Singulus Aktie: Kursziel kräftig erhöht, doch die Risiken bleiben
Bei Singulus sorgt die Neuordnung der Finanzierung und Aktionärsstruktur für eine deutlich höhere Bewertung durch mwb research. Das Analystenhaus hebt sein Kursziel für die Singulus Aktie von 6 auf 10 Euro an, bleibt aber bei der Einstufung „Hold“. Gegenüber dem aktuellen XETRA-Kurs von 11,20 Euro liegt das neue Kursziel weiterhin 10,7 Prozent niedriger. Zwar beseitigt der weitgehende Rückzug des bisherigen Partners Triumph mehrere Unsicherheiten, doch muss Singulus erst noch nachweisen, dass sich die Zusammenarbeit mit seinem neuen Technologiepartner in größere Aufträge und steigende Umsätze umsetzen lässt.
Im Mittelpunkt steht ein neues, nachrangiges und besichertes Darlehen über 22,75 Millionen Euro, das Singulus von seinem bestehenden strategischen Technologiepartner erhält. Damit sollen sämtliche noch offenen Verbindlichkeiten gegenüber Triumph und verbundenen Unternehmen beglichen werden. Neben Finanzschulden von rund 8,9 Millionen Euro umfasst die Vereinbarung auch projektbezogene Kundenanzahlungen. Im Gegenzug entfallen entsprechende Lieferverpflichtungen, wodurch allerdings künftige Umsätze aus diesen Projekten wegfallen könnten. Das Management stellt einen positiven Ergebniseffekt im niedrigen einstelligen Millionenbereich in Aussicht. Wie dieser bilanziell erfasst wird, ist ebenso offen wie die Verzinsung und Laufzeit des neuen Darlehens.
Auch auf Aktionärsebene endet die bisherige Verbindung zu Triumph weitgehend. Dessen Beteiligung von 16,75 Prozent beziehungsweise rund 1,5 Millionen Singulus Aktien geht an die Münchner A1681X, die vom früheren Singulus-Aufsichtsratsvorsitzenden Roland Lacher kontrolliert wird. Der Triumph-Vertreter Denan Chu wird den Aufsichtsrat verlassen. Parallel wächst die finanzielle Bedeutung des neuen Technologiepartners: Bereits im März hatte dieser eine Finanzierung über 29 Millionen Euro bereitgestellt, hinzu kommt eine Wandelanleihe über 3,56 Millionen Euro. mwb research sieht darin eine stärkere finanzielle Absicherung, weist aber zugleich auf die zunehmende Abhängigkeit von einem einzelnen Partner hin.
Neue Wachstumschancen müssen sich erst in Aufträgen zeigen
Operativ könnte Singulus durch die Trennung von Triumph mehr Spielraum außerhalb des bisherigen Schwerpunkts Dünnschicht-Solartechnik gewinnen. Die Entwicklungsarbeiten mit dem neuen Partner verlaufen nach Angaben des Unternehmens planmäßig, größere Umsatzbeiträge werden jedoch erst ab 2027 erwartet. Zusätzlich arbeitet Singulus mit dem taiwanischen Unternehmen Grand Process Technology im Bereich Panel-Level-Packaging zusammen. Dabei soll die eigene PVD-Technologie für großformatige Beschichtungen eingesetzt werden. Wie groß das daraus entstehende Geschäft tatsächlich wird, lässt sich bislang nicht abschätzen. Hinzu kommt ein Wechsel im Vorstand: Markus Ehret scheidet nach mehr als 16 Jahren zum Jahresende aus. Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt, Ehret soll den Übergang aber begleiten.
Die Prognosen von mwb research unterstellen nach dem schwierigen Jahr 2025 eine deutliche Geschäftserholung. Für 2026 erwarten die Analysten bei Singulus einen Umsatzanstieg von 48,3 auf 86,9 Millionen Euro. In den beiden Folgejahren sollen die Erlöse 110,4 beziehungsweise 121,5 Millionen Euro erreichen. Das EBIT, das 2025 noch bei minus 11,6 Millionen Euro lag, soll 2026 auf positive 5,0 Millionen Euro drehen und anschließend auf 7,7 Millionen Euro im Jahr 2027 sowie 9,1 Millionen Euro im Jahr 2028 steigen. Beim Gewinn je Singulus Aktie rechnet mwb research mit 0,22 Euro für 2026, 0,42 Euro für 2027 und 0,52 Euro für 2028. Dividenden sind für keines dieser Jahre vorgesehen.
Trotz der höheren langfristigen Schätzungen bleibt mwb research vorsichtig. Die schwache Auftragsentwicklung im zweiten Quartal zeigt, dass eine breitere operative Erholung noch nicht gesichert ist. Zudem sind die finanziellen Folgen der Triumph-Vereinbarung und die Konditionen des neuen Darlehens in den Prognosen bislang nicht berücksichtigt. Die Analysten wollen deshalb zunächst die Zahlen zum dritten Quartal abwarten. Das deutlich erhöhte Kursziel spiegelt die verbesserten Perspektiven wider, reicht beim aktuellen Aktienkurs aber weiterhin nicht für eine Kaufempfehlung.
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