Asian Bamboo: Wird das neue Geschäftsmodell aufgehen?
Am 20. Juni steht bei Asian Bamboo eine wichtige, richtungsweisende Hauptversammlung an. Dort sollen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Finanzvorstand Peter Sjovall erläutert kurz davor im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de, wo der neue Fokus von Asian Bamboo liegen soll. Bedeutsam für die Zukunft ist, dass die Hauptversammlung den Weg für eine neue Finanzierungsrunde freimacht.
www.4investors.de: 2013 hat sich der Umsatz von Asian Bamboo mehr als halbiert, der Verlust hat sich hingegen mehr als verzehnfacht. Hätte man da nicht früher aktiv werden müssen?
Sjovall: Wir sind mit der operativen Performance natürlich unzufrieden, aber mit unserem jetzigen Geschäftsmodell erwirtschaften wir immer noch einen positiven operativen Cash-Flow vor Veränderung des Working Capital. Der Verlust ist auf nicht zahlungswirksame Umstände zurückzuführen, und zwar in erster Linie auf eine Abnahme der biologischen Vermögenswerte und auf die Bildung von Rückstellungen für belastende Pachtverträge.
In den letzten zwei Jahren haben wir eine neuen Organisationsstruktur im Plantagen-Management implementiert und einen strategischen Review abgeschlossen, den wir nun umsetzen. Mit anderen Worten: Wir haben uns mit den Herausforderungen unserer Branche sehr aktiv beschäftigt.
www.4investors.de: Sie haben in China hohe Abschreibungen vornehmen müssen, die das Unternehmen in Schieflage gebracht haben. Kann man die gemachten Abschreibungen so begründen, dass man teils gepachtete Flächen gar nicht genutzt hat und teils die Pacht zu hoch war? Oder ist das zu kurz gegriffen?
Sjovall: Alle Plantagen werden noch genutzt, wir ernten nur weniger als in den Vorjahren. Die Abschreibungen und Wertminderungen beruhen auf einer sehr komplizierten Berechnung des Discounted Cash Flow. Dies im Detail zu erklären würde den Rahmen dieses Interviews sprengen, ich möchte es hier daher stark vereinfacht erklären. Bei unseren Berechnungen müssen wir bestimmte Hypothesen aufstellen, wie sich unser Geschäft in der Zukunft entwickelt. Wichtige Faktoren sind hierbei die zukünftige Geschäftsentwicklung, erwarteter Cash-Flow und ein anzunehmender Abzinsungssatz. Aktuell sind alle diese Annahmen sehr vorsichtig getroffen worden, also eine weiterhin schwierige Geschäftsentwicklung, geringer Cash-Flow und ein hoher Abzinsungssatz. Dieser Bewertungsprozess ist sehr akademisch und hat keine Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft.
www.4investors.de: Gibt es in diesem Zusammenhang möglicherweise juristische Schritte gegen Personen oder Unternehmen?
Sjovall: Nein, es sind keine Schadensersatzklagen anhängig.
www.4investors.de: Bisher lag ihr Fokus auf Bambus, jetzt soll es Richtung Immobilien gehen. Diese vollkommene Veränderung der Strategie ist erklärungsbedürftig. Was hat sich im Laufe der Jahre geändert, dass sie eine Wende von 180 Grad vollziehen?
Sjovall: Wir haben dieses Thema bereits am 16. Dezember 2013 in einer Ad-hoc-Mitteilung angesprochen. Die Probleme, die wir im Plantagengeschäft insbesondere bei der Ernte haben, also der Mangel an Erntehelfern, sind nach unserer Einschätzung struktureller und damit bleibender Natur. Daher wollen wir unser Geschäftsmodell diversifizieren und mit der Immobilienbranche in einen Geschäftsbereich eintreten, der von der Urbanisierung und der steigenden Einkommen der chinesischen Bevölkerung profitiert. Beide Geschäftsbereiche wollen wir langfristig besetzen.
www.4investors.de: Wird der Bambus-Anbau künftig überhaupt noch eine Rolle spielen? Was geschieht mit den gepachteten Ländereien?
Sjovall: Wie gesagt wollen wir in beiden Geschäftsbereichen – Bambusgeschäft und Immobiliengeschäft – langfristig präsent sein. Wie bereits ad-hoc gemeldet, werden wir die Plantagen-Gesamtfläche weiter verringern und das Immobiliengeschäft sukzessiv und systematisch aufbauen. Das Plantagengeschäft wird in Zukunft voraussichtlich einen positiven operativen Cash-Flow und einen Bilanzgewinn generieren.
www.4investors.de: Es heißt, die Projektentwicklung in der Provinz Fujian wird der neue Fokus von Asian Bamboo sein. Können Sie das konkretisieren? Wie sehen die Perspektiven aus?
Sjovall: Vor der Erweiterung unseres satzungsmäßigen Geschäftsgegenstands und Abschluss des Fundraisings werden wir keine Beteiligungen in der Immobilienbranche eingehen. Wir werden also erst mal die Hauptversammlung am 20. Juni abwarten. Danach werden wir unsere ersten Investitionen in Immobilienprojekte angehen und die Finanzmärkte zu gegebener Zeit informieren. 2014 werden unsere Investitionen in Immobilienprojekte insgesamt allerdings keinen großen Umfang haben.
www.4investors.de: Welchen Finanzbedarf gibt es für die neuen Projekte?
Sjovall: Im Vorfeld des Eintritts in das Immobiliengeschäft stärken wir unsere Finanzlage in vielerlei Hinsicht. Wir planen den Verkauf von Rechten an einigen Plantagen, und an einigen noch nicht voll bezahlten Plantagen haben wir bereits die Rechte aufgegeben. Die geplante Wandelschuldverschreibung wird unsere Finanzlage weiter stärken.
Was die einzelnen Immobilienprojekte betrifft: Wir werden dort in der Regel nicht der einzige Investor sein, und es besteht die Möglichkeit, inländische Darlehen in Anspruch zu nehmen. Außerdem werden auf dem Weg der Fertigstellungen oftmals erhebliche Teilzahlungen geleistet. Nicht zuletzt finanzieren einige Baufirmen den Bau. Wir sind uns daher sicher, für jedes Projekt eine gesunde Finanzierung aus eigenen und fremden Mitteln entwickeln zu können.
www.4investors.de: Die anstehende Hauptversammlung soll eine Wandelschuldverschreibung genehmigen. Insgesamt sollen Finanzinstrumente im Volumen von 100 Millionen Euro erlaubt werden. Ist dies eine realistische Summe für die kommenden Jahre? Werden sie das am Markt platzieren können?
Sjovall: Wie in der Tagesordnung der Hauptversammlung unter TOP 9 veröffentlicht, wollen wir das Grundkapital über die Ausgabe von rund 7,7 Millionen Wandelanleihen um 50 Prozent erhöhen. 100 Millionen Euro werden wir auf diesem Wege allerdings nicht einwerben können. Wir würden einen solchen Betrag aber auch nicht benötigen.
www.4investors.de: Ist möglicherweise ein neuer Großinvestor bei Asian Bamboo in Sicht?
Sjovall: Die Wandelschludverschreibung wird in erster Linie unter den Altaktionären platziert werden. Ein neuer Großaktionär ist derzeit nicht in Sicht.
www.4investors.de: Wann soll das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben?
Sjovall: Gesunkene Abschreibungen aufgrund der im Vorjahr für belastende Verträge gebildeten Rückstellungen ermöglichen es unter Umständen, bereits dieses Jahr den Break Even zu erreichen. Mir erscheint es jedoch wichtiger und gleichsam machbar, auch künftig positive operative Cash-Flows zu erwirtschaften.
www.4investors.de: Wird es zu einer Namensänderung kommen, da Bambus nicht mehr der Hauptgeschäftszweck ist?
Sjovall: Bambus ist noch immer unser bestimmendes Geschäft, und Umsatz aus den Immobilienprojekten erwarten wir frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2015. Erst wenn klar ist, dass die Immobilienprojekte in der Zukunft wahrscheinlich höhere Rendite als die Plantagen einbringen werden, werden wir eine Namensänderung überlegen.
www.4investors.de: Bleiben Sie dem Unternehmen als Finanzchef erhalten?
Sjovall: Ich lebe seit 1992 in Hong Kong, und eine Lehre aus dem Auf und Ab, das ich seither erlebt habe, ist: Ausdauer zahlt sich in der Regel aus. Ich sehe große Chancen für Asian Bamboo und trage gerne meinen Teil zu dem Turnaround des Unternehmens bei.
