Börse am Morgen: AB Foods, Oracle, EZB, Öl, Anleihen - Nord/LB
Die EZB hat gestern eine weitere Erhöhung der Leitzinsen um 25 Basispunkte beschlossen, der relevante Einlagesatz steigt somit auf 2,5%. Mit der erwarteten geldpolitischen Straffung reagiert die EZB auf die gestiegenen Inflationsrisiken und den hartnäckigeren mittelfristigen Preisausblick. Das hawkishere Wording sowie die bis 2028 oberhalb des Zielwerts liegenden Inflationsprojektionen halten die Tür für einen weiteren Zinsschritt im Dezember weit offen. Angesichts des überwiegend angebotsseitigen Inflationsdrucks und der bereits deutlich gestrafften Finanzierungsbedingungen bleibt eine erneute Zinserhöhung jedoch datenabhängig und ist noch kein Automatismus. Für eine weitere Straffung bereits auf der Oktobersitzung liefern jedoch weder die jüngsten Makrodaten noch das Statement überzeugende Argumente.
Die Inflation in Deutschland hat sich im August 2026 leicht auf 2,9% erhöht (Juli +2,8%). Haupttreiber blieben die Energiepreise, die im Vorjahresvergleich um 10,5% stiegen. Besonders Kraftstoffe verteuerten sich infolge des Iran-Kriegs deutlich um 27,7%, während die Preise für leichtes Heizöl sogar um 49,6% zulegten. Dagegen verbilligten sich Strom (-5,5%), Erdgas (-2,3%) und Fernwärme (-1,0%), sodass die Haushaltsenergie insgesamt um 0,7% günstiger war als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juli stiegen die Verbraucherpreise um 0,2%.
Der als wichtiger Frühindikator für die deutsche Industrieproduktion geltende LKW-Maut-Fahrleistungsindex hat im August gegenüber dem Vormonat Juli kalender- und saisonbereinigt um 0,6% zugelegt. Gleichzeitig lag er 2,0% über dem Niveau des Vorjahresmonats.
Der Boom von Elektroautos wird Chinas Ölverbrauch in den kommenden Jahren deutlich bremsen. Nach Einschätzung des staatlichen Ölkonzerns Sinopec könnte der E?Auto-Anteil bis 2030 auf 75 bis 80% steigen. Allein 2026 dürfte die Ölnachfrage dadurch um rund 1,2 Mio. Barrel pro Tag sinken, was etwa 15% des chinesischen Verbrauchs von Ölprodukten entspricht. China ist der weltweit größte Ölimporteur. Im Juli erreichte der Anteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden auf dem chinesischen Automarkt bereits 65%, nach 53% im Vorjahr und lediglich 5% in 2020. Fast der gesamte ÖPNV ist inzwischen elektrifiziert. Als Treiber gelten frühere staatliche Förderprogramme und die gut ausgebaute Ladeinfrastruktur mit inzwischen über 23 Mio. Ladepunkten.
Tagesausblick
Nach der EZB-Sitzung rückt am heutigen Freitag die USInflation in den Mittelpunkt. Mit den Verbraucherpreisen für August wird die aus Marktsicht derzeit wichtigste Konjunkturzahl veröffentlicht. Die Daten dürften erheblichen Einfluss auf die Zinserwartungen gegenüber der Fed und damit auch auf die Entwicklung an den Kapitalmärkten haben.
Renten- und Aktienmärkte
Die Renditen von Staatsanleihen im Euroraum stiegen gestern schon im Vorfeld der EZB-Sitzung weiter. Zehnjährige Bundesanleihen erreichten mit knapp 3,5% den höchsten Renditestand seit April 2011. Die erneute Eskalation im Nahost-Krieg und die stark gestiegenen Energiepreise belasteten die Anleihemärkte auch weltweit.
Hohe Energiepreise verknüpft mit Inflations- und Zinssorgen belasteten auch gestern die internationalen Aktienmärkte. DAX -0,84%; MDAX -1,50%; TecDAX -1,35%; Dow Jones -0,60%; S&P 500 -0,58%; Nasdaq Comp. -0,65%.
Unternehmen
Der britische Konzern AB Foods hat für das laufende Quartal ein Umsatzminus von ca. 3% bei seiner Modehandelstochter Primark angekündigt. Belastend wirkte vor allem das schwächere Geschäft in Kontinentaleuropa mit einem Minus von voraussichtlich 4,3%. Das Lebensmittelgeschäft legte hingegen im mittleren einstelligen Prozentbereich zu, während die Zuckersparte erneut unter sinkenden Preisen litt. Die geplante Abspaltung von Primark soll bis Ende 2027 abgeschlossen werden. Zudem will Primark künftig auch einen Onlineversand anbieten.
Dank des boomenden Cloud-Geschäfts erzielte Oracle in Q1 2026/27 Rekorde bei Umsatz, Gewinn und Auftragsbestand. Angesichts der starken Nachfrage hob Oracle seine Jahresprognose an. Für 2026/27 erwartet der Konzern nun einen bereinigten Gewinn von USD 8,10 je Aktie (zuvor USD 8,05) und einen Umsatz von mindestens USD 90 Mrd. In Q1 kletterten Umsatz und operativer Gewinn um jeweils rund 30%, während das Ergebnis je Aktie um 54% zunahm. Der Auftragsbestand lag bei USD 664 Mrd.
Rohstoffe
Nach Brent am Mittwoch hat gestern auch WTI die Marke von USD 100 wieder überschritten. In den USA hat der durchschnittliche Dieselpreis erstmals die Marke von USD 6 pro Gallone überschritten. Damit liegt der Preis dort etwa USD 2,30 über dem Vorjahresniveau.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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