Börse am Morgen: Nordex, Salzgitter, Südzucker, VW - Nord/LB
Die EZB hat nach ihrer Zinserhöhung im Juni bewusst auf Hinweise zum weiteren Zinspfad verzichtet, um angesichts der hohen Unsicherheit durch den Nahostkonflikt flexibel zu bleiben. Laut dem gestern veröffentlichten Sitzungsprotokoll aus dem Juni wollte der EZB-Rat weder weitere Zinsschritte vorwegnehmen noch die Anhebung als einmalige Maßnahme darstellen. Gleichzeitig betonen die Währungshüter ihre Entschlossenheit, die Inflation mittelfristig auf 2% zurückzuführen, wobei zusätzliche Zinserhöhungen weiterhin Teil des Basisszenarios sind. Für die Sitzungen im Juli (23.07) und September (10.09) bleiben die Inflations- und Energiepreisentwicklung die entscheidenden Faktoren für den weiteren geldpolitischen Kurs.
Tagesausblick
Der letzte Handelstag der Woche wartet mit endgültigen Inflationsdaten aus Deutschland auf. Wir erwarten keine nennenswerten Revisionen bei den Zahlen, welche nun den zweiten Monat in Folge negativ waren. Von Deflation kann bei der anhaltend gesteigerten Jahresrate natürlich noch keine Rede sein, vor allem weil hier noch eine zurückgestaute Inflation aufgrund des Tankrabattes verzerrend wirkte. Der Disinflationstrend wird, über Europa hinweg, aber sicherlich positiv aufgenommen, insb. weil sich übertriebene Erwartungen in Bezug auf Leitzinsanhebungen mehr oder weniger in Luft aufgelöst haben.
Aktien- und Rentenmärkte
Der Begriff Teflonmarkt subsummiert die Abgestumpftheit der weltweiten Börsen trotz oder gerade wegen der Lage in Nahost. Man hat sich einfach daran gewöhnt und arrangiert sich. DAX +0,89%; MDAX +1,02%; TecDAX +2,10%; Dow Jones +0,26%; S&P 500 +0,81%; Nasdaq Comp. +1,30%.
Unternehmen
Salzgitter übernimmt die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) vollständig und wird damit alleiniger Eigentümer des Stahlproduzenten. Mit der Übernahme von den bisherigen Miteigentümern ThyssenKrupp Steel Europe und Vallourec will Salzgitter das Werk im Rahmen der grünen Transformation neu ausrichten. Voraussetzung dafür ist ein erheblicher Stellenabbau von rund 3.000 auf etwa 1.000 Beschäftigte, da andernfalls eine vollständige Schließung des Werks gedroht hätte.
Niedersachsen signalisiert als VW-Großaktionär Bereitschaft, der schrittweisen Stilllegung oder Umwidmung mehrerer dt. VW-Standorte zuzustimmen, sofern möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Als Vorbild gilt das Werk Osnabrück, das künftig von einem Rüstungsunternehmen genutzt werden könnte; ähnliche Lösungen werden auch für weitere Standorte geprüft. Für Investoren unterstreicht dies den wachsenden Restrukturierungsdruck bei Volkswagen und erhöht die Wahrscheinlichkeit tiefgreifender Anpassungen im dt. Produktionsnetzwerk.
Nordex profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Windkraftanlagen und steigerte den Auftragseingang in HJ1 um 9,6% auf 4,9GW. Besonders stark fiel das Wachstum im zweiten Quartal mit einem Plus von 32,2% auf rund 3GW aus (unterstützt durch Großaufträge aus Deutschland, den USA und der Türkei). Der hohe US-Auftragseingang von rund 800MW unterstreicht die starke Marktposition des Unternehmens und sorgt für eine weiterhin hohe Auslastung der Orderbücher.
Südzucker hat im ersten Quartal 2026/27 trotz eines Umsatzrückgangs auf EUR 2,06 Mrd. das operative Ergebnis deutlich von EUR 96 Mio. auf EUR 135 Mio. gesteigert. Treiber waren niedrigere Kosten sowie eine bessere Entwicklung in den Segmenten CropEnergies, Stärke und Zucker, wo der operative Verlust spürbar reduziert werden konnte. Für das Gesamtjahr erhöhte der Konzern die Umsatzprognose, während die Ergebnisprognose unverändert blieb und weiterhin von geopolitischen sowie konjunkturellen Unsicherheiten beeinflusst wird.
Rohstoffe
Die jüngste Eskalation zwischen den USA und dem Iran hat den Schiffsverkehr durch die strat. bedeutende Straße von Hormus wieder nahezu zum Erliegen gebracht und erhöht damit die Risiken für die globale Ölund Gasversorgung erheblich. Trotz der angespannten Lage und eines beschädigten LNG-Tankers gaben die Ölpreise nach dem jüngsten Anstieg gestern leicht nach, was auf Gewinnmitnahmen und Unsicherheit über die weitere Entwicklung hindeutet. Der Ausblick bleibt indes weiter angespannt, da eine anhaltende Störung der Schifffahrtsroute das Potenzial für erneuten Aufwärtsdruck bei Energiepreisen birgt.
In dieser Gemengelage stützt dennoch die Hoffnung auf eine schnelle Deeskalation im Nahost-Konflikt den Kupfermarkt. Der Kupferpreis steigt am Donnerstag um 2,2% auf USD 13.457 pro Tonne und macht damit den Rückgang vom Vortag mehr als wett. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass mögliche geopolitische Spannungen nur vorübergehende Auswirkungen auf den Kupferpreis haben werden.
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