LPKF Laser: Zahlen trotz KI-Phantasie „insgesamt nicht zufriedenstellend”
Die LPKF Laser & Electronics SE hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 36,5 Millionen Euro erzielt und damit 38,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 59,2 Millionen Euro. Im zweiten Quartal allein sackte der Umsatz von 33,8 auf 19,3 Millionen Euro ab. Entsprechend tief rutschte das Ergebnis: Das EBIT lag im Halbjahr bei minus 14,1 Millionen Euro, nach minus 1,7 Millionen Euro im Vorjahr, bereinigt um Restrukturierungs- und Abfindungsaufwendungen sowie Wertänderungen aus Aktienoptionen bei minus 10,4 Millionen Euro. Der Auftragseingang halbierte sich nahezu auf 19,9 Millionen Euro, nach zuvor 43,0 Millionen Euro, während der Auftragsbestand mit 34,7 Millionen Euro nahezu das Vorjahresniveau hielt.
„Die Zahlen des ersten Halbjahrs sind insgesamt nicht zufriedenstellend, da globale Krisen unser Kerngeschäft in der Breite belasten. Gleichzeitig sehen wir, dass wir mit LIDE im Advanced Packaging für KI-Anwendungen sehr gut positioniert sind und dass sich das Umsatzpotenzial nach neuesten Marktanalysen deutlich besser darstellt als bislang angenommen”, sagt sagt Klaus Fiedler, Vorstandsvorsitzender der LPKF. Relevante Aufträge fehlen dabei allerdings noch.
Verantwortlich für den Einbruch ist im Wesentlichen ein einzelnes Segment: Im Solargeschäft halten die Kunden von LPKF Laser ihre Investitionen zurück, weil der vom Unternehmen erwartete Technologiewechsel hin zu Perowskit-Zellen bislang ausgeblieben ist. Umsatz und Auftragseingang liegen dort sehr deutlich unter Vorjahr. Auch im Kunststoffschweißen fiel der Umsatz klar zurück und das Ergebnis drehte ins Minus, hier baut LPKF das Geschäft auf Consumer Electronics, Robotik und Medizintechnik um. Besser lief es im Segment Development mit deutlich höherem Auftragseingang sowie im Segment Electronics, wo Umsatz und Bestellungen trotz eines schwachen zweiten Quartals über Vorjahr lagen.
LIDE-Technologie bringt Kursphantasie
In den letzten Wochen zählte die LPKF Aktie zu den Überraschungen der KI-Rallye, trotz einer deutlichen laufenden Konsolidierung seit Mitte Juni, und der Grund dafür findet sich nicht in den Halbjahreszahlen, sondern in einer Marktschätzung. LPKF hat den adressierbaren Markt für seine Prozesslösungen im Advanced Packaging neu bewertet und beziffert ihn nun auf rund 1,7 Milliarden Euro bis 2030, nach zuvor 500 Millionen Euro. Treiber ist nach Unternehmensangaben der KI-getriebene Ausbau von Hochleistungsrechnern und die dadurch steigende Zahl benötigter Wafer Starts für leistungsfähige Chips. Kern des Geschäfts ist die hauseigene LIDE-Technologie zur präzisen Bearbeitung von Glas, die bei führenden Halbleiterkunden im Einsatz ist.
Konkrete Umsätze aus diesem Feld sind bislang überschaubar. Im zweiten Quartal verbuchte LPKF einen Auftrag über ein LIDE-System von einem Spezialglashersteller, der sich damit für künftige Lieferketten qualifizieren will, sowie eine Bestellung der Penn State University. Parallel erweitert das Unternehmen sein Angebot über die Glasstrukturierung hinaus, etwa um das Trennen glasbasierter Packages und das laserbasierte Bonden von Glasstapeln, und arbeitet an der Integration optischer Komponenten auf Glassubstraten. Intern läuft zugleich das Transformationsprogramm North Star unter Führung von Finanzvorstand Peter Mümmler, dessen erste Welle des Personalabbaus im zweiten Quartal abgeschlossen wurde.
An der Jahresprognose hält LPKF fest. Für 2026 erwartet der Vorstand einen Konzernumsatz von 105 bis 120 Millionen Euro und eine bereinigte EBIT-Marge zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent, wobei positive Impulse vor allem aus den Segmenten Solar und Electronics kommen sollen. Nach einem Halbjahresumsatz von 36,5 Millionen Euro müsste damit der Löwenanteil des Jahresgeschäfts in die zweite Jahreshälfte fallen. Mittelfristig peilt LPKF bis 2028 eine nachhaltig zweistellige EBIT-Marge im Konzern an.
4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen
Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.

