Aixtron Aktie: Mehr Aufträge, längere Lieferzeiten – Experte sieht Ziel 45 Euro
Aixtron kann nach Einschätzung von mwb research noch mehrere Quartale von einem außergewöhnlich hohen Auftragseingang profitieren. Auf der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen stellte das Management Bestellungen von rund 275 Millionen Euro pro Quartal, möglicherweise auch etwas darüber, für weitere 2 bis 3 Quartale in Aussicht. Allerdings verlängern sich die Lieferzeiten für die Anlagen von bislang 6 bis 9 Monaten auf etwa 12 Monate. Damit verschiebt sich ein wachsender Teil der neuen Aufträge in die zweite Jahreshälfte 2027 oder darüber hinaus. mwb research bestätigt die Kaufempfehlung für die Aixtron Aktie mit einem unveränderten Kursziel von 45 Euro. Beim aktuellen XETRA-Kurs von 32,82 Euro ergibt sich ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von 37,1 Prozent.
Der Engpass liegt nach Einschätzung der Analysten weniger bei den vorhandenen Fertigungskapazitäten als beim Tempo, mit dem Aixtron und seine Zulieferer die Produktion hochfahren können. Lieferanten investieren bereits in zusätzliches Personal, Maschinen und Produktionsflächen. Für mwb research bleibt deshalb ein Umsatz von rund 850 Millionen Euro im Jahr 2027 erreichbar, deutlich höhere Erlöse setzen allerdings einen schnelleren Produktionsanstieg voraus. Positiv bewerten die Analysten, dass die Kunden ihre Kapazitäten offenbar auf Basis konkreter Bestellungen ihrer eigenen Abnehmer erweitern. Das verringert zunächst die Sorge, dass der derzeitige Investitionsboom durch spekulative Überbestellungen verstärkt wird.
Zusätzliche Nachfrage nach Aixtron-Anlagen entsteht durch Verzögerungen beim Umstieg auf größere Indiumphosphid-Wafer. Weil 6-Zoll-Substrate nur begrenzt verfügbar sind, müssen Kunden ihre Produktion länger als geplant auf kleineren Wafern ausbauen. Der erwartete Anteil von 6-Zoll-Systemen für 2027 ist deshalb von rund 30 auf 25 Prozent gesunken, während sich der Anteil von 3-Zoll-Systemen von 15 auf 30 Prozent verdoppeln könnte. Da kleinere Wafer weniger Chips pro Produktionsdurchlauf ermöglichen, werden für dieselbe Ausbringungsmenge mehr Anlagen benötigt. Auch komplexere Laserarchitekturen erhöhen durch zusätzliche Epitaxieschritte den Anlagenbedarf. Bestehende G10-AsP-Systeme lassen sich zwar für größere Wafer umrüsten, die Umstellung kompletter Fertigungslinien benötigt jedoch erheblich mehr Zeit. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit größerer Substrate dürfte dieser zusätzliche Nachfrageeffekt allmählich nachlassen.
Aixtron: Margenprognose für 2026 wieder gesenkt
Bei der Profitabilität fällt der kurzfristige Ausblick vorsichtiger aus. Die Bruttomarge von 48 Prozent im dritten Quartal profitierte von einem besonders günstigen Produktmix und lässt sich nach Angaben des Managements nicht auf das Schlussquartal übertragen. Dort werden voraussichtlich mehr ältere G4- und G5-Anlagen sowie ein höherer Anteil an Lieferungen nach China die Marge belasten. mwb research nimmt deshalb die nach den vorläufigen Quartalszahlen vorgenommene Anhebung seiner Bruttomargenprognose wieder zurück. Für 2026 sinkt die EBITDA-Schätzung auf 134,9 Millionen Euro und die EBIT-Prognose auf 115,8 Millionen Euro. Beim Umsatz bleibt es bei 573,2 Millionen Euro, beim Gewinn je Aixtron Aktie werden 0,73 Euro und bei der Dividende 0,18 Euro erwartet. Für 2027 rechnen die Analysten trotz steigender Entwicklungsausgaben mit einer um einige Prozentpunkte höheren Bruttomarge, unterstützt durch größere Produktionsmengen und einen höheren Anteil neuer G10-Anlagen.
Auch in der Leistungselektronik verbessert sich die Nachfrage, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Technologien. Bei Galliumnitrid (GaN) hat sich die Kapazitätsauslastung normalisiert. Neue Investitionen betreffen zunehmend Anwendungen zur Stromversorgung von KI-Rechenzentren statt der bisherigen 650-Volt-Technologien für Verbraucherprodukte. Aixtron bereitet für 2027 die Lieferung einer zweistelligen Anzahl von 300-Millimeter-GaN-Anlagen an mehrere Kunden vor. Bei Siliziumkarbid (SiC) verläuft die Erholung langsamer; trotz steigender Auslastung und einzelner neuer Aufträge fehlen bislang größere Kapazitätsausbauprogramme. mwb research erwartet deshalb erst 2028 einen erheblichen Umsatzbeitrag aus der Leistungselektronik, sieht bei GaN aber bereits für 2027 zusätzliches Potenzial.
Die Prognosen für 2027 und 2028 bleiben weitgehend unverändert. mwb research erwartet für 2027 einen Umsatz von 842,7 Millionen Euro, ein EBITDA von 231,6 Millionen Euro und ein EBIT von 210,7 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie soll auf 1,31 Euro steigen, die Dividende wird mit 0,17 Euro angesetzt. Für 2028 kalkulieren die Analysten mit 960,6 Millionen Euro Umsatz, 284,3 Millionen Euro EBITDA, 262,3 Millionen Euro EBIT und 1,63 Euro Gewinn je Aktie bei einer Dividende von 0,18 Euro. Die Nettoliquidität soll Ende 2026 bei 509,3 Millionen Euro, Ende 2027 bei 495,1 Millionen Euro und Ende 2028 bei 513,3 Millionen Euro liegen. Entscheidend für die Umsatzentwicklung im kommenden Jahr bleibt damit, wie schnell die Lieferkette die hohen Bestellungen in auslieferungsfähige Anlagen umsetzen kann.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Aixtron.
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