Börse am Morgen: 3M, Netflix, Gold, Silber, Dollar, WEF Davos, Konjunkturdaten - Nord LB Marktbericht
Die Ergebnisse der ZEW-Befragungsrunde zeigen zum Jahresstart eine kräftige Stimmungsaufhellung unter Finanzmarktexperten an. Die Konjunkturerwartungen für Deutschland sind auf einen Stand von 59,6 Punkten geklettert, dem höchsten Wert seit rund viereinhalb Jahren. Gleichzeitig hat sich auch die Lagebeurteilung aufhellen können. Die heutigen Daten unterstreichen die Aussicht auf eine wieder anziehende Binnenkonjunktur und Investitionstätigkeit mit der expansiven Fiskalpolitik im Jahr 2026. Dies scheint sich nun sukzessive im Stimmungsbild durchzusetzen. Gleichwohl bleiben geo- und handelspolitische Spannungen wie die jüngsten Zollandrohungen des US Präsidenten Belastungsfaktoren. Die Unsicherheit bleibt damit wohl auch in diesem Jahr gewissermaßen eine Konstante.
China will mit neuen Maßnahmen den Binnenkonsum bis 2030 ankurbeln. Dabei rücke der Dienstleistungssektor in den Mittelpunkt, sagte Changlin, Vize-Chef der staatlichen Planungskommission. Chinas Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 5% gewachsen - genau wie von der Regierung vorgegeben. Ein Exportboom glich dabei den schwachen Binnenkonsum aus. Die Industrieproduktion stieg um 5,9% und übertraf damit das Wachstum der Einzelhandelsumsätze von 3,7%, was das Ungleichgewicht unterstreicht.
Tagesausblick
Wichtige Redebeiträge in Davos werden heute von der EZB-Präsidentin Christine Lagarde erwartet. Besonders genau werden Beobachter auf mögliche Äußerungen achten, inwieweit sich die EZB selbst um die Unabhängigkeit der Fed in den USA sorgt, nachdem die Versuche politischer Einflussnahme zuletzt stark zugenommen haben und auch perspektivisch der Druck weiter steigen dürfte. Inmitten der zunehmenden Spannungen um die Zukunft Grönlands wird zudem US-Präsident Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet. Dessen Rede am Nachmittag dürfte für Aufsehen vor Ort und an den Finanzmärkten sorgen. Von Seiten der Konjunkturdaten rücken britische Inflationsdaten für den Dezember in den Fokus, wobei allerdings am aktuellen Rand mit wenig Dynamik zu rechnen ist.
Aktienmärkte
Die jüngste Eskalation im Streit um Grönland sorgte auch an der Wall Street für fallende Kurse. Die neu entflammten Sorgen über die Geo- und Handelspolitik belasteten neben Konsumaktien u.a. die Titel der US-Kreuzfahrtanbieter. Die Aktien von Norwegian Cruise Line Holdings, Carnival und Royal Caribbean verloren zwischen 2,2 und 7,5%. Für Gesprächsstoff sorgte zudem 3M mit einem Kursrutsch von knapp 7%. Der Hersteller von Klebeband, Post-it-Notizzetteln und Elektrowerkzeugen hat eine pessimistische Prognose für 2026 abgegeben.
Dow Jones -0,58%; S&P 500 -2,06%; Nasdaq Comp. -2,39%; DAX -1,03%; MDAX -1,86%; TecDAX -0,74%.
Unternehmen
Der Erfolg der finalen Staffel "Stranger Things" und des neuen Films der Krimireihe "Knives Out" haben Netflix zu einem überraschend starken Quartalsergebnis verholfen. Mit seinem Ausblick enttäuschte der Streamingdienst jedoch. Der Umsatz werde im laufenden Vierteljahr voraussichtlich bei etwa 12,16 Mrd. USD und der Gewinn bei 0,76 USD je Aktie liegen. Analysten hatten mit 12,19 Mrd. USD bzw. mit 0,81 USD je Aktie gerechnet.
Devisen und Rohstoffe
Der USD gab stark nach. Grund: die geopolitischen Spannungen rund um den Grönland-Streit. Eine weitere Eskalation des Grönland-Konflikts würde dem EUR neuen Auftrieb verleihen.
Angesichts der Unsicherheit und der Furcht vor einem eskalierenden Handelskonflikt hielt die Flucht in als sicher geltende Anlagen an. Der Goldpreis sprang erstmals über die Marke von 4.700 USD je Feinunze. Auch den Silberpreis trieb die Rally weiter voran. Mit einem Rekordhoch von 95,87 USD robbte sich Silber an die 100-USD-Marke heran.
Die Ölpreise haben etwas zugelegt. Wie bereits am Vortag hielten sich die Kursbewegungen in einer vergleichsweise engen Handelsspanne. Noch habe der Markt keine Eskalation des Grönlandstreits mit gegenseitigen Zöllen eingepreist, hieß es.
Energie: Der Betreiber des Unglückskraftwerks Fukushima, Tepco, will heute erstmals seit der Katastrophe von 2011 wieder einen Reaktor hochfahren. Im weltgrößten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa solle der Reaktor Nummer sechs wieder ans Netz gehen. Für den Konzern ist es die erste Wiederinbetriebnahme eines Reaktors seit der von ihm verursachten Kernschmelze in Fukushima – und der damit einhergehenden Wende in der Energiepolitik Deutschlands.
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