Blaue Welle in Washington: Teurer Kompromiss könnte Anleihemarkt aufschrecken – Rahmen für KI bleibt verlässlich - DZ BANK
Das Ausmaß des Siegeszuges der Demokraten, den wir heute Nacht erlebt haben, hat alle Prognosen übertroffen. Die Wähler haben ein klares Votum für die Herausforderer und gegen die Republikaner mit ihrem Präsidenten abgegeben.
Dieser zeigte sich heute Nacht überraschend zahm. Er gratulierte den Demokraten zu ihrem Erfolg und betonte sogar, dass er sich auf die Zusammenarbeit freue. Die Harmonie dürfte jedoch von kurzer Dauer sein, denn dem amerikanischen Kongress stehen in den kommenden zwei Jahren harte Zeiten bevor. Der Wahlkampf um die Präsidentschaft beginnt jetzt.
Besonders spannend wird es mit Blick auf die Fiskalpolitik. Gleich im Januar, wenn der neue Kongress zusammentritt, könnte es wieder zu einem Shutdown kommen. Fest steht: Im Sommer werden die Amerikaner die Schuldenobergrenze anheben müssen. Mit einer reinen Blockadehaltung werden die Demokraten bei ihren Wählern aber keine Punkte sammeln. Insbesondere die progressiven Mitglieder haben großzügige Wahlversprechen gemacht. Das Risiko, dass sich Republikaner und Demokraten in dieser schwierigen Konstellation hinterher auf den größten gemeinsamen Nenner einigen, ist denkbar. Angesichts der schon jetzt extrem angespannten fiskalpolitischen Lage könnte dies für erneute Unruhe an den Märkten sorgen und die Anleiherenditen zumindest vorübergehend nach oben treiben.
Kurzfristig steht die Frage im Vordergrund, ob Präsident Trump mit außenpolitischen Ablenkungsmanövern auf die innenpolitische Schlappe reagiert. Im Vorfeld der Wahlen hatte es hierzu Berichte renommierter Medien gegeben. Das gilt insbesondere für den Mittleren Osten.
Märkte: Wahlsieg eingepreist – die Tech-Branche zuckt aber kurz
Die Finanzmärkte reagieren bisher gelassen auf das Wahlergebnis – ein Sieg der Demokraten war weitestgehend eingepreist. Der US-Dollar handelt leicht schwächer, während die Renditen amerikanischer Staatsanleihen etwas gefallen sind.
Der Aktienmarkt zeigte sich zunächst enttäuscht. Insbesondere der Technologiesektor geriet unter Druck. Das liegt an der Sorge von Anlegern, dass mehr Macht in den Händen der Demokraten den Ausbau der KI-Infrastruktur verzögern könnte. Die Folge von mehr Regulatorik wären auch höhere Kosten für die am KI-Boom beteiligten Unternehmen. Im Wahlkampf wurden sogar Baustopps von neuen Rechenzentren diskutiert. Nicht nur die Mehrheit der Demokraten im Kongress, sondern vor allem der Wahlsieg einer Demokratin bei den Gouverneurswahlen in der republikanischen Hochburg Texas hinterließ dabei Spuren. Der Staat steht für knapp ein Drittel des geplanten Ausbaus der Datencenter in den USA.
Auch Aktienmärkte in Asien, die stark von der Tech- und Halbleiterbranche geprägt sind, gerieten deshalb unter Druck. Aktuell hat sich die Stimmung aber schon wieder etwas aufgehellt. Der Grund: Weder Demokraten noch Republikaner haben ein Interesse daran, den KI-Vorsprung gegenüber anderen Nationen aufs Spiel zu setzen. Das gilt vor allem für das Wettrennen mit China. Beide Parteien werden deshalb vorsichtig sein, diesen so wichtigen Treiber für die US-Börsen und die gesamte amerikanische Wirtschaft stark einzudämmen.
Sonja Marten, Chefvolkswirtin DZ BANK
Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der DZ Bank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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