KI-Kater und Reality-Check Germany - BÖAG Kolumne
Neue Inflationszahlen sorgen regelmäßig für einen Dämpfer an den Märkten: Mit einer Jahresrate von 3,7 Prozent fiel die Teuerung in den USA im September höher als erhofft aus. Als Konsequenz kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise auf 5,34 Prozent. Kurz vor den US-Midterm-Wahlen setzt dieser Zinsdruck die Trump-Regierung gewaltig unter Zugzwang – schließlich verharrt die Inflation nun seit fünf Jahren hartnäckig über der Zielmarke von zwei Prozent. Ob der Diesel-Deal dafür die Rettung ist?
Besonders hart traf das veränderte Zins- und Bewertungsumfeld natürlich das Thema Künstliche Intelligenz. Der Ausverkauf bei Tech-Aktien vernichtete an den US-Börsen binnen einer Woche mehr als eine Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung. Zunehmende Zweifel an der schnellen Rentabilität der gigantischen Investitionen, gepaart mit drohenden Abschreibungen und steigenden Finanzierungskosten, lösten eine breite Korrekturwelle aus. Insbesondere Speicherchip-Hersteller wie Samsung und SK Hynix gerieten stark unter Druck und rutschten deutlich unter ihre bisherigen Höchststände ab. Als am Freitag der Chipindex SOX den achten Handelstag in Folge nachgab – die längste Verlustserie seit 2008 – und auch der Bitcoin kurz unter die Marke von 80.000 Dollar abtauchte, stellte sich die Frage: Ist die KI-Korrektur vielleicht doch mehr als nur ein kurzes Luftholen?
Optimismus wurde diese Woche beim „Invest in Germany Summit“ verbreitet: Kanzler Merz verwies stolz auf angekündigte Investitionszusagen von 230 Milliarden Euro für das laufende Jahr, wovon mehr als 95 Milliarden aus dem Ausland stammen sollen. Jedoch sind laut Daten der Bundesbank im ersten Halbjahr effektiv lediglich rund 17 Milliarden Euro an Direktinvestitionen nach Deutschland geflossen – spürbar weniger als im Vorjahreszeitraum. Zwischen Milliarden-Versprechen und dem realen Geldfluss klafft somit weiterhin eine Lücke.
Ihr Thomas Strelow, Börse Düsseldorf
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