Börse am Morgen: Ryanair, Konjunkturdaten, Börsentermine - Nord/LB
Die dt. Erzeugerpreise stiegen im Juni 2026 nur noch um 1,8% ggü. dem Vorjahr und damit schwächer als im Mai (2,2%); ggü. dem Vormonat gingen sie sogar um 0,3% zurück. Haupttreiber blieben deutlich höhere Preise für Mineralölprodukte infolge der Spannungen im Nahen Osten, während Erdgas, Strom und Fernwärme günstiger wurden. Nahrungsmittel verbilligten sich insgesamt um 4,5%, insbesondere Butter und Schweinefleisch, während pflanzliche Öle und Backwaren teurer wurden. Die Entwicklung signalisiert nachlassenden Inflationsdruck und spiegelt sich auch in einer Abschwächung der Verbraucherpreisinflation auf 2,3% im Juni wider.
In diesem Umfeld zeigt eine aktuelle EZB-Umfrage (Befragung über den Zugang von Unternehmen im Euroraum zu Finanzmitteln (SAFE)) stabile Inflationserwartungen der Unternehmen im Euroraum. Für die kommenden ein bzw. drei Jahre wird weiterhin eine Inflationsrate von jeweils 3,0% erwartet. Gleichzeitig sehen 65% der befragten Firmen weiterhin Aufwärtsrisiken für die Inflation auf Sicht von fünf Jahren, was für die EZB im Vorfeld ihres Zinsentscheids (24.07.26) relevant ist.
Die Angebotsmieten in Deutschland stiegen im Frühjahr 2026 mit +4,0% ggü. dem Vorjahr deutlich stärker als die Inflation, was den anhaltenden Wohnraummangel und die Verschärfung der Mietpreiskrise unterstreicht. Besonders stark legten die Mieten in Großstädten außerhalb der Top-7-Metropolen zu, während Köln mit +7,9% die höchste Dynamik verzeichnete. Die Kaufpreise für Wohnimmobilien erhöhten sich dagegen nur moderat (+0,8% im Jahresvergleich), sodass von einem neuen Immobilienpreisboom bislang keine Rede sein kann. Insgesamt zeigt sich ein gespaltenes Bild. Auf dem Kaufmarkt trifft ein hohes Angebot auf schwache Nachfrage, während der Mietmarkt weiterhin von knappen Angeboten und hoher Nachfrage geprägt ist.
Deutschlands Handelsungleichgewicht mit China hat sich weiter verschärft. Während die Importe von Januar bis Mai um 6,2% auf EUR 72,4 Mrd. stiegen, brachen die Exporte um 14,5% auf EUR 29,6 Mrd. ein. Besonders betroffen sind dt. Schlüsselbranchen wie Automobil- und Maschinenbau, deren Ausfuhren deutlich zurückgingen. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit Deutschlands von chinesischer Technologie-, Batterie- und Photovoltaikprodukten. Der Importüberschuss gegenüber China erhöhte sich dadurch auf EUR 42,8 Mrd. (nach EUR 33,5 Mrd. im Vorjahreszeitraum).
Tagesausblick:
Der heutige Handelstag wird vom ZEW geprägt sein, das Institut nimmt anhand seiner Befragung eine Lage- und Zukunftsbewertung für den Juli vor. Die Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone sollten sich aus unserer Sicht weiter verbessern, die Lagebeurteilung ebenfalls, wenngleich Letztere noch immer auf sehr niedrigem Niveau. Überhaupt war die Lagebeurteilung das letzte Mal im November 2021 positiv.
Aktien- und Rentenmärkte
Die weltweiten Kapitalmärkte stecken seit geraumer Zeit im Sommerloch fest, wenngleich die weltpolitische Nachrichtenlage nicht wirklich Langeweile aufkommen lässt. Auf der anderen Seite bleiben die Lage in Nahost sowie KI-Sorgen seit rund zwei Wochen die dominierenden Themen unter den Analysten und an den Börsen. Um ehrlich zu sein, hängen einem diese Nachrichten aber auch schon langsam zum Halse heraus. Was bleibt zu konstatieren? Ölpreise bleiben gefangen rund um den Newsflow in der Straße von Hormuz. Dies charakteresiert jeweils die energiepreisinduzierten Inflationserwartungen und damit die Renditen an den Bondmärkten. An den Aktienmärkten entweicht in diesem Umfeld heisse KI-Luft und die Berichtssaison beschleunigt sich.
DAX +0,06%; MDAX -0,58%; TecDAX +0,03%; Dow Jones -0,59%; S&P 500 -0,19%; Nasdaq Comp. -0,05%.
Unternehmen
Überraschung: Ryanair erwartet aufgrund der durch den Iran-Krieg ausgelösten Konsumzurückhaltung im Sommer leicht sinkende Flugpreise.
Rohstoffe
Die weiter zunehmende Eskalation zwischen den USA und dem Iran treibt die Energiepreise seit Tagen wieder stetig deutlich nach oben. Brent-Öl legte allein in der vergangenen Woche bspw. um rd 16% je Barrel zu und verzeichnt damit den stärksten Wochenanstieg seit April. Gleichzeitig stiegen auch die europ. Erdgaspreise innerhalb einer Woche um knapp 20% (auf 58,98 EUR/MWh) und erreichten damit den höchsten Stand seit März! Die derzeitige Entwicklung schürt erneut Sorgen vor einem längerfristig anhaltenden Inflationsschub (infolge höherer Energiekosten). Zu Wochenbeginn kam es aber gestern zu rückläufigen Notierungen. Was ist der Grund? Spekulationen über eine Wiederaufnahme von Verhandlungen in Nahost.
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