte von US-Notenbankern scheinen sich die Erwartungen einer Zinspause gut verankert zu haben. Die aktuelle Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent im Dezember deutet darauf hin, dass der Arbeitsmarkt weiterhin nahe der Vollbeschäftigung liegt—wenn auch mit einer leichten Tendenz zur Schwäche. Die Neueinstellungen lagen 2025 im Durchschnitt bei rund 50.000 pro Monat. Das stellt zwar eine Abkühlung dar, dürfte jedoch angesichts der demografischen Entwicklung und einer rückläufigen Migration weiterhin ausreichen. Die Inflation verlief zuletzt seitwärts und lag in den vergangenen Monaten bei etwa 2,8 Prozent. Bereinigt um einen vermutlich vorübergehenden Tarifeffekt von 0,5 Prozentpunkten könnte die zugrunde liegende Teuerung damit näher am Zielwert liegen, als noch vor wenigen Monaten befürchtet wurde. Die tarifbedingten Preisaufschläge wurden nur teilweise an die Verbraucher weitergegeben, was auch die relative Schwäche am Arbeitsmarkt erklären könnte. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die Daten weiterhin durch die Folgen des Verwaltungsstillstands verzerrt bleiben. Ein temporärer Anstieg der Inflation im ersten Quartal 2026 erscheint daher nach wie vor wahrscheinlich. Zudem könnte eine leichte Belebung der Industrieproduktion die Beschäftigung etwas stützen. Für uns ist dies ein weiterer Grund, warum die Notenbanker zunächst abwarten, bis die Effekte des Stillstands aus den Daten herausgewaschen sind und ein klareres Bild entsteht.
Das eigentliche Thema in diesem Monat ist jedoch, dass die Unabhängigkeit der US-Notenbank erneut in den Mittelpunkt rückt. Nach dem Versuch, Gouverneurin Lisa Cook im Jahr 2025 aus dem Amt zu drängen, sieht sich nun der Fed-Chef Jerome Powell mit Vorwürfen im Zusammenhang mit den Renovierungsarbeiten des Fed-Zentralbankgebäudes konfrontiert. Bemerkenswert ist, dass er sich veranlasst sah, in einem historischen zweiminütigen Video auf der Website der Fed öffentlich Stellung dazu zu beziehen. Auch wenn wir nicht erwarten, dass Powell dieses Thema in der Pressekonferenz kommentieren wird, möchten wir daran erinnern, dass eine Entscheidung über seine Nachfolge nun unmittelbar bevorstehen könnte. Es würde uns nicht überraschen, wenn diese Ankündigung zeitnah mit der kommenden Notenbanksitzung erfolgt — und möglicherweise einige Überraschungen bereithält.
Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS
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