BASF Aktie: Evonik-Übernahme könnte zum teuren Eigentor werden
Eine mögliche Übernahme von Evonik durch BASF nimmt konkretere Konturen an, doch mwb research bleibt skeptisch, ob sich der milliardenschwere Zusammenschluss für die Aktionäre rechnen würde. Die Analysten bestätigen ihre Einstufung „Hold“ und das Kursziel von 55 Euro für die BASF Aktie. Beim aktuellen XETRA-Kurs von 51,85 Euro entspricht dies einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von 6,1 Prozent. Zwar erkennen die Analysten inzwischen überzeugendere industrielle Argumente für eine Übernahme, zugleich wächst aber die Sorge, dass BASF viel Geld investieren könnte, ohne die strukturellen Wettbewerbsprobleme seiner europäischen Produktionsstandorte zu lösen.
Im Mittelpunkt der Überlegungen steht der BASF-Verbund, in dem Produktionsanlagen und Stoffströme eng miteinander verzahnt sind. Eine Integration von Evonik könnte es ermöglichen, bestimmte Vorprodukte innerhalb des gemeinsamen Konzerns günstiger und zuverlässiger bereitzustellen. Hinzu kämen mögliche Einsparungen im Einkauf, bei der Infrastruktur und in der Forschung. BASF-Chef Markus Kamieth hat damit nach Einschätzung von mwb research erstmals konkretere operative Vorteile eines Zusammenschlusses aufgezeigt. Bislang standen vor allem die sich ergänzenden Spezialchemiegeschäfte und allgemeine Verwaltungseinsparungen im Vordergrund. Wie hoch die Synergien tatsächlich ausfallen könnten und welche Integrationskosten ihnen gegenüberstehen, ist allerdings weiterhin offen.
Auch die politischen und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen könnten die wirtschaftlichen Vorteile begrenzen. BASF hat zugesagt, bestehende Beschäftigungsvereinbarungen zu respektieren, darunter den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2032. Essen und Nordrhein-Westfalen sollen wichtige Standorte bleiben. Zudem könnte BASF die Chemieparks Marl und Wesseling übernehmen, von denen sich Evonik eigentlich trennen will. Für mwb research stellt sich deshalb die Frage, ob der Konzern durch eine Übernahme zusätzliche Produktionskapazitäten in einer Region bindet, deren hohe Kosten bereits heute die internationale Wettbewerbsfähigkeit belasten.
BASF: Kaufpreis und Finanzierung bleiben entscheidende Risiken
Besonders kritisch beurteilen die Analysten den möglichen Übernahmepreis. Medienberichten zufolge soll BASF seine indikative Offerte nach einer ersten Ablehnung durch Evonik um rund 8 Prozent von 22,15 auf 24 Euro je Aktie erhöht haben. Daraus ergäbe sich eine Eigenkapitalbewertung von etwa 11,2 Milliarden Euro. Eine offizielle Bestätigung der verbesserten Konditionen steht allerdings aus. Sollte BASF einen hohen Aufschlag zahlen, müsste der Konzern entsprechend umfangreiche Synergien realisieren, um eine angemessene Rendite zu erzielen. Die von Kamieth betonte Bereitschaft, nicht um jeden Preis zu kaufen, wertet mwb research zwar positiv. Entscheidend bleibt jedoch, ob sich mit der Übernahme tatsächlich die langfristige Ertragskraft verbessert oder lediglich die Auslastung bestehender Anlagen steigt.
Unklar ist zudem, wie BASF einen solchen Zukauf finanzieren würde. Eine hohe Barzahlung könnte den geplanten Schuldenabbau verzögern und den finanziellen Spielraum für Ausschüttungen einschränken. Bereits ohne Übernahme erwarten die Analysten für 2026 einen Anstieg der Nettofinanzverschuldung auf 19,80 Milliarden Euro nach 18,42 Milliarden Euro im Vorjahr. Bis 2028 soll sie wieder auf 17,88 Milliarden Euro sinken. Ein großer Zukauf könnte diesen Verlauf verändern. mwb research unterscheidet daher ausdrücklich zwischen dem industriellen Nutzen eines Zusammenschlusses und dessen möglicher finanzieller Attraktivität für BASF.
Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert mwb research einen BASF-Umsatz von 63,53 Milliarden Euro nach 59,66 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das EBITDA soll von 5,62 auf 7,81 Milliarden Euro und das EBIT von 1,63 auf 3,94 Milliarden Euro steigen. Für 2027 erwarten die Analysten 64,81 Milliarden Euro Umsatz, 8,71 Milliarden Euro EBITDA und 4,93 Milliarden Euro EBIT. Im Jahr 2028 sollen die Erlöse 66,75 Milliarden Euro erreichen, während das EBITDA mit 8,67 Milliarden Euro und das EBIT mit 4,71 Milliarden Euro etwas niedriger ausfallen dürften als 2027. Beim Gewinn je BASF Aktie rechnet mwb research mit 2,83 Euro für 2026, 4,00 Euro für 2027 und 3,85 Euro für 2028. Die Dividendenprognosen liegen bei 2,12 Euro, 2,60 Euro und 2,50 Euro je Aktie. An diesen Erwartungen und der neutralen Bewertung ändern die Übernahmeüberlegungen vorerst nichts.
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