Börse am Morgen: MTU Aero Engines, TKMS, Öl, Gold, Konjunkurdaten - Nord/LB
Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni leicht auf 85,6 Punkte gestiegen und verbessert sich damit den zweiten Monat in Folge. Haupttreiber ist die Hoffnung auf eine geopolitische Entspannung im Nahost-Konflikt, wodurch die Unsicherheit in den Unternehmen abnimmt und die Planungssicherheit steigt. Die Stimmung hat sich in allen Sektoren aufgehellt, bleibt jedoch insbesondere im Handel und in der Industrie gedämpft, u.?a. wegen schwacher Nachfrage und geringer Exportdynamik. Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus könnten konjunkturelle Risiken verringern, insbesondere über sinkende Energiepreise. Dennoch bleiben Belastungen bestehen, sodass trotz leichter Verbesserung nur ein moderates Wirtschaftswachstum erwartet wird.
Die Staatsverschuldung Deutschlandssteigt im ersten Quartal 2026 auf EUR 2.726,5 Mrd. (+2,4% bzw. EUR +64,9 Mrd ggü. Ende 2025.), maßgeblich getrieben durch die Sondervermögen Infrastruktur/Klimaneutralität und Bundeswehr. Besonders der Bund erhöhte seine Schulden um EUR 44,4 Mrd. auf EUR 1.884,9 Mrd., wobei die Sondervermögen überproportionale Zuwächse verzeichneten. Auch Länder (+2,8% auf EUR 642,2 Mrd.) und Kommunen (+1,5% auf EUR 199,3 Mrd.) bauten ihre Verschuldung aus, mit deutlichen regionalen Unterschieden.
Tagesausblick
Neben dem GfK Verbrauchervertrauen für Deutschland werden heute vorrangig US-Indikatoren veröffentlicht. Die spannendste wird dabei voraussichtlich jene rund um den PCE-Deflator inkl. der Ein- und Ausgabensituation der Haushalte sein. Der PCE ist ein wichtiges Inflationsmaß in den USA und somit extrem relevant für die Geldpolitiker in Washington. Zwar liegen für den Mai bereits CPI-Daten vor, welche ebenfalls wichtig für die Einschätzung der Preisentwicklung in den USA ist. Dennoch hat der PCE ein hohes Gewicht für die Fed und auch leicht spätere Daten sind hier kein Schnee von gestern.
Aktien- und Rentenmärkte
Europas Börsen gaben zur Mitte der Woche nach, wobei der DAX (-0,6%) stärker verlor als andere Indizes, während sich die US-Märkte stabilisierten. Belastend wirkte insbesondere der Kurseinbruch von Rheinmetall (rd. -18,7%) nach dem Stopp eines Fregattenprogramms durch das Verteidigungsministerium. Gewinner waren TKMS (bis zu +16%) sowie MTU Aero Engines, die von sinkenden Kerosinpreisen profitierten.
Fallende Ölpreise reduzierten am Mittwoch die Inflations- und Zinssorgen, woraufhin europäische und US-Staatsanleihen auf breiter Front zulegten. In diesem Umfeld sank die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen zeitweise um bis zu 6 Basispunkte auf 2,86% (Tief seit März), während Brent-Öl auf den niedrigsten Stand seit Februar fiel.
DAX -0,62%; MDAX -0,65%; TecDAX -0,53%; Dow Jones +0,35%; S&P 500 -0,10%; Nasdaq Comp. -0,43%.
Unternehmen
Willkommen im Sommerloch. Gibt es etwas zu berichten? Nicht wirklich … oder doch? You got Mail. Die US-Post steht wegen anhaltend hoher Verluste vor der Zahlungsunfähigkeit und fordert dringend staatliche Unterstützung sowie strukturelle Reformen. Hauptursachen sind der Rückgang des Briefgeschäfts durch Digitalisierung und gleichzeitig hohe Kosten für das flächendeckende Zustellnetz. Seit 2007 summieren sich die Verluste auf rund 120?Mrd. US-Dollar, wobei ein Großteil der Zustellrouten und Filialen defizitär arbeitet.
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Devisen und Rohstoffe
Die gesamten US-Rohöllagerbestände inklusive strat. Reserve sinken in der Woche zum 19. Juni um über 15 Mio. Barrel auf 743,3 Mio. Barrel und erreichen damit den niedrigsten Stand seit Oktober 1984. Auch die Bestände in Cushing (USA) fallen auf rund 19 Mio. Barrel (Tief seit Oktober 2014), nachdem die USA infolge der Sperrung der Straße von Hormus auf ihre Vorräte zurückgegriffen haben. Dies lässt die Märkte in diesem Umfeld aber kalt. Öl der Sorte Brent tendiert stetig gen Süden (USD 70 pro Barrel). Gestern ging es weitere rd. 5% nach unten.
Die Weltleitwährung bleibt weiterhin gefragt. Der kürzliche Ausverkauf bei den Technologiewerten beflügelt den sichereren Hafen Greenback. Mit der erhöhten Wahrscheinlichkeit auf steigende Zinsen im Rücken, greifen die weltweiten Investoren beim Dollar zu. Ggü. dem Euro steigt die US-Devise gestern auf ein 13-Monatshoch.
Der Goldpreis fällt zur Wochenmitte weiter deutlich, belastet vor allem durch den starken US-Dollar, der das Metall für Käufer außerhalb der USA verteuert und damit unattraktiver macht. Gleichzeitig mindern höhere Zinsen die Nachfrage nach dem unverzinsten Edelmetall.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


