Börse am Morgen: Beiersdorf, HSBC, Boeing, Mercedes-Benz, Porsche und FOMC - Nord/LB
Private Haushalte in Deutschland sparen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Weltspartages (30./31.10.) mitteilt. 2025 lag die Bruttosparquote bei 18,9% (Vj.: 19,6%) und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 14,3%. In Frankreich betrug sie 17,8%, in den Niederlanden 17,4%, in Österreich 15,7% und in Italien 10,8%. Mit 27,4% war die Quote in der Schweiz deutlich höher, vor allem aufgrund der größeren Bedeutung der privaten Altersvorsorge. In den USA lag sie dagegen nur bei 10,7%.
Trotz anhaltend hoher Inflation hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im Oktober überraschend deutlich verbessert. Das Verbrauchervertrauen des Conference Board stieg von revidiert 84,2 auf 91,7 Punkte. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 81,0 Zähler erwartet.
Tagesausblick
Heute ist für die internationalen Kapitalmärkte insbesondere ein Ereignis relevant: die Sitzung des FOMC. Das Federal Open Market Committee der US-Zentralbank wird demnach über den Leitzins entscheiden. Mit einem anhaltend schwierigen Inflationsumfeld dürfte die Entscheidung darüber, ob der Leitzins bei 4,00% belassen oder um 25 Basispunkte angehoben wird, bei rund 50:50 liegen. Nach unserem Dafürhalten spricht doch einiges dafür, dass der Leitzins aktuell zunächst nicht adjustiert werden müsste. Kurz vor den Midterms erhält dieser Regeltermin darüber hinaus noch ein besonderes, politisches Geschmäckle – wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird. Mit den Quartalszahlen von Alphabet und Microsoft am späten Abend dürfte der heutige Tag zudem einer der Höhepunkte der laufenden Berichtssaison sein.
Aktienmärkte
Vor den mit Spannung erwarteten US-Techbilanzen heute Abend und der Fed-Zinsentscheidung am heutigen Nachmittag waren Europas Aktienanleger gestern vorsichtig optimistisch. Die Berichtssaison sorgte aber auf Einzeltitelebene teilweise für größere Aufschläge. So rutschte bspw. Mercedes-Benz (s.u.) ans DAX-Ende und die Quartalszahlen der britischen HSBC belasteten den ganzen Bankensektor. DAX +0,71%; MDAX +0,69%; TecDAX +0,89%.
Ähnlich die Situation an der Wall Street: Auch hier hielt sich trotz aller Nervosität die Stimmung. Unterstützung kam von sinkenden Ölpreisen und dem bevorstehenden Börsengang von Anthropic, der mit einer billionenschweren Bewertung erneut die KI-Phantasie befeuert. Dow Jones +0,03%; S&P500 +0,60%; Nasdaq Comp. +1,18%.
Unternehmen
Beiersdorf hat die Schwäche der Kernmarke Nivea in Q3 etwas abgemildert. Der organische Konzernumsatz sank um 1,3% auf EUR 2,4 Mrd., während Nivea 4,9% (nach -7,5% in H1) einbüßte. Für 2026 rechnet der Konzern weiter mit einem Umsatzminus im niedrigen einstelligen Prozentbereich und einer Marge von mindestens 11,8% (Vj.: 14%). Günstigere Produkte und höhere Werbeausgaben sollen helfen.
Mercedes-Benz hat einen Tag vor den heute anstehenden offiziellen Q3-Zahlen wegen des schwachen China-Geschäfts und steigender Kosten die Jahresprognose gesenkt. Das Betriebsergebnis soll nun nur noch auf Vorjahresniveau liegen. Für die Pkw-Sparte erwartet der Konzern eine Marge von 2 bis 3% statt bislang 3 bis 5%. In Q3 lag das Betriebsergebnis nach vorläufigen Zahlen mit EUR 1,77 Mrd. dennoch über den Markterwartungen von EUR 1,6 Mrd. Die bereinigte Pkw-Marge erreichte 2,5%, bei Vans waren es 9,4%.
Porsche hat sich nach 9M 2026 vom Gewinneinbruch des Vorjahres, der von hohen Abschreibungen und Kosten für Personalabbau geprägt war, erholt. Der Umsatz sank um knapp 6% auf EUR 25,28 Mrd., während das Betriebsergebnis von EUR 40 Mio. auf EUR 1,74 Mrd. stieg. Die operative Rendite erreichte 6,9% und liegt damit im Zielkorridor von 5,5 bis 7,5%. Belastend wirken weiterhin das schwache China-Geschäft, höhere US-Zölle und die geringe Nachfrage nach Elektro-Sportwagen.
Die anhaltenden Probleme in der Verkehrsflugzeugsparte haben Boeing in Q3 erneut einen Verlust beschert. Unter dem Strich stand noch ein Minus von USD 116 Mio. nach USD 5,3 Mrd. im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 4% auf USD 24,2 Mrd. Die Verkehrsflugzeugsparte verbuchte einen operativen Verlust von USD 697 Mio., belastet durch höhere Produktionskosten und eine Abschreibung. Dagegen erzielte das Rüstungsgeschäft auch dank eines Spartenverkaufs einen Gewinn von knapp USD 0,5 Mrd. Der bereinigte Verlust je Aktie lag mit USD 0,34 über den Analystenerwartungen (USD 0,21).
Rohstoffe
Hoffnungen auf diplomatische Erfolge im Nahen Osten drückten gestern auf den Ölpreis. Brent hat sich seit Jahresbeginn um knapp 90% verteuert.
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