Hensoldt Aktie: Jefferies hebt Kursziel, mwb research rät zum Verkauf
Beim Rüstungs-Sensorspezialisten Hensoldt prallen zwei gegensätzliche Einschätzungen aufeinander. Jefferies hebt sein Kursziel an und bleibt bei der Kaufempfehlung, während mwb research nach der jüngsten Kursrallye zum Verkauf rät. Der Abstand zwischen beiden Bewertungen ist beträchtlich und spiegelt die unterschiedliche Deutung wider, wie gut der TecDAX-notierte Konzern bei den künftigen Rüstungsprogrammen positioniert ist.
Derweil bleibt die charttechnische Lage bei der Hensoldt Aktie schwierig. Aktuell verliert der Aktienkurs 1,7 Prozent und pendelt an der 73-Euro-Marke. Am Freitagvormittag wurde die 20-Tage-Linie getestet und mit einem bisherigen Tagestief bei 71,80 Euro kurz zwar leicht unterschritten, von hier prallte der Titel letztendlich aber nach oben ab. Entwarnung ist dies nicht angesichts einer weiter eher überkauften kurzfristigen Lage und Verkaufssignalen bei zentralen charttechnischen Indikatoren. Der Chaikin Money Flow zeigt mit einem Wert von 0,01 keinerlei bemerkenswerten Kaufdruck an.
Ein stabiler Rutsch unter die 20-Tage-Linie bei aktuell 72,14 Euro und das bisherige Tagestief setzt weiteres Abwärtspotenzial frei. Der zentrale Support für den Aktienkurs von Hensoldt liegt darunter zwischen 63,18 und 63,90/64,80 Euro, hier gab es jüngst eine Bärenfalle. Reißt auch dieser Bereich, wartet die Not-Haltezone bei 59,70/61,10 Euro, ehe es über 55,30 Euro im Extremfall bis zur 45er-Marke ginge. Ein Sprung über 82,02 Euro führt der Weg der Hensoldt Aktie nach oben zunächst nur bis 83,40/85,36 Euro, ein weiterer break bringt dann die Zone 91,26/91,72 Euro in den Blickpunkt.
Kursziel 62 Euro oder 94 Euro für die Hensoldt Aktie?
Die Analystenstimmen: Jefferies hebt das Kursziel für die Hensoldt Aktie von 90 auf 94 Euro an und bestätigt die Kaufempfehlung. In der europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsbranche rücke für das Haus inzwischen vor allem die Rüstungselektronik in den Fokus. Zum Favoriten der Branche kürten die Analysten mit einer neuen Kaufempfehlung den italienischen Konzern Leonardo, dem sie den größten Bewertungsreiz attestieren.
mwb research kehrt der Hensoldt Aktie dagegen zum Verkaufsvotum zurück und bestätigt das auf einem Discounted-Cashflow-Modell beruhende Kursziel von 62,00 Euro. Getrieben von der Zuversicht rund um den NATO-Gipfel sei der Titel um rund 26 Prozent auf 81,00 Euro gestiegen, ohne dass ein Vertrag zustande gekommen wäre oder sich an den Schätzungen etwas geändert hätte. Bei Sensoren sei der Konzern zwar stark, gelte bei Land- und Marineplattformen aber nicht als selbstverständlicher Gewinner. So habe sich der schwedische Rivale Saab sowohl das Radarpaket für die A200-Fregatte von ThyssenKrupp Marine Systems als auch einen Zuschlag bei Diehls Flugabwehrsystem IRIS-T SLS gesichert.
Das Geschäft mit Landsystemen bleibe zwar ein Kernstück der Investmentstory, doch bei nur zögerlich erteilten deutschen Genehmigungen blicken die Analysten vorsichtiger auf die kommenden Ausschreibungen. Die wiederkehrenden Erlöse seien weiterhin gering, und die kürzlich angehobene Prognose für den freien Mittelzufluss beruhe auf einem Zeiteffekt statt auf strukturellen Gründen. Nach der Rallye werde die Aktie mit dem rund 18-Fachen des für 2026 erwarteten Verhältnisses von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis über dem fairen Wert des Hauses gehandelt. Der Markt zahle den vollen Preis für eine fehlerfreie Umsetzung in einem Zyklus, dessen Verlauf sich über 2035 hinaus nicht absehen lasse. Angesichts eines möglichen Rückschlags von etwa 23 Prozent raten die Experten zum Verkauf.
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