Renk Aktie: Panzer-Nachfrage und Servicegeschäft treiben Fantasie
Der italienische Milliardenauftrag für neue Kampfpanzer bringt Bewegung in die Bewertung der Renk Group. Nach einer am 21. September veröffentlichten Vergabeinformation hat das italienische Verteidigungsministerium mit der Beschaffung neuer Kampfpanzer begonnen. Das Fahrzeugprogramm umfasst ein Volumen von mehr als 5 Milliarden Euro und könnte Renk als wichtigen Zulieferer direkt begünstigen. Für mwb research ist die Entscheidung zugleich ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach schweren Kettenfahrzeugen stärker bleiben könnte als bislang angenommen. Das Researchhaus erhöht deshalb seine mittelfristigen Schätzungen, hebt das Kursziel von 48 auf 53 Euro an und bestätigt die Kaufempfehlung. Die Renk Aktie verliert am Donnerstag aktuell dennoch 2,91 Prozent auf 40,68 Euro.
Bei der langfristigen Bedeutung von Kampfpanzern bleibt mwb allerdings vorsichtig. Der Krieg in der Ukraine habe die Rolle von Drohnen erheblich gestärkt, während Kampfpanzer teilweise eher artilleristisch eingesetzt würden. Zudem lägen größere Aufträge für Kettenfahrzeuge weiterhin hinter dem vom Researchhaus ursprünglich erwarteten Zeitplan. Die italienische Beschaffung liefert nun jedoch ein konkretes Gegenargument zu besonders zurückhaltenden Annahmen: Staaten stellen weiterhin erhebliche Budgets für moderne Kampfpanzer bereit. Damit könnte sich für Renk nicht nur das Neugeschäft mit Antriebs- und Getriebetechnik besser entwickeln als bislang unterstellt. Eine wachsende installierte Basis schafft langfristig zugleich zusätzliche Nachfrage nach Wartung, Ersatzteilen und Modernisierungen.
Gerade dieses Aftermarket-Geschäft könnte beim Strategie-Update am 8. Dezember in den Mittelpunkt rücken. Renk hatte bereits das Ziel genannt, die jährlichen Aftermarket-Umsätze von derzeit rund 500 Millionen Euro bis 2030 auf 1 Milliarde Euro und bis 2035 auf 2 Milliarden Euro zu steigern. Diese Ambitionen liegen deutlich über den bisherigen Modellannahmen von mwb. Das Researchhaus übernimmt die langfristigen Ziele zwar noch nicht vollständig, da eine detaillierte quantitative Aufschlüsselung fehlt. Die Differenz zu den bisherigen Erwartungen sei inzwischen aber zu groß, um sie bei der Bewertung unberücksichtigt zu lassen. Entsprechend werden die Umsatzannahmen für die späteren Prognosejahre angehoben. Zusätzliche Kursdynamik könnte nach Einschätzung von mwb entstehen, falls das Strategie-Update positiv überrascht. Der Anteil leerverkaufter Aktien liege bei mehr als 6 Prozent und damit vergleichsweise hoch.
Bereits für die kommenden Jahre kalkuliert mwb mit deutlichem Wachstum bei Umsatz und Gewinn bei dem Augsburger Konzern. Die Erlöse der Renk Group sollen der Prognose zufolge von 1,54 Milliarden Euro 2026 auf 1,82 Milliarden Euro 2027 und 2,14 Milliarden Euro 2028 steigen. Beim Ergebnis je Aktie werden für diese Jahre 1,84 Euro, 2,15 Euro und 2,63 Euro erwartet. Auch die Ausschüttungen sollen zulegen: Die Dividendenprognosen liegen je Aktie bei 0,92 Euro für 2026, 0,97 Euro für 2027 und 1,19 Euro für 2028. Trotz der höheren Annahmen bleibt mwb bei den langfristigen Wachstumszielen des Managements mit Abschlägen vorsichtig. Unter dem Strich überwiegen für das Researchhaus jedoch die zusätzlichen Chancen aus der weiterhin vorhandenen Panzer-Nachfrage und dem Ausbau des margenstarken Aftermarket-Geschäfts. Das DCF-basierte Kursziel steigt daher auf 53 Euro.
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