EQS-News: Die lange Tanzkarte

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EQS-News: mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG
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Die lange Tanzkarte Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG Wer heutzutage Standpunkte wie diesen hier schreibt, sollte nicht zu früh anfangen, denn die Ereignisse überschlagen sich schneller, als man ein Dokument abspeichern kann. Und ja, wir sollten eigentlich zu relevanten Themen im Bereich der KMU-Unternehmen schreiben anstatt zur Geopolitik, aber das hängt doch alles miteinander zusammen: Geostrategisches, Zinsentwicklung etc. Leser hier wissen ohnehin schon länger, was auf "uns" (Europa) zukommt: Jedenfalls scheinen sich die Staaten der EU zu einer Reaktion nach dem "Anti-Coercion-Instrument" einigen zu wollen und bitten womöglich zum Tanz. Ob dies nach der Veröffentlichung dieses Standpunktes gelingt, die europäische Super-Bazooka auszupacken, muss man mit höchster Spannung beobachten. Hier gabelt sich der europäische Weg. Obwohl Trump die italienische Rechtsaußen-Nudel mit einem Nudel-Zoll-Deal einfangen wollte, hat sie zu unserer Überraschung dem Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Südamerika doch zugestimmt. Über Viktor Orbán machen wir uns keine Gedanken mehr. Aber: Neben Italien steht auch Polen nicht auf Batmans neuester Zolldrohung. Zwischenzeitlich merken auch die selbsternannten Alternativen, dass das Gebuckel vor dem vermeintlichen "Boss der autokratisch regierten Wunschwelt" vielleicht eher in Richtung Verrat geht, als dass es eine zielführende Strategie sein kann. Wir selbst schreiben und träumen ja seit Langem von mehr Europa, wenngleich doch von einem stark reformierten. Aber die Europäer haben noch viel mehr "im Köcher". Die gesamte Industrie für Hochleistungschips baut diese nach unserem Verständnis auf Maschinen des holländischen Herstellers ASML. ASML liefert die Schlüsseltechnologie (EUV-Lithografie) für die Produktion von fortschrittlichen 3-nm- und 5-nm-Chips, die mit speziellen NXE-Systemen wie dem NXE:3600D hergestellt werden. Wir haben keine Ahnung von den vertraglichen Verpflichtungen - aber diese scheren ja die handelnden Personen jenseits des Atlantiks auch nicht. Mit einem Lieferstopp wäre der ganze Zirkus rund um das Thema Künstliche Intelligenz erst einmal in der Winterpause. Dies hätte massive Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, da die stark inflationierten Aktivitäten rund um KI bisher Treiber der Märkte waren. Voraussichtlich macht die EU sich schadensersatzpflichtig, aber es bleibt die Frage, ob eine Unterwerfung unter Batmans Diktat nicht wesentlich teurer kommt. Ob man das dann wirklich umsetzt, ist noch eine andere Frage, aber die glaubwürdige Drohung dürfte auf der anderen Seite des Atlantiks zu tiefem Durchatmen führen. Ob Europa zu so einem Bluff fähig wäre, haben wir zumindest bis zum Wochenende bezweifelt. Ob Batman einen weiteren Tanz mit dem Iran eröffnet, kann momentan niemand absehen. Seine Schiffe sind auf dem Weg, und wir würden darauf tippen, dass da etwas kommt, da ein Erfolg seines Tanzes um Grönland fragwürdig ist. Erfahrungsgemäß springt er dann auf ein anderes Parkett. Wir hoffen so oder so auf möglichst geringe zivile Opfer. Ein noch wichtigerer Tanz steht für Batman innenpolitisch auf der Karte. Ob er das allerdings alles so mitbekommt beim abendlichen Cheeseburger vor dem TV, entzieht sich unserer Kenntnis. Es mag sein, dass die Reporting-Linien im Weißen Haus mittlerweile nahezu ebenso verbogen sind wie bei seinem "Kumpel" im Kreml. Jedenfalls haben sich die ersten Größen der Wall Street auf Batmans Tanzkarte eingetragen. Jeremy Barnum (CFO von JP Morgan) erwägt eine Klage der Bank gegen die US-Regierung wegen des verhängten Zinsstopps bei Kreditkarten. Batman hat nicht lange gefackelt und der Bank eine Klage wegen des Debankings seiner Person nach dem Sturm auf das Kapitol angedroht. JP Morgans CEO Jamie Dimon dürfte faktisch eine der mächtigsten Personen in den USA sein, und bisher hat Trump auf ihn gehört, wie im April 2025 bei der Ankündigung der Zölle. Die Regierung hat sicher noch einige Pluspunkte im Feuer. Hier wird es ebenfalls interessant. Jerome Powell, der unabhängige Chef der US-Notenbank, ist Trumps unbequemster Gegenspieler in der Finanzpolitik. Trump bittet auch hier zum Tanz, indem er ihn öffentlich diffamiert und juristisch unter Druck setzen lässt. Das Ziel ist: ein neuer Notenbankchef, der sich nicht weigert, Wahlkampfpolitik mit Zinssenkungen zu finanzieren. Es bestehen aber berechtigte Zweifel, selbst bei Republikanern, ob dieser Schuss nicht nach hinten losgeht. Immerhin muss der Senat die Nominierung eines neuen Kandidaten bestätigen. Aber nicht nur wegen Powells hoher Reputation: Er gibt zwar den Vorsitz ab, bleibt aber bis 2028 im Gouverneursrat und kann dort weiterhin eine gewichtige Position einnehmen. Es brodelt reichlich in den USA - wegen der innenpolitischen Situation und der Inflation sowie auch in der MAGA-Bewegung wegen der exterritorialen Aktivitäten, die eigentlich nicht auf der Agenda waren. Sollte der Souverän bei den Midterms im November noch unter "normalen" Bedingungen zur Urne schreiten können und eher die Demokraten zum Tanz bitten, dürfte sich der Spuk deutlich verringern. Allerdings bestehen Befürchtungen, dass die derzeitige innenpolitische Eskalation eine ordnungsgemäße Wahl verhindern soll. Wird nicht ordentlich gewählt, haben die USA den Schritt von der Autokratie zu einer Diktatur endgültig vollzogen. Da die Bürger wohl zu 70 % unzufrieden sind, dürfte so etwas aber nicht ohne Reaktion bleiben. Ob Batman nun auf zu vielen Hochzeiten tanzt? Den Europäern droht eben auch weiteres Ungemach, wenn sie nicht bald "aus dem Quark" kommen. Denn die anhaltenden Spannungen mit den USA haben zu einer Exportoffensive chinesischer Unternehmen in den Rest der Welt geführt, und man hat sich auf zahlreichen Tanzkarten nach oben gearbeitet. Nach Daten des chinesischen Zolls ist der Handelsüberschuss im vergangenen Jahr auf 1,2 Billionen Dollar und damit um 5,5 % gestiegen, nach Deutschland sogar um 10,5 %. Das Ganze bei rückläufigen Importen Chinas. China ist damit von einer Werkbank zu einer Wirtschaftsmacht auf Augenhöhe geworden, die technologisch nicht nur mithalten kann. Die Automobilindustrie war erst der Anfang. Europa wirft unter dem Druck der angeblichen öffentlichen Meinung bei der Automobilindustrie einen Blick in die Steinzeit (die taz lästerte über UvdL mit der Schlagzeile "Die Auspuffmutter"). Das Handelsblatt berichtet in der Heiligabend-Ausgabe (danke dafür, genau mein Humor) über Shanghai in Teilen als Vorbild für deutsche Städte: "Annähernd 70 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Shanghai sind elektrisch betrieben." Ob die neuerlichen Pläne zur Förderung des Erwerbs von E-Autos in Deutschland zur Aufholjagd werden, bleibt abzuwarten. Es mangelt schlichtweg am Ausbau der Infrastruktur. Derweil befasst sich die Bundesregierung, wenn sie nicht von außen getrieben wird, vermutlich mit sich selbst. Zwar hat Friedrich Merz Berichte über ein Revirement des Kabinetts erst einmal dementiert, aber das Karussell hat ja bereits Fahrt aufgenommen. So wurde bereits der Büroleiter im Kanzleramt ausgewechselt, gegen den bisherigen Bundesgeschäftsführer der CDU, Birkenmaier. Diesem folgt der bisherige Leiter Politik und Programm aus dem Konrad-Adenauer-Haus nach. Aber vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März wird aufgrund der Parteiräson erst einmal nichts weiter passieren, obwohl das vielleicht sogar hilfreich sein könnte - nach den Eskapaden von "Eurer Exzellenz" oder dem "Maskenmann". Was hat das alles mit den KMU-Investments zu tun? Wir glauben weiterhin an eine Rotation weg von den bisherigen Modebranchen, wo das Chance-Risiko-Verhältnis u. E. nicht mehr angemessen ist, hin zu mittelständischen Unternehmen, die sich nicht nur in Larmoyanz ergehen, sondern in diesem wechselhaften Umfeld gut zurechtfinden. Eine Einigkeit Europas und eine Revision weg von einem Bürokratiemonster wären hier aber förderlich. In Anbetracht der Herausforderungen dürfte der Finanzierungsbedarf dieser Unternehmen weiterhin gegeben sein. Die Branche stellt sich darauf ein. So gab es zuletzt diverse Konsolidierungen von Marktteilnehmern, die sich von der Tanzkarte auf dem Kapitalmarkt für Mittelständler zurückgezogen haben. Aber ebenso sind nun neue Akteure auf den Plan getreten, und auch unser Haus entwickelt seine Aktivitäten zum Mittanzen konsequent, aber mit Augenmaß weiter. "If there is no competition, there is probably no market." Zu mwb: Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. Unsere Dienstleistungen umfassen Emissionsberatung & Listings, Zahlstellenfunktion, Designated Sponsoring und institutionelle Kundenbetreuung. Im Wertpapierhandel betreut mwb gut 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland. Kontakt und weitere Informationen: Disclaimer: Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist Herausgeber des vorliegenden Dokumentes. Obwohl die Informationen in diesem Dokument aus Quellen stammen, die die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG für zuverlässig erachtet, kann für die Richtigkeit der Informationen in diesem Dokument keine Gewähr übernommen werden. Dieses Dokument stellt keinen Prospekt dar und ist nicht geeignet, als Grundlage zur Beurteilung der in dem Dokument vorgestellten Wertpapiere herangezogen zu werden. In diesem Dokument enthaltene Schätzungen und Meinungen stellen ausschließlich der Beurteilungen der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG, zum Zeitpunkt der Erstellung des Dokumentes dar und können zu jedem Zeitpunkt ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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21.01.2026 CET/CEST Veröffentlichung einer Corporate News/Finanznachricht, übermittelt durch EQS News - ein Service der EQS Group. |
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