Börse am Morgen: CTS Eventim, Walmart, Bitcoin, Gold, Börsentermine - Nord/LB
Die Erzeugerpreise in Deutschland lagen im Juli um 3,0% über dem Vorjahresniveau und 1,1% über dem Vormonat. Treiber waren vor allem Vorleistungsgüter (+5,4%) und Energie (+3,8%). Insbesondere Mineralölerzeugnisse verteuerten sich deutlich (+31,4%). Investitions- (+2,3%) und Gebrauchsgüter (+2,0%) waren teurer als ein Jahr zuvor. Dagegen gingen die Preise für Verbrauchsgüter um 2,3% zurück, vor allem aufgrund niedrigerer Nahrungsmittelpreise. Ohne Energie erhöhten sich die Erzeugerpreise y/y um 2,7%.
Die deutschen Exporte stiegen in H1 2026 um 3,9% auf EUR 817,8 Mrd., die Importe um 4,7% auf EUR 712,1 Mrd. Der Handelsüberschuss betrug EUR 105,7 Mrd. (-0,7%). Wichtigster Handelspartner (Exporte plus Importe) blieb China vor den USA und den Niederlanden. Top 3 der Abnehmerländer waren die USA (-6,1%), Frankreich (+7,6%) und die Niederlande (+9,0%). Die Ausfuhren nach China (Rang 9) sanken um 12,2%, zugleich stiegen die Importe aus China (Rang 1) um 8,8%, wodurch sich das deutsche Handelsdefizit gegenüber China deutlich ausweitete. Wichtigste Exportgüter blieben Kraftfahrzeuge und -teile sowie Maschinen, wobei die Autoexporte um 5,8% zurückgingen. Zuwächse verzeichneten dagegen Datenverarbeitungs-, Elektro- und Optikerzeugnisse.
Weniger Bürokratie im EU-Warenhandel: Seit 2025 gelten in Deutschland deutlich höhere Meldeschwellen für die Außenhandelsstatistik. Dadurch sank die Zahl der meldepflichtigen Unternehmen im Intrahandel gegenüber 2021 um 40% bzw. 29.400. Laut Eurostat bedeutet dies die dritthöchste Bürokratieentlastung in der EU nach Estland und Bulgarien. Der Warenhandel mit EU-Staaten machte 2025 mehr als die Hälfte des deutschen Außenhandels aus.
Tagesausblick
Zum Wochenausklang liefern die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes einen wichtigen Stimmungstest für die europäische Konjunktur. Unsere Prognosen lassen für Deutschland und die Eurozone eine anhaltende Expansion erwarten, wobei sich der deutsche Dienstleistungssektor nur knapp an der Wachstumsschwelle bewegen dürfte. Bestätigen die Umfragen dieses Bild, wäre dies ein positives Signal für die wirtschaftliche Entwicklung im dritten Quartal, allerdings bliebe der Aufschwung hierzulande stark vom Verarbeitenden Gewerbe abhängig. Am Nachmittag folgt das vorläufige Verbrauchervertrauen der Eurozone, das sich nach unserer Einschätzung zwar leicht verbessern sollte, aber noch keine breite Zuversicht unter den Haushalten erkennen lassen dürfte.
Renten- und Aktienmärkte
US-Staatsanleihen gaben gestern ihre Mittwochsgewinne wieder ab. Die Ankündigung von Anleiheaufkäufen, die am Mittwoch für gute Laune sorgte, wurde an den Märkten gestern eher als Sorge vor der hohen US-Staatsverschuldung interpretiert.
Eine Mischung aus wieder steigenden Anleiherenditen, festen Ölpreisen und enttäuschenden Quartalszahlen von Walmart (-9%), die als Gradmesser der Konsumlaune in den USA gelten, drückten gestern auf die Aktienmärkte sowohl in Europa als auch in den USA. Auch die asiatischen Börsen tendierten schwächer, mit Ausnahme von China. Hier hoffen Anleger auf fiskalpolitische Maßnahmen. DAX -0,42%; MDAX -0,34%; TecDAX +0,15%; Dow Jones -1,32%; S&P 500 -0,87%; Nasdaq Comp. -1,00%.
Unternehmen
CTS Eventim steigerte in H1 dank des starken Festival- und Konzertgeschäfts den Umsatz um 17% auf EUR 1,51 Mrd. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg um 12% auf EUR 225 Mio., während die Marge leicht auf 14,9 % sank. Der Nettogewinn erhöhte sich um gut ein Drittel auf EUR 120 Mio. Das Live-Entertainment-Geschäft wuchs stärker als das Ticketing, das jedoch weiterhin profitabler bleibt.
Walmart hat in Q2 mit einem flächenbereinigten Umsatzplus von 2,6% die Markterwartungen (3,8%) verfehlt. Verbraucher kauften angesichts hoher Benzinpreise zurückhaltender ein. Dank des starken Onlinegeschäfts hob der Konzern jedoch seine Jahresprognose an. Walmart erwartet nun ein Umsatzwachstum von 4% bis 5%. Der E-Commerce-Umsatz legte zuletzt um 24% zu, während das Werbegeschäft sogar um 43% wuchs. Zudem profitierte das operative Ergebnis von Zollerstattungen, die teilweise zur Preissenkung genutzt wurden.
Devisen und Rohstoffe
Gold und Bitcoin legten in den vergangenen Tagen stark zu. Dies hat im Wesentlichen zwei Ursachen: einerseits machen die angekündigten Interventionen des US-Finanzministeriums am Anleihemarkt perspektivisch zinslose Anlagen wie Gold und Bitcoin attraktiver; andererseits führen diese Interventionen zu einem schwächeren USD, was wiederum zu einem Kursanstieg dieser in USD gehandelten Anlageklassen führt.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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