Börse am Morgen: Hochtief, LVMH, VW / Audi, Ölpreis, Börsentermine - Nord/LB
Die deutsche Wirtschaft zeigt sich von den aktuellen (geopolitischen) Risiken wenig beeindruckt. Wie aus der gestern veröffentlichten ifo-Umfrage hervorgeht, verbessert sich der Index für das Geschäftsklima im Juli um 0,9 Punkte auf 86,6. Die Verbesserung geht ausschließlich auf die Erwartungen zurück; der Teilindex steigt um ganze 2,4 Punkte auf 86,7, während der laufende Gang der Geschäfte etwas schlechter als im Vormonat beurteilt wird (minus 0,5 auf 86,5 Punkte). Der Geschäftsklimaindex steigt damit zum dritten Mal in Folge, was nach herkömmlicher Lesart als Trendumkehr gesehen wird. Die Chancen für eine Wachstumsbeschleunigung stehen somit gut. Für eine gewisse Zuversicht dürfte auch nach wie vor die Fiskalpolitik der Bundesregierung sorgen, die nun auch durch weitere Reformen flankiert wird.
Die Beratungsfirma Gartner hebt zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Prognose für die weltweiten IT-Ausgaben an. Diese sollen 2026 nun um 14,2% auf USD 6,37 Bio. steigen. Treiber bleibt vor allem der Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Gartner rechnet hier inzwischen mit einem Wachstum von 62,5% auf USD 822 Mrd. Zusätzliche Kosten entstehen zudem durch Lieferengpässe und steigende Preise für Komponenten wie Speicherchips. Auch die Ausgaben für Cloud-Infrastruktur dürften mit knapp 30% deutlich zulegen, während Software mit einem Plus von 15,5% weiterhin zu den größten IT-Ausgabenblöcken zählt.
Tagesausblick
Heute ruht der Blick der Marktteilnehmer wieder vor allem auf den Konjunkturdaten aus den USA. Neben Zahlen zu der Entwicklung der Hauspreise wird vor allem auf aktuelle Angaben zu Stimmungsindikatoren zu achten sein. Beim Manufacturing Survey der Richmond Fed könnte es am aktuellen Rand spürbar nach oben gehen. Den sehr kräftigen Anstieg beim Philadelphia-Index wird die Zeitreihe aus Richmond im Juli aber wohl nicht in den Schatten stellen können. Bisher sind die Vorgaben für den ISM PMI Manufacturing in jedem Fall erfreulich. Zudem wird auf das Verbrauchervertrauen des Conference Boards zu achten sein. Beim Blick auf die Details dürften hier auch die Zahlen zu den Inflationserwartungen in den Fokus rücken.
Renten- und Aktienmärkte
Entspannungssignale aus der Golfregion sorgten gestern in Verbindung mit spürbar fallenden Ölpreisen (s. u.) für Kursgewinne bei Anleihen. Dies wirkte sich auch positiv auf die Aktienmärkte aus. Allerdings machte sich im späteren Handel an der Wall Street wieder Nervosität breit. Denn neben dem morgen anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed berichten in dieser Woche unter anderem die Schwergewichte Microsoft, Amazon, Meta und Apple ihre Quartalszahlen. DAX +1,04%; MDAX +0,44%; TecDAX +1,03%; Dow Jones +0,51; S&P 500 +0,02%; Nasdaq Comp. -0,18%.
Unternehmen
Nach einem schwachen H1 reduziert die VW-Tochter Audi ihre Erwartungen für 2026. Der Umsatz soll nur noch EUR 58 Mrd. bis EUR 63 Mrd. erreichen, die operative Rendite bei 5% bis 7% liegen. Das sind EUR 5 Mrd. beim Umsatz und ein Prozentpunkt bei der Rendite weniger als noch im April in Aussicht gestellt. Belastet werden die Ingolstädter vor allem durch die schwache Nachfrage in China und die US-Zölle. Trotz erster Erfolge bei Sparmaßnahmen sieht Audi weiteren Handlungsbedarf bei Kosten und Effizienz. Auch die Produktionskapazitäten werden angepasst. In H1 sank der Gewinn um EUR 220 Mio. auf EUR 1,1 Mrd.
Der Baukonzern Hochtief hat nach einem starken H1 seine Prognose für den operativen Gewinn für 2026 um EUR 75 Mio. auf eine Spanne von EUR 1,03 Mrd. bis EUR 1,10 Mrd. angehoben. Haupttreiber ist die hohe Nachfrage nach Rechenzentren, insbesondere in den USA. Umsatz und Auftragseingang legten zweistellig zu, der Auftragsbestand erreichte mit EUR 84,8 Mrd. ein Rekordniveau.
Der französische Luxusgüterkonzern LVMH hat für Q2 2026 einen Umsatz von EUR 19,52 Mrd. (Konsens: EUR 19,45 Mrd.) gemeldet. Das als Branchenbarometer für den globalen Luxusgütermarkt geltende Unternehmen mit Marken wie Louis Vuitton, Dior und Bulgari steigerte seine Erlöse damit um 3% gegenüber dem Vorjahresquartal und um 1% gegenüber dem ersten Quartal. Vor allem im US-Markt profitierte das Unternehmen mit einem Umsatzplus von 6% von einer durch KI- und Technologieboom neu geschaffenen Kaufkraft.
Rohstoffe
Die USA beendeten gestern vorerst ihre 13 Nächte dauernde Angriffsserie auf den Iran, und Trump sprach von guten Gesprächen. Und auch aus dem Iran gab es Signale, die auf eine Aussetzung iranischer Angriffe hindeuteten. Dies ließ die Rohölpreise regelrecht einbrechen. Brent gab in der Spitze um über 8% nach.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: LVMH.
