Rheinmetall Aktie: Chart und eine Expertenstimme lassen die Sorgen wachsen
Der Rüstungskonzern Rheinmetall bekommt von den Analysten bei mwb research Gegenwind. Nach dem NATO-Gipfel senken die Aktienexperten die Einstufung für die Rheinmetall Aktie und kappen das Kursziel deutlich. Kern der Skepsis ist die Beobachtung, dass sich die künftigen Verteidigungsausgaben stärker auf Luftabwehr, Drohnen und Aufklärung verlagern und klassische Landstreitkräfte an relativer Bedeutung verlieren. Hinzu kommt ein wachsendes Risiko rund um die Gewinnverteilung in Gemeinschaftsunternehmen. Die Geschäftszahlen zeichnen zwar weiterhin einen steilen Wachstumspfad, den mwb research aber nicht mehr in vollem Umfang honoriert.
Als Konsequenz mwb research nimmt die Rheinmetall Aktie von „Kaufen” auf „Halten” zurück und senkt das Kursziel von 1.400 auf 1.150 Euro. Der NATO-Gipfel habe bestätigt, dass herkömmliche Landsysteme zwar weiterhin gebraucht würden, aber nicht mehr im Zentrum der zusätzlichen Mittel für die Aufrüstung stünden. Panzer steuerten rund 20 Prozent zum für 2030 erwarteten operativen Ergebnis bei, und am Markt kursiere weiter die Erwartung eines besonders üppigen Arminius-Auftrags seitens der Bundeswehr. Gestützt auf Aussagen des Vorstandschefs werde das Programm dort mit insgesamt etwa 40 Milliarden Euro veranschlagt, wovon rund 22 Milliarden Euro bei rund 3.000 Systemen auf den Konzern entfielen.
Diese Größenordnung halten die Analysten wie auch mehrere andere Quellen aber für überzogen. Die fast einjährige Verzögerung der deutschen Entscheidung und Estlands Entschluss, einen Panzerkauf über 500 Millionen Euro zugunsten von Drohnen und Luftabwehr auf Eis zu legen, untermauerten diese Sicht. Deshalb legen sie ihrer Arminius-Prognose für Rheinmetall nur noch rund 1.800 Fahrzeuge zugrunde, kürzen die Umsätze für die Zeit nach 2030 und heben ihre Annahme für Minderheitsanteile an, da das Wachstum zunehmend über mehrheitlich gehaltene Gemeinschaftsunternehmen des Düsseldorfer Konzerns laufe. Diesen Punkt habe der Markt bei der Rheinmetall Aktie bislang weitgehend ausgeblendet.
Die Prognosezahlen zeigen, wie kräftig das Wachstum ausfallen soll. Der Umsatz des DAX-Konzerns soll von rund 9,94 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf gut 24,13 Milliarden Euro im Jahr 2028 anschwellen, bei einer operativen Marge, die von 17,0 auf 20,7 Prozent zulegt. Das operative Ergebnis dürfte sich im selben Zeitraum von 1,68 Milliarden auf annähernd 4,99 Milliarden Euro nahezu verdreifachen, das Ergebnis je Rheinmetall Aktie von 15,04 auf 63,08 Euro steigen. Zugleich kehrt sich die Verschuldung um: Aus einer Nettofinanzschuld der Vorjahre wird bereits 2025 ein Nettoguthaben, das bis 2028 auf über 4,38 Milliarden Euro anwächst. Für die Analysten bleibt das Fundament also robust, der bisherige Kurs preist die Wachstumsfantasie aber stärker ein, als sie es nach dem Gipfel für gerechtfertigt halten.
Verkaufsdruck steigt wieder bei der Rheinmetall Aktie
Charttechnisch bleiben Sorgen bei der Rheinmetall Aktie gerechtfertigt. Der Verkaufsdruck steigt nach einer kurzen pause aktuell wieder an und der charttechnische Abwärtstrend der Rüstungsaktie ist intakt. Am Widerstand bei 1.134/1.155 Euro ist der Aktienkurs des Düsseldorfer Unternehmens in dieser Woche nach einer Kurserholung nach unten abgeprallt und steht seitdem massiver unter Druck - wie bereits im letzten 4investors.de-Chartcheck skizziert.
Damit bleibt ein erneuter Test der Region um 900 Euro möglich, solange Rheinmetalls Aktienkurs die Marke 1.155 Euro nicht überwindet und dann weitere Widerstände bei 1.234/1.241 Euro und 1.304/1.310 Euro sowie oberhalb von 1.322 Euro in den Fokus nehmen kann. Ein Rutsch unter die 900-Euro-Marke wäre ein weiteres Verkaufssignal und würde die Baisse bestätigen. Als nächster Auffangbereich käme dann die Zone bei 832,20/859,40 Euro infrage, tiefere Ziele eingeschlossen.
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