Börse am Morgen: Deutz, US-Leitzinsen, Gaspreis, Anleihen - Nord/LB
Die ZEW-Konjunkturumfrage im September bestätigt den positiven Ausblick für die deutsche Konjunktur, wenngleich die Erwartungen nur noch minimal zulegen konnten. Vor allem die aktuelle Lage wird jedoch noch einmal deutlich besser beurteilt. Die höheren Energiepreise infolge der geopolitischen Konflikte wirken jedoch zunehmend wie eine Euphorie-Bremse. Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten erhöhen die Inflationsrisiken. Die Märkte haben hierauf mit einer recht scharfen Korrektur ihrer Zinserwartungen reagiert. Die EZB hat bereits eine über die jüngste Zinserhöhung hinausgehende geldpolitische Straffung vorbereitet. Gleichwohl preisen die Märkte mit vier zusätzlichen Zinserhöhungen ein sehr adverses Szenario ein und könnten dabei die konjunkturelle Resilienz im Euroraum überschätzen. Zudem führen die aggressiven Erwartungen bereits jetzt zu einer deutlichen Straffung der Finanzierungsbedingungen.
Die deutschen Großhändler haben ihre Preise im August so kräftig erhöht wie seit Februar 2023 nicht mehr. Diese legten um durchschnittlich 6,8% im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Juli hatte das Plus noch bei 5,3% gelegen, im Juni bei 4,9%. „Ausschlaggebend für den Preisanstieg im August waren die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten, in deren Folge sich insbesondere die Großhandelspreise für Energieprodukte und Rohstoffe erhöhten“, erklärten die Statistiker. Der Großhandel dient als eine Art Scharnier zwischen Herstellern und Endkunden. Preisveränderungen kommen später und zumindest teilweise bei den Konsumenten an.
Tagesausblick
Heute wird es passieren, die Märkte scheinen sich einig zu sein. Die Rede ist hier natürlich vom Fed-Meeting und der voraussichtlichen Leitzinsanhebung. Über 94% Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung kann aus den gehandelten Futures abgelesen werden, also fast ausgemachte Sache. Da dieses Event stark eingepreist ist, sollte es nicht zu größeren Marktverwerfungen führen, falls dann die Fed Funds Target Rate um 25 Basispunkte angehoben werden würde. Ob Kevin Warsh unbehelligt oder mit verbalen Blessuren vom Weißen Haus aus der Pressekonferenz heraustreten wird, das ist die eigentlich spannende Frage des heutigen Tages! Die Anhebung scheint aus unserer Sicht mittlerweile jedenfalls gerechtfertigt. Die Einzelhandelsumsätze aus den USA werden außerdem noch einmal konjunkturelle Impulse liefern. In Hannover geht die Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation weiter. Von den 1.700 Ausstellern kommt die größte ausländische Gruppe aus China. Deren Hersteller drängen auf den europäischen Markt für Elektro-Lastwagen, dessen Anteil an den Neuzulassungen mit gut 5% noch gering ist.
Renten- und Aktienmärkte
Angetrieben von Sorgen über steigende Ölpreise und mögliche Zinserhöhungen zog die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen weiter an, nachdem sie in der Nacht zuvor erstmals seit Oktober 2023 wieder die psychologisch wichtige Marke von 5% übersprungen hat. In der Spitze klettert die Rendite auf 5,0210% und damit auf den höchsten Stand seit 19 Jahren.
Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach den Verlusten zu Wochenbeginn etwas stabilisiert. Eine leichte Entspannung bei den Ölpreisen und bei den Anleiherenditen stützte die Kurse. Aktien aus der Stahlbranche zogen wegen Nachrichten aus China an (z.B. Salzgitter +5,3%). Führende chinesische Stahlhersteller haben gemeinsam zu strengeren Produktionsbeschränkungen und einem Abbau der Lagerbestände aufgerufen. Rüstungswerte erhielten Antrieb durch Lieferengpässe in den USA und einem Bericht, wonach Japan seine Verteidigungsausgaben auf Druck der USA von knapp 2 auf 3,5% des BIP erhöhen könnte. DAX -0,15%; MDAX +0,25%; TecDAX +0,40%; Dow Jones -0,63%; S&P 500 -0,45%; Nasdaq Comp. -0,78%.
Unternehmen
Der Motorenbauer Deutz hat bei Investoren knapp 179 Mio. EUR frisches Kapital für die nächsten möglichen Übernahmen eingesammelt. Deutz ist auf Einkaufstour, v.a. um sein Rüstungsgeschäft auszubauen und damit sein Wachstum anzukurbeln. Zuletzt wurde für 1,6 Mrd. EUR die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) gekauft, die Panzer und Spezialfahrzeuge für die Bundeswehr und Streitkräfte in mehr als 15 Nationen entwickelt und wartet.
Rohstoffe
Nach dem jüngsten Vier-Jahres-Hoch geben die Gaspreise in Europa leicht nach. Der europäische Erdgas-Future verbilligt sich um 1,5% auf 80,80 EUR je Megawattstunde. Händler verwiesen auf höhere Gaslieferungen aus Norwegen sowie eine stärkere Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Die Versorgungslage bleibe jedoch angespannt.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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