BASF Aktie: Gewinnprognose steigt – beim Cashflow wird es eng
BASF hat nach einem operativ stärkeren dritten Quartal die Ergebnisprognose für 2026 angehoben. Beim bereinigten EBITDA erwartet der Chemiekonzern nun 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro statt bislang 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro. Allerdings bleibt die Entwicklung des freien Cashflows hinter der Ergebnisverbesserung zurück. mwb research sieht deshalb weiterhin keinen Anlass für eine optimistischere Bewertung der BASF Aktie und bestätigt die Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 55 Euro. Beim aktuellen XETRA-Kurs von 51,80 Euro entspricht dies einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 6,2 Prozent. Die Analysten rechnen zwar mit weiteren Fortschritten bei der Profitabilität, sehen einen erheblichen Teil der erwarteten Erholung aber bereits im Aktienkurs berücksichtigt.
Im dritten Quartal steigerte BASF den Umsatz um 14 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro. Davon entfielen 12 Prozentpunkte auf höhere Verkaufspreise und 2 Prozentpunkte auf gestiegene Absatzmengen. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 15 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro und entsprach damit weitgehend der Schätzung von mwb research über 1,65 Milliarden Euro. Besonders kräftige Ergebniszuwächse verzeichneten Chemicals mit 56 Prozent, Materials mit 35 Prozent, Industrial Solutions mit 49 Prozent und Nutrition & Care mit 76 Prozent. In den ersten beiden Bereichen profitierte BASF weiterhin von zeitweiligen Preissteigerungen infolge der Lieferunterbrechungen im Nahen Osten. Gegenläufig entwickelte sich Agricultural Solutions: Hier fiel ein bereinigter EBITDA-Verlust von 48 Millionen Euro an, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 80 Millionen Euro erzielt worden war. Belastend wirkten vorgezogene Umsätze im zweiten Quartal, ungünstige Wetterbedingungen und Preisdruck. Hinzu kam eine Wertminderung von 318 Millionen Euro auf eine HMD-Produktionsanlage in Frankreich. Die zahlungswirksamen Fixkosten sanken in den ersten neun Monaten um rund 3 Prozent.
BASF muss im Schlussquartal Milliarden an Liquidität freisetzen
Die größte Unsicherheit sieht mwb research derzeit bei der Cashflow-Entwicklung. Zwar stieg der freie Cashflow im dritten Quartal um 31 Prozent auf 523 Millionen Euro, nach neun Monaten stand jedoch ein negativer Wert von 1,04 Milliarden Euro zu Buche. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus lediglich 868 Millionen Euro betragen. Um die unveränderte Jahresprognose von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro zu erreichen, müsste BASF allein im Schlussquartal einen freien Cashflow von rund 2,5 bis 3,3 Milliarden Euro erwirtschaften. Das Management setzt dabei insbesondere auf den Abbau von Forderungen nach den starken September-Umsätzen. Gleichzeitig wurden die geplanten Investitionen für 2026 um rund 550 Millionen Euro auf 2,8 bis 2,9 Milliarden Euro reduziert. Dass die Cashflow-Prognose dennoch nicht angehoben wurde, deutet nach Einschätzung von mwb research auf eine schwächere operative Mittelgenerierung hin als bislang angenommen. Die Nettoverschuldung sank gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro, was allerdings überwiegend auf Erlöse aus Portfolioverkäufen zurückzuführen ist.
Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert mwb research einen BASF-Umsatz von 63,53 Milliarden Euro nach 59,66 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA soll von 5,62 auf 7,78 Milliarden Euro steigen, das EBIT von 1,63 auf 3,91 Milliarden Euro. Beim Ergebnis je BASF Aktie erwarten die Analysten einen Anstieg von 1,82 auf 2,80 Euro, während die Dividende von 2,25 auf 2,10 Euro sinken dürfte. Für 2027 rechnen sie mit 64,81 Milliarden Euro Umsatz, 8,67 Milliarden Euro EBITDA, 4,93 Milliarden Euro EBIT und 4,00 Euro Gewinn je Aktie. Die Dividende könnte auf 2,60 Euro steigen. Für 2028 stehen 66,75 Milliarden Euro Umsatz, 8,63 Milliarden Euro EBITDA, 4,71 Milliarden Euro EBIT sowie 3,85 Euro Gewinn und 2,50 Euro Dividende je Aktie in den Schätzungen.
Weitere Ergebnisverbesserungen erwartet mwb research durch die laufenden Restrukturierungen, geringere Investitionen und steigende Beiträge des neuen Verbundstandorts Zhanjiang in China. Dieser erreichte im dritten Quartal bereits eine hohe Auslastung, arbeitete auf EBITDA-Basis aber noch leicht defizitär. Die Analysten verweisen damit auf den anhaltenden Margendruck im chinesischen Chemiegeschäft. Auch eine mögliche Zusammenführung mit Evonik bleibt ein Thema: BASF hat sein Interesse erneut bekräftigt, während mwb research insbesondere den möglichen Kaufpreisaufschlag, Integrationsbeschränkungen und eine stärkere Abhängigkeit von europäischen Produktionsstandorten kritisch beurteilt. Für eine höhere Bewertung der BASF Aktie verlangen die Analysten vor allem belastbare Hinweise auf eine breitere Nachfrageerholung, dauerhaft steigende Margen und eine bessere Umwandlung operativer Gewinne in freien Cashflow.
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