Hensoldt Aktie: Experte hebt Rating an und sieht Risiken eingepreist
Die Aktie des Sensorspezialisten Hensoldt geriet im Sog des gestrichenen Rheinmetall-Fregattenprogramms unter Druck und verlor deutlich an Wert. mwb research hält den Abschlag für übertrieben, weil der Hensoldt-Konzern an dem Auftrag nur einen verschwindend kleinen Anteil hatte, und stuft die Aktie nach sieben Monaten mit Verkaufsempfehlung wieder hoch. Zugleich verweisen die Analysten auf wachsende Konkurrenz im Radargeschäft, namentlich durch den schwedischen Rüstungskonzern Saab.
mwb research hebt die Hensoldt-Aktie von „Sell” auf „Hold” an und belässt das auf einem Discounted-Cashflow-Modell beruhende Kursziel unverändert bei 62,00 Euro. Mit dem Kursrutsch seien die Risiken des Rüstungszyklus nun angemessen eingepreist, so die Analysten in einer aktuellen Studie. Der Beitrag des Münchner Konzerns zum geplatzten Fregattenprojekt habe weniger als ein Prozent des zwischen 12 und 18 Milliarden Euro schweren Auftrags ausgemacht, im Mittel also etwa 145 Millionen Euro, verteilt über die gesamte Laufzeit. Das Unternehmen habe seine Jahresziele bestätigt, und ähnlich wie der Zulieferer Renk dürfte auch Hensoldt Entschädigung verlangen, was den Effekt zusätzlich dämpfe. Beim alternativen Fregattentyp A200 von ThyssenKrupp Marine Systems gehen die Experten allerdings davon aus, dass der Konzern leer ausgeht: In den Unterlagen tauche kein Hensoldt-Material auf, als Sensorlieferant gelte vielmehr Saab mit dem kompletten Radarpaket, während Renk den Antrieb sichere. Immerhin fließe dem Konzern in diesem Jahr Geschäft aus dem Fregattenprogramm F127 zu.
Im Radarmarkt sehen die Analysten Saab generell auf dem Vormarsch. So habe sich Diehl bei seinem auf der Berliner Luftfahrtmesse ILA vorgestellten Flugabwehrsystem IRIS-T SLS für das Giraffe-1X-Radar der Schweden und gegen Hensoldts Spexer entschieden. Der Konzern verweise zwar darauf, an dieser Ausschreibung nicht beteiligt gewesen zu sein, und Schwedens Rolle als Diehl-Kunde habe die Wahl wohl mitbestimmt. Dennoch zeige der Fall, dass Hensoldt keine Monopolstellung als Sensorlieferant innehabe und der Wettbewerb zunehme.
mwb research grundsätzlich zurückhaltend bei Hensoldt
Trotz der Hochstufung bleibt mwb research gegenüber Hensoldt grundsätzlich zurückhaltend. Der TecDAX-Konzern arbeite zwar operativ sauber, doch über das Jahr 2035 hinaus sei die Geschäftsentwicklung schwer absehbar. Solange die deutsche Regierung keine konkreten Beschaffungsentscheidungen veröffentliche, sehen die Experten kein Aufwärtspotenzial. Offen blieben vor allem die genauen Stückzahlen bei gepanzerten Fahrzeugen und die Frage, wie dauerhaft die wiederkehrenden Erlöse jenseits des aktuellen Booms sprudelten. Ein spürbarer Schub aus stabilen Serviceerlösen sei zwar möglich, gehöre aber nicht zum Basisszenario. Der nächste NATO-Gipfel könnte zwar Impulse liefern, dürfte mit dem Trend zu weniger klassischen Plattformen und mehr Drohnen aber eher Gegenwind bringen.
Die Geschäftszahlen untermauern den boomenden Auftragszyklus, den die Analysten meinen. Der Umsatz kletterte zuletzt auf rund 2,46 Milliarden Euro und soll nach den mwb-Schätzungen bis 2028 auf gut 3,76 Milliarden Euro steigen, bei einer von 9 auf knapp 15 Prozent anziehenden operativen Marge. Das operative Ergebnis dürfte sich im selben Zeitraum von 221 Millionen auf 557 Millionen Euro mehr als verdoppeln, das Ergebnis je Hensoldt Aktie von 0,76 auf 2,97 Euro klettern. Die Dividende wird 2028 bei 1,19 Euro je Aktie erwartet nach zuletzt 0,55 Euro. Zugleich baut der Konzern seine Verschuldung ab, von einer Nettofinanzschuld von 285 Millionen Euro im vergangenen Jahr hin zu einem Nettoguthaben ab 2027.
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