Cancom Aktie: Analyst sieht hausgemachte Probleme
mwb research sieht bei Cancom zwar deutliche Fortschritte bei der Profitabilität, bleibt nach einem gemischten ersten Halbjahr aber bei „Hold“ und senkt das Kursziel von 27,00 auf 25,50 Euro. Vor allem die schwache Umsatzentwicklung und der deutlich negative operative Cashflow bremsen die Einschätzung. Die Cancom Aktie fällt aktuell um 6,86 Prozent auf 22,400 Euro.
Der Umsatz ging im ersten Halbjahr 2026 um 3,5 Prozent auf 775,9 Millionen Euro zurück, unter anderem weil Kunden Investitionsentscheidungen verschoben haben. Das Geschäftsvolumen legte dagegen um 2,7 Prozent zu. Deutlich besser sieht mwb die Entwicklung der Margen: Der Rohertrag stieg um 2,2 Prozent auf 343,3 Millionen Euro, die Rohertragsmarge verbesserte sich von 41,8 auf 44,2 Prozent. Im zweiten Quartal erreichte sie sogar 45,7 Prozent, obwohl der Umsatz um 6,2 Prozent auf 368,9 Millionen Euro sank. mwb sieht darin eine Bestätigung dafür, dass ein günstigerer Geschäftsmix und eine striktere Kostenkontrolle Wirkung zeigen.
Beim EBITDA erzielte Cancom im ersten Halbjahr einen Anstieg um 34 Prozent auf 49,2 Millionen Euro. Getragen wurde die Verbesserung vor allem von Deutschland, wo sich das EBITDA bei weitgehend stabilem Umsatz auf 30,6 Millionen Euro mehr als verdoppelte. Das internationale Geschäft blieb dagegen schwach. Im zweiten Quartal lag das EBITDA mit rund 22,2 Millionen Euro unter dem Konsens von 24 Millionen Euro, die Marge hielt sich mit etwa 6 Prozent aber stabil. Für das Gesamtjahr 2026 kalkuliert mwb mit 1,740 Milliarden Euro Umsatz und 106,2 Millionen Euro EBITDA. 2027 sollen daraus 1,774 Milliarden Euro beziehungsweise 110,4 Millionen Euro werden.
Umsatzentwicklung zunehmend ein Cancom-spezifisches Problem
Das größte Fragezeichen setzt mwb hinter den Cashflow. Aus einem operativen Mittelzufluss von 0,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum wurde im ersten Halbjahr 2026 ein Abfluss von 109,6 Millionen Euro. Dazu trugen insbesondere höhere Mittelabflüsse bei den Verbindlichkeiten sowie Veränderungen der Lagerbestände bei. Ein Teil des Lageraufbaus könnte mit gestiegenen Hardwarepreisen und der Vorbereitung kommender Projekte zusammenhängen und sich in der zweiten Jahreshälfte wieder normalisieren. Dauerhaft höhere Hardwarepreise könnten allerdings künftig die Rohertragsmargen belasten.
Für zusätzliche Skepsis sorgt die schwache Umsatzentwicklung, die mwb zunehmend als Cancom-spezifisches Problem und weniger als Folge des allgemeinen Marktumfelds einordnet. Das internationale Geschäft und aufgeschobene Kundenentscheidungen werfen für das Analystenhaus Fragen zur operativen Umsetzung und zur Marktanteilsentwicklung auf. Um die bestätigte Prognose zu erreichen, müsste das Umsatzwachstum im zweiten Halbjahr deutlich anziehen. mwb hält dies angesichts der begrenzten Visibilität für anspruchsvoll und reduziert deshalb seine Schätzungen.
Beim Gewinn je Aktie erwartet mwb Anstieg auf 1,02 Euro im laufenden Jahr sowie 1,38 Euro 2027 und 1,51 Euro 2028. Die Dividende soll nach den Schätzungen über den gesamten Zeitraum bei 1,00 Euro je Cancom Aktie bleiben.
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