Börse am Morgen: SpaceX, Volkswagen, Ölpreis, Konjunkturdaten - Nord/LB
S&P Global hat das Rating der USA bei „AA+“ mit stabilem Ausblick bestätigt und verweist auf die robuste Wirtschaft als Grundlage solider Staatseinnahmen. Trotz zunehmender polit. Polarisierung sichern starke Institutionen weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen. Für 2026 bis 2029 erwartet S&P ein durchschnittl. Wachstum von rund 2%, nachdem das BIP in Q1 auf annualisierter Basis um 2,1% gestiegen ist.
Das Gewinnwachstum der chin. Industrie hat sich im Mai zwar verlangsamt, bleibt mit +21,1% jedoch auf hohem Niveau und wird weiterhin vor allem durch Industrieproduktion und Exporte getragen. Gleichzeitig zeigt sich eine strukturelle Schwäche der Binnennachfrage, verstärkt durch Immobilienkrise und hohe Wettbewerbsintensität. Die Entwicklung ist stark sektorabhängig. Während Elektronikhersteller massiv profitieren, verzeichnen Autobauer trotz guter Exporte deutliche Gewinneinbrüche.
Wochenausblick
„Vollgepackt mit tollen Daten, auf die es lohnt etwas zu warten“, könnte das Motto dieser Handelswoche sein. Einzelhandelsumsätze und Inflationszahlen aus Deutschland, aggregierte Preisdaten für die Eurozone und nicht zuletzt der Arbeitsmakrtbericht aus den USA stellen hierbei sicherlich die Highlights dar. In diesen geldpolit. unsicheren Zeiten können diese deutlich den Markt bewegen. Vor allem der Zinspfad in den USA scheint derzeit sehr uneinig prognostiziert zu werden, wobei die Inflation dort die Sache bald klarer machen sollte. Hierzu werden wir aber erst übernächste Woche mehr erfahren, wenn die CPIs aus den USA gemeldet werden.
Aktienmärkte
US-Anleger agierten zum Wochenschluss aufgrund anhaltender Schwäche bei Chipwerten vorsichtig, wobei Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq nur leicht zulegten. Trotz dieser kleinen Gewinne steuern insbesondere Nasdaq und S&P 500 auf deutl. Wochenverluste zu. Hintergrund sind Zweifel an den hohen KI-Bewertungen sowie Verunsicherung durch mögliche IPO-Verschiebungen bei OpenAI wegen schwacher Nachfrage.
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In diesem Umfeld steht SpaceX vor der Aufnahme in zentrale US-Indizes wie den Nasdaq 100, nachdem der Konzern bereits am Freitag in die Russell-Indizes aufgenommen wurde. Die Indexaufnahme dürfte erhebliche passive Kapitalzuflüsse auslösen, wobei allein für den Nasdaq 100 rund USD 4,3 Mrd. erwartet werden. Gleichzeitig warnen Marktbeobachter, dass die mit etwa USD zwei Billionen bewertete Aktie überbewertet sein könnte.
Dow Jones -0,12%; S&P 500 -0,05%; Nasdaq Comp. -0,24%; DAX -1,29%; MDAX -1,20%; TecDAX -0,84%.
Unternehmen
Volkswagen steht laut Insidern vor dem größten Umbau seiner Geschichte, mit möglichen Einschnitten von bis zu 100.000 Stellen weltweit. Kern des Sanierungsplans ist das Auslaufen der Produktion in vier dt. Werken (Hannover, Emden, Zwickau, Neckarsulm) nach Ende der aktuellen Modellzyklen. Parallel wird eine grundlegende Neustrukturierung des Konzerns diskutiert, inklusive möglicher Ausgliederung der Kernmarke VW. Politik und Gewerkschaften reagieren mit scharfer Kritik und Widerstandsankündigungen, während Ökonomen den Schritt als Ausdruck des strukturellen Wandels der Branche werten.
Bosch-Chef Stefan Hartung tritt überraschend zum 30. Juni zurück, obwohl sein Vertrag erst kürzlich bis 2031 verlängert wurde. Nachfolger wird zum 1. Juli Christian Fischer, bislang Leiter der Konsumgütersparte und stellvertr. Vorsitzender. Fischer gilt als strategisch starker Manager und war unter anderem maßgeblich am größten Zukauf der Unternehmensgeschichte beteiligt. Hartung hatte seit 2022 mehrere Krisen (Corona, Chipmangel, schwache E-Mobilitätsdynamik, US-Zölle) gesteuert, die auch zu Personalabbau führten. Als Gründe für seinen Rücktritt werden persönl. Motive genannt; Fischers Aufgabe wird es sein, die Strategie in einem schwierigen Marktumfeld konsequent weiter umzusetzen.
Rohstoffe
Nachlassende Versorgungsängste haben die Ölpreise am Freitag deutlich gedrückt; Brent und WTI fielen zeitweise um über 2% auf rund USD 74 bzw. USD 70 je Barrel und verloren auf Wochensicht etwa 8%. Die Preise näherten sich damit wieder dem Niveau vor Beginn des Iran-Konflikts. Auslöser sind steigende Liefermengen, u.?a. durch die Wiederaufnahme der Verladungen in Ras Tanura sowie mehr Tankerverkehr durch die Straße von Hormus. Der aktuelle Anstieg im Schiffsverkehr ist jedoch vor allem auf zuvor festgesetzte Tanker zurückzuführen, während neue Zuflüsse weiterhin gedämpft bleiben. Zusätzlich belastet die bislang schwache Nachfrageentwicklung in China den Markt und verstärkt den Preisdruck.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
