Börse am Morgen: Amazon, Binance, Bitcoin, Intel und US-Midterms - Nord/LB
Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs – selbst neue Belastungen konnten den Aufschwung im Sommer nicht stoppen. In Q3 legte die reale Wirtschaftsleistung um 0,2% ggü. dem Vorquartal zu. Damit trotzt die deutsche Wirtschaft weiterhin den Folgen des Irankonflikts und des Energiepreisschocks. Auch die Belastungen durch den Hitzesommer und niedrige Flusspegelstände haben die Wachstumsdynamik weniger gebremst als befürchtet. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir eine Wachstumsrate in Höhe von 1,3% bis 1,4%. Dank des Fiskalimpulses und einer erwarteten Belebung der Investitionen rechnen wir für 2027 mit einem Wirtschaftswachstum in gleicher Größenordnung.
Die Teuerung in Deutschland hat im Oktober etwas an Dynamik verloren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt die Jahresrate voraussichtlich bei 2,8%. Aus den Meldungen der Landesämter lässt sich ableiten, dass der vor vier Wochen eingeführte Tankrabatt weitgehend weitergegeben wurde. Maßgeblich dieser Effekt dürfte zum Rückgang der Inflationsrate um 0,5 Prozentpunkte ggü. September beigetragen haben. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei nur 2,1% Y/Y, die Dynamik bei den Dienstleistungspreisen nahm auf 2,5% Y/Y ab. Auch in anderen Ländern der Währungsunion scheint der Ölpreisschock bisher nicht in die Breite zu strahlen. Die dort teilweise weit vom Stabilitätsziel entfernten Gesamtraten halten den Druck auf die EZB für eine weitere Leitzinserhöhung jedoch hoch. Wir rechnen mit einem weiteren Zinsschritt, wahrscheinlich bereits auf der nächsten Sitzung im Dezember.
Wochenausblick
Uns steht eine ereignisreiche Woche bevor. Verschiedene PMIs aus den USA (ISM) und Europa geben Aufschluss über die Stimmung der Einkaufsmanager. Die Inflationsdaten der Eurozone zur Wochenmitte sind kurz nach der EZB-Sitzung relevant, wobei der News Flow rund um Lagardes Abgang und ihrer Nachfolge die Märkte beschäftigen wird. Am Donnerstag wird die Bank of England über die Leitzinsen entscheiden. Zu guter Letzt werden am Freitag noch Arbeitsmarktdaten aus den USA erscheinen und ihrerseits die Diskussionen rund um die Geldpolitik in Nordamerika befeuern. V.a. aber werden die morgigen Midterms in den USA eins der wichtigsten Ereignisse des ganzen Monats sein. Darüber hinaus hat die auf Hochtouren laufende Berichtssaison der Unternehmen das Zeug, die Richtung der Aktienmärkte mitzubestimmen.
Aktienmärkte
Höhere Ölpreise sowie schwache Vorgaben von den Börsen in den USA und Asien haben dem deutschen Aktienmarkt einen Dämpfer verpasst. Belastet wurde der Markt v.a. von einer allgemeinen Schwäche des Technologiesektors. Aktuelle Inflationsdaten aus Deutschland hatten kaum Einfluss auf die Kurse. DAX -0,85%; TecDAX -1,41%.
Eine neue Verkaufswelle nach den Bilanzen von Intel und Amazon hat die US-Technologiebörse Nasdaq am Freitag auf ein Dreimonatstief gedrückt. Auch die Aussicht auf die US-Zwischenwahlen in dieser Woche machte die Anleger nervös. Dow Jones -1,09%; Nasdaq C. -2,86%.
Unternehmen
Überraschend hohe Kosten für den Bau neuer KI-Rechenzentren belasten die Bilanz von Amazon. Der Barmittelabfluss habe sich in den vergangenen drei Monaten auf 42,4 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht, teilte der Onlinehändler am Donnerstag mit. Gleichzeitig blieben sowohl die Zahlen für das dritte Quartal als auch der Ausblick trotz eines Wachstumsschubs im wichtigen Cloud-Geschäft hinter den Markterwartungen zurück.
Trotz eines robusten Quartalsergebnisses hat Intel einen verhaltenen Ausblick gegeben. Die Nachfrage nach PC-Prozessoren werde in den kommenden Monaten weiter zurückgehen, prognostizierte Finanzchef Zinsner. Darüber hinaus müsse Intel wegen eines Unglücks in einer israelischen Fabrik Umsatzeinbußen von etwa 300 Mio. USD pro Quartal verkraften. Im PC-Geschäft rechne er für das lfd. Quartal mit einem Rückgang der Nachfrage um etwa 25%. In den vergangenen 3 Monaten schrumpfte der Umsatz dieser Sparte um 5% auf 8,1 Mrd. USD. Die Konzernerlöse stiegen dagegen wie erwartet um 21% auf 16,51 Mrd. USD.
Rohstoffe
Investoren rechnen aufgrund des Teuerungsdrucks mit weiteren Zinserhöhungen dies- und jenseits des Atlantiks im Dezember. Das drückte den Preis für Gold um mehr als 3,5% auf 3.877 USD je Feinunze.
Nervosität herrschte im Kryptosektor. Hacker haben 6,3 Mrd. USD von Binance, der weltweit größten Kryptowährungsbörse, gestohlen. Laut Analysten handelt es sich um den bislang größten Krypto-Raub. Bitcoin rutschte um rund 2,5% auf 76.862 USD ab.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Intel.
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