Systemverschiebung: Analysten skizzieren Goldpreis-Anstieg bis auf 8.650 USD je Unze!
Der kräftige Anstieg bei Gold und Silber ist nach Einschätzung von Analysten der kanadischen BMO Capital Markets Ausdruck einer sich verschiebenden Ordnung an den globalen Finanzmärkten. Treiber sei weniger ein einzelnes Ereignis als vielmehr eine wachsende Unsicherheit darüber, wie belastbar staatliche Bilanzen langfristig bleiben – und wie widerstandsfähig Fiat-Währungen in einem Umfeld zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Spannungen sind. In einem aktuellen Bericht unternimmt BMO ein Gedankenexperiment: Welche Annahmen müssten gelten, damit Gold in den kommenden Quartalen in eine weitere, deutlich höhere Preisetappe eintritt?
Ausgangspunkt ist eine Marktbewegung, die selbst ambitionierte Prognosen überholt hat. Gold stieg demnach bereits im ersten Monat des Jahres über die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze und lag damit oberhalb der von BMO im Dezember für das erste Quartal erwarteten Niveaus. Für die Analysten ist das ein Hinweis, dass klassische Prognosemodelle mitunter zu langsam reagieren – weil sich die Rahmenbedingungen schneller verändern als historische Daten es abbilden können.
Gold als Indikator für den Zustand des globalen Systems
BMO beschreibt eine zentrale These: Ein Ausblick auf Gold und Edelmetalle sei im Kern eine Wette auf die künftige Ausgestaltung des Weltfinanzsystems – und auf den Übergang, der dorthin führt. Die Analysten verknüpfen den jüngsten Preisschub mit dem Gefühl, dass sich die Welt in Richtung einer „neuen Ordnung“ bewegt, in der sich möglicherweise zwei dominante Einflussräume herausbilden. Staaten und Akteure dazwischen könnten stärker unter Druck geraten, sich zuzuordnen – ein Umfeld, in dem Gold als Reserve- und Absicherungsinstrument an Bedeutung gewinnt.
Zugleich betont BMO, dass die Unterstützung für Gold nicht ausschließlich aus den USA komme. Zwar habe die Rückkehr des sogenannten „Sell America“-Narrativs – mit Druck auf US-Dollar und Anleihemärkte – neue Kaufimpulse geliefert. Aber die Analysten verweisen auf parallele Signale aus anderen Regionen. So habe es zuletzt einen starken Abverkauf japanischer Anleihen gegeben, begleitet von deutlichen Bewegungen im Yen. Solche Entwicklungen nähren aus Sicht von BMO zusätzliche Zweifel daran, welche Anlagen in einem stressigen Marktumfeld zuverlässig als „sicherer Hafen“ funktionieren – was die Nachfrage nach Gold breiter abstützen könne.
Welche Annahmen BMO im Bull-Case für Gold verwendet
Im Zentrum des Gedankenexperiments steht ein „Bull-Case“-Szenario, das BMO ausdrücklich als Modellrechnung beschreibt. Dafür „strecken“ die Analysten ihre Input-Annahmen in Richtung eines Umfelds, in dem Investoren unterschiedlichster Art weiterhin Gold aufstocken – in einem Tempo, das dem ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit entspricht oder es sogar übertrifft. Konkret arbeitet BMO in diesem Szenario unter anderem mit durchschnittlichen vierteljährlichen Zentralbankkäufen von rund 8 Millionen Unzen sowie ETF-Zuflüssen von etwa 4 bis 5 Millionen Unzen je Quartal. Hinzu kommen Annahmen über eine fortgesetzte Erosion realer Renditen sowie einen schwächeren US-Dollar.
Unter diesen Voraussetzungen leitet BMO für Gold ein mögliches Preisniveau von rund 6.350 US-Dollar je Unze bis zum vierten Quartal 2026 ab. Für das vierte Quartal 2027 nennt das Bull-Case-Modell etwa 8.650 US-Dollar je Unze. Gleichzeitig stellt die Bank klar: Dies sei noch keine offizielle Anpassung der im Dezember veröffentlichten Prognosen. Der Grund ist bemerkenswert: BMO sieht derzeit weniger ein „Falsifizieren“ einzelner Parameter, sondern ein grundsätzliches Problem vieler Vorhersagemodelle. Diese seien oft zu stark historisch kalibriert und könnten Umbrüche im Maßstab einer Systemverschiebung – die BMO in ihrer Notiz als die größte seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einordnet – nur unzureichend erfassen.
Dazu passt, dass BMO die Aussagekraft langer Datenreihen relativiert. Ein Modell, das deutlich weiter als fünf Jahre zurückreicht, sei aus ihrer Sicht nicht gut geeignet, den aktuellen Goldpreis zu erklären. In einem aktualisierten Fünf-Jahres-Regressionsansatz sehen die Analysten die stärkste statistische Signifikanz bei zwei Größen: Zentralbankbeständen und ETF-Flüssen. Zwar zeige sich im betrachteten Zeitraum auch eine insgesamt negative Beziehung zwischen US-Dollar, langfristigen US-Renditen und Gold, doch selbst diese Korrelation sei nicht stabil. Seit 2020 beobachtet BMO eine negative Korrelation zwischen Gold und dem Dollarindex DXY lediglich in 78% der Zeit. Auffällig: Die Beziehung zu Aktienmärkten, historisch eher schwach, habe sich zuletzt ins Positive gedreht.
Silber zieht nach: Gold-Silber-Verhältnis fällt unter 50
Parallel zu Gold rückt Silber stärker in den Fokus. BMO verweist darauf, dass Silber inzwischen ebenfalls deutlich zugelegt und die Marke von 100 US-Dollar je Unze überschritten habe. Damit sei das Gold-Silber-Verhältnis auf neue Mehrjahrestiefs gefallen – unter 50 Punkte. Noch im Dezember war BMO davon ausgegangen, dass Gold Silber übertreffen dürfte, weil Gold klassisch als monetärer „Safe-Haven“-Anker wahrgenommen wird. Nun skizzieren die Analysten jedoch ein Umfeld, in dem Silber den gelben Edelmetall-Preis relativ überflügeln könnte.
Der Kern dieser Überlegung: Das neue globale Risikoumfeld könnte – verstärkt durch Retail-Beteiligung – auch den „Nicht-Gold“-Edelmetallen eine stärkere Schutzfunktion zuschreiben, obwohl diese traditionell stärker durch industrielle Faktoren geprägt sind. Als Ankerpunkt für einen Bull-Case nimmt BMO an, dass sich das Gold-Silber-Verhältnis über längere Zeit im Bereich von 40 bis 50 bewegt, also am unteren Ende der 30-Jahres-Spanne. Daraus leitet die Bank modellhaft Silberpreise von etwa 160 US-Dollar je Unze bis Q4 2026 sowie rund 220 US-Dollar je Unze bis Q4 2027 ab.
Unterm Strich liefert BMO damit weniger eine „neue offizielle Prognose“ als eine Landkarte möglicher Preisräume – abhängig davon, ob Zentralbanken, ETF-Investoren und das Zins- und Währungsumfeld den derzeitigen Trend bei Gold und Silber über mehrere Quartale tragen.
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Ausgangspunkt ist eine Marktbewegung, die selbst ambitionierte Prognosen überholt hat. Gold stieg demnach bereits im ersten Monat des Jahres über die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze und lag damit oberhalb der von BMO im Dezember für das erste Quartal erwarteten Niveaus. Für die Analysten ist das ein Hinweis, dass klassische Prognosemodelle mitunter zu langsam reagieren – weil sich die Rahmenbedingungen schneller verändern als historische Daten es abbilden können.
Gold als Indikator für den Zustand des globalen Systems
BMO beschreibt eine zentrale These: Ein Ausblick auf Gold und Edelmetalle sei im Kern eine Wette auf die künftige Ausgestaltung des Weltfinanzsystems – und auf den Übergang, der dorthin führt. Die Analysten verknüpfen den jüngsten Preisschub mit dem Gefühl, dass sich die Welt in Richtung einer „neuen Ordnung“ bewegt, in der sich möglicherweise zwei dominante Einflussräume herausbilden. Staaten und Akteure dazwischen könnten stärker unter Druck geraten, sich zuzuordnen – ein Umfeld, in dem Gold als Reserve- und Absicherungsinstrument an Bedeutung gewinnt.
Zugleich betont BMO, dass die Unterstützung für Gold nicht ausschließlich aus den USA komme. Zwar habe die Rückkehr des sogenannten „Sell America“-Narrativs – mit Druck auf US-Dollar und Anleihemärkte – neue Kaufimpulse geliefert. Aber die Analysten verweisen auf parallele Signale aus anderen Regionen. So habe es zuletzt einen starken Abverkauf japanischer Anleihen gegeben, begleitet von deutlichen Bewegungen im Yen. Solche Entwicklungen nähren aus Sicht von BMO zusätzliche Zweifel daran, welche Anlagen in einem stressigen Marktumfeld zuverlässig als „sicherer Hafen“ funktionieren – was die Nachfrage nach Gold breiter abstützen könne.
Welche Annahmen BMO im Bull-Case für Gold verwendet
Im Zentrum des Gedankenexperiments steht ein „Bull-Case“-Szenario, das BMO ausdrücklich als Modellrechnung beschreibt. Dafür „strecken“ die Analysten ihre Input-Annahmen in Richtung eines Umfelds, in dem Investoren unterschiedlichster Art weiterhin Gold aufstocken – in einem Tempo, das dem ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit entspricht oder es sogar übertrifft. Konkret arbeitet BMO in diesem Szenario unter anderem mit durchschnittlichen vierteljährlichen Zentralbankkäufen von rund 8 Millionen Unzen sowie ETF-Zuflüssen von etwa 4 bis 5 Millionen Unzen je Quartal. Hinzu kommen Annahmen über eine fortgesetzte Erosion realer Renditen sowie einen schwächeren US-Dollar.
Unter diesen Voraussetzungen leitet BMO für Gold ein mögliches Preisniveau von rund 6.350 US-Dollar je Unze bis zum vierten Quartal 2026 ab. Für das vierte Quartal 2027 nennt das Bull-Case-Modell etwa 8.650 US-Dollar je Unze. Gleichzeitig stellt die Bank klar: Dies sei noch keine offizielle Anpassung der im Dezember veröffentlichten Prognosen. Der Grund ist bemerkenswert: BMO sieht derzeit weniger ein „Falsifizieren“ einzelner Parameter, sondern ein grundsätzliches Problem vieler Vorhersagemodelle. Diese seien oft zu stark historisch kalibriert und könnten Umbrüche im Maßstab einer Systemverschiebung – die BMO in ihrer Notiz als die größte seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einordnet – nur unzureichend erfassen.
Dazu passt, dass BMO die Aussagekraft langer Datenreihen relativiert. Ein Modell, das deutlich weiter als fünf Jahre zurückreicht, sei aus ihrer Sicht nicht gut geeignet, den aktuellen Goldpreis zu erklären. In einem aktualisierten Fünf-Jahres-Regressionsansatz sehen die Analysten die stärkste statistische Signifikanz bei zwei Größen: Zentralbankbeständen und ETF-Flüssen. Zwar zeige sich im betrachteten Zeitraum auch eine insgesamt negative Beziehung zwischen US-Dollar, langfristigen US-Renditen und Gold, doch selbst diese Korrelation sei nicht stabil. Seit 2020 beobachtet BMO eine negative Korrelation zwischen Gold und dem Dollarindex DXY lediglich in 78% der Zeit. Auffällig: Die Beziehung zu Aktienmärkten, historisch eher schwach, habe sich zuletzt ins Positive gedreht.
Silber zieht nach: Gold-Silber-Verhältnis fällt unter 50
Parallel zu Gold rückt Silber stärker in den Fokus. BMO verweist darauf, dass Silber inzwischen ebenfalls deutlich zugelegt und die Marke von 100 US-Dollar je Unze überschritten habe. Damit sei das Gold-Silber-Verhältnis auf neue Mehrjahrestiefs gefallen – unter 50 Punkte. Noch im Dezember war BMO davon ausgegangen, dass Gold Silber übertreffen dürfte, weil Gold klassisch als monetärer „Safe-Haven“-Anker wahrgenommen wird. Nun skizzieren die Analysten jedoch ein Umfeld, in dem Silber den gelben Edelmetall-Preis relativ überflügeln könnte.
Der Kern dieser Überlegung: Das neue globale Risikoumfeld könnte – verstärkt durch Retail-Beteiligung – auch den „Nicht-Gold“-Edelmetallen eine stärkere Schutzfunktion zuschreiben, obwohl diese traditionell stärker durch industrielle Faktoren geprägt sind. Als Ankerpunkt für einen Bull-Case nimmt BMO an, dass sich das Gold-Silber-Verhältnis über längere Zeit im Bereich von 40 bis 50 bewegt, also am unteren Ende der 30-Jahres-Spanne. Daraus leitet die Bank modellhaft Silberpreise von etwa 160 US-Dollar je Unze bis Q4 2026 sowie rund 220 US-Dollar je Unze bis Q4 2027 ab.
Unterm Strich liefert BMO damit weniger eine „neue offizielle Prognose“ als eine Landkarte möglicher Preisräume – abhängig davon, ob Zentralbanken, ETF-Investoren und das Zins- und Währungsumfeld den derzeitigen Trend bei Gold und Silber über mehrere Quartale tragen.
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II. Risikoaufklärung:?Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.
III. Interessenkonflikte:?Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.

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