Mutares: „Mit Guascor, Nord Gas Solutions und Efacec haben wir drei echte Rockstars im Portfolio“
Mutares geht mit operativem Rückenwind und einer gut gefüllten Transaktionspipeline in das zweite Halbjahr. Besonders die Segmente Energy & Technology sowie Infrastructure & Defense entwickeln sich positiv. Gleichzeitig treibt der Beteiligungskonzern seine Expansion in den USA voran: Mit AmeriTerpenes kommt ein profitables Unternehmen mit rund 200 Millionen Dollar Umsatz hinzu, weitere Zukäufe könnten bald folgen. Auf der Exitseite stehen mehr als zehn Beteiligungen bereit. Im Interview mit 4investors.de spricht CIO Johannes Laumann über die US-Strategie, den anstehenden Verkauf von NEM Energy und das Wertpotenzial von Guascor, Efacec und Nord Gas Solutions.
4investors.de: Mutares hat nach dem ersten Halbjahr die Jahresziele bestätigt. Wie zufrieden sind Sie mit der operativen Entwicklung des Portfolios – und wo sehen Sie aktuell noch den größten Handlungsbedarf?
Laumann: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die operative Entwicklung deutlich verbessert. Insbesondere die Segmente Energy & Technology sowie Infrastructure & Defense entwickeln sich sehr positiv. Auch die SFC Group und Amaneos liegen auf oder sogar leicht über Plan. Insgesamt können wir daher mit der Entwicklung zufrieden sein.
Auf der Transaktionsseite konzentrieren wir uns weiterhin auf den Ausbau unseres US-Geschäfts und eine hohe Aktivität in Europa. Gleichzeitig haben wir mehr als zehn Unternehmen in der Exit-Pipeline. Dabei geht es sowohl um die Realisierung wesentlicher Veräußerungserlöse als auch um den angekündigten Verkauf unserer Retail-Aktivitäten.
Wir haben uns für das zweite Halbjahr viel vorgenommen – und mein Team ist hoch motiviert, erneut starke Ergebnisse zu liefern.
4investors.de: Mit AmeriTerpenes übernehmen Sie im Rahmen eines Carve-outs von Symrise ein Unternehmen mit rund 200 Millionen Dollar Umsatz und zwei Produktionsstandorten in den USA. Was hat Sie an diesem Geschäft besonders überzeugt?
Laumann: Wir tun, was wir angekündigt haben: Wir bauen sowohl unser US-Geschäft als auch das Segment Chemicals & Materials konsequent weiter aus. AmeriTerpenes stand innerhalb des bisherigen Konzernverbunds nicht mehr im strategischen Fokus. Ich bin überzeugt, dass wir das Unternehmen mit unserem operativen Team in einem stabilen Markt weiterentwickeln, moderates Wachstum erzielen und die Profitabilität signifikant steigern können.
4investors.de: Wie sind die Konditionen der Übernahme, wie sieht insbesondere die bilanzielle Situation von AmeriTerpenes aus? Was haben Sie an werthaltigen Assets eingekauft?
Laumann: AmeriTerpenes ist seit Jahren stabil profitabel. Die Profitabilität liegt aus unserer Sicht jedoch noch unter dem Marktstandard und deutlich unter dem Potenzial, das sowohl das Team als auch die vorhandenen Assets bieten. Unser Ziel ist es, AmeriTerpenes als eigenständiges Unternehmen aufzustellen, gezielt auszubauen und zu gegebener Zeit gewinnbringend zu veräußern. Kurz- bis mittelfristig sehe ich hier einen Unternehmenswert im dreistelligen Millionenbereich.
4investors.de: Wie wichtig sind die USA inzwischen innerhalb der Mutares-Strategie? Können Sie sich vorstellen, dass Nordamerika mittelfristig eine ähnliche Bedeutung für das Portfolio bekommt wie einzelne europäische Kernmärkte? Was macht den amerikanischen Markt derzeit besonders attraktiv?
Laumann: Bereits bei der Kapitalerhöhung im April haben wir angekündigt, das zusätzliche Kapital gezielt für unser Wachstum in den USA einzusetzen. Dort sehen wir derzeit eine Vielzahl attraktiver Opportunitäten. Deshalb bauen wir sowohl unser M&A-Team als auch unsere operative Mannschaft deutlich aus und planen neben Chicago weitere Standorte, unter anderem in Houston.
Die USA spielen eine wesentliche Rolle in unserer Wachstumsstrategie Mutares 2030. Schon heute, nur rund 20 Monate nach der Eröffnung unseres Büros in Chicago, können wir mit Stolz sagen: Wir sind im amerikanischen Markt angekommen und Mutares ist dort inzwischen ein bekannter Name.
4investors.de: Welche Auswirkungen haben Zölle, Handelskonflikte und die stärkere Lokalisierung von Lieferketten auf Ihre US-Beteiligungen?
Laumann: Für unsere Beteiligungen vor Ort sind diese Entwicklungen überwiegend positiv. Das sehen wir insbesondere bei unseren Unternehmen aus dem Automotive- und Materials-Bereich. Je länger solche Maßnahmen bestehen, desto schwieriger und langwieriger wird es, sie später wieder zurückzudrehen. Mit unserem US-Portfolio profitieren wir von der zunehmenden Lokalisierung.
Die Kehrseite ist, dass europäische Gesellschaften belastet werden können, wenn ihre Exporte in die USA zurückgehen. Wir erleben im operativen Alltag somit beide Seiten dieser Entwicklung.
4investors.de: Nach dem AmeriTerpenes Deal: Wie gut ist die weitere US-Pipeline gefüllt? Wird es dort in den kommenden zwölf Monaten weitere größere Transaktionen geben?
Laumann: Ja. Und wie Sie wissen, gehört Geduld nicht unbedingt zu meinen größten Stärken. Ich hoffe daher sehr, dass wir für die nächste größere Transaktion keine zwölf Monate benötigen werden.
4investors.de: Bei NEM Energy steht das Closing des Verkaufs bevor. Welche Bedeutung hat der NEM-Exit für die Ergebnis- und Liquiditätsposition der Holding?
Laumann: Der Verkauf von NEM Energy hat eine wesentliche Bedeutung für das Ergebnis 2026 und damit für die Erreichung unserer Jahresprognose. Aktuell gehen wir weiterhin von einem Closing im September aus. Das Unternehmen entwickelt sich in einem attraktiven Markt nach wie vor sehr gut. Gemeinsam mit dem Käufer arbeiten wir daran, sämtliche formalen Vollzugsbedingungen zu erfüllen. Das ist gelegentlich komplizierter als zunächst erwartet – aber wir werden das erfolgreich abschließen.
4investors.de: Nach NEM richtet sich der Blick auf die nächsten Exit-Kandidaten. Guascor, Efacec und Nord Gas Solutions gelten als besonders aussichtsreich. Wie sehen Sie hier aus heutiger Sicht die Chancen für einen tatsächlichen Verkauf innerhalb der kommenden zwölf Monate? Wie ist aktuell das Interesse von Käufern an Assets wie Efacec, Guascor oder Nord Gas Solutions?
Laumann: Sie sprechen hier drei mögliche Exit-Kandidaten aus dem Segment Energy & Technology an. Der weltweit wachsende Energiebedarf ist aus meiner Sicht derzeit eines der prägenden Markt- und Börsenthemen und hat zeitweise sogar das Thema Verteidigung in den Hintergrund gedrängt.
Mit Guascor, Nord Gas Solutions und Efacec haben wir drei echte Rockstars im Portfolio. Zusammen erwirtschaften sie knapp 150 Millionen Euro EBITDA und bewegen sich in einem ausgesprochen dynamischen Marktumfeld. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für diese Unternehmen sowohl strategische Interessenten als auch attraktive Optionen am Kapitalmarkt gibt. Mehr kann ich dazu zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings nicht sagen.
Guascor, Nord Gas Solutions und Efacec erwirtschaften nach Ihren Angaben zusammen knapp 150 Millionen Euro EBITDA. Bei den für Mutares-Exits bislang häufig angesetzten Multiplikatoren vom Sechs- bis Achtfachen des EBITDA ergäbe sich rechnerisch eine Bewertung zwischen rund 900 Millionen Euro und 1,2 Milliarden Euro. Ist diese Größenordnung realistisch?
Laumann: EBITDA-Multiplikatoren sind zunächst einmal eine theoretische Spielwiese für Banker. Entscheidend sind am Ende drei Fragen: Wie ist das Marktumfeld? Welcher Exitkanal steht offen? Und ist der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf gekommen?
Im Segment Energy & Technology sind die Voraussetzungen derzeit zweifellos attraktiv. Und unter uns gesagt: Zu einem Multiplikator vom Sechsfachen des EBITDA würde ich im aktuellen Marktumfeld keines dieser drei Unternehmen verkaufen.
4investors.de: Wenn Sie auf die kommenden zwölf Monate schauen: Worauf freuen Sie sich als CIO mehr – auf den nächsten großen Carve-out oder auf einen besonders erfolgreichen Exit aus dem bestehenden Portfolio?
Laumann: Ich freue mich auf die Kombination aus beidem. Das Spannendste an meiner Aufgabe ist für mich die enorme Vielfalt: An einem einzigen Tag geht es um Unternehmenskäufe, Verkäufe, Kundengespräche und Eskalationsmeetings. Hinzu kommt, dass ich aus meiner Sicht das beste Team der Welt führen darf.
Dafür verzichtet man auch einmal gerne auf den obligatorischen Sommerurlaub. Dieser Sommer war ausgesprochen arbeitsreich – und nun geht es nahezu nahtlos in eine ebenso intensive Wiesnzeit über.
Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: Mutares.
