Rheinmetall Aktie stürzt ab: Fregatten-GAU ist Triumph für TKMS
Die Rheinmetall Aktie bricht heute ein, nachdem laut einem Spiegel-Bericht der Bund das Fregattenprogramm F-126 nicht weiterverfolgen will. Stattdessen soll der Marinesektor künftig auf MEKO-Fregatten von ThyssenKrupp Marine Systems, kurz TKMS, setzen, deren Aktienkurs im Gegenzug an der Frankfurter Börse am Mittwochmorgen kräftig zulegt. Für den Düsseldorfer Rüstungskonzern entfällt damit ein milliardenschwerer Wachstumsbaustein. mwb research reagiert mit einem niedrigeren Kursziel, hält aber an der Kaufempfehlung für den DAX-Titel fest.
mwb research senkt aufgrund der Nachrichten das Kursziel für die Rheinmetall Aktie von 1.450 auf 1.400 Euro, bestätigt aber die Kaufempfehlung. Verteidigungsminister Pistorius werde das F-126-Programm mit vier ab 2028 geplanten NATO-Einheiten nun endgültig beenden. Die Tochter NVL hatte sich als Retter des mehr als 12 Milliarden Euro schweren Vorhabens in Stellung gebracht. Stattdessen dürfte die Bundesregierung auf rund acht MEKO-200-Einheiten von TKMS setzen, mit erster Auslieferung 2029, und damit Tempo über Leistungsfähigkeit stellen. Profiteur sei eindeutig der Kieler Wettbewerber, der zudem beim Ausbau der German Naval Yards Kiel punkte, an dem auch Rheinmetall interessiert war.
In der Folge kappen die Analysten ihre Umsatzerwartung für den Marinebereich von zuvor 5 Milliarden Euro auf 3 Milliarden Euro im Jahr 2030, was rund 7 Prozent des Konzernumsatzes von Rheinmetall entspräche. Allein der Wegfall des F-126-Kerngeschäfts schlage mit geschätzten 2 Milliarden Euro jährlich zu Buche. Auch die in Aussicht gestellte operative Marge von 15 Prozent halten die Experten für zu ambitioniert, solange die Werft nicht voll ausgelastet ist und die Eingliederung von NVL Kapazitäten bindet. Sie rechnen eher mit einer Spanne von 10 bis 12 Prozent.
Risiken bei der Art der Rüstungsausgaben
Mit Blick auf den NATO-Gipfel sehen die Analysten zudem ein Risiko in der Zusammensetzung der Verteidigungsausgaben. Die politische Debatte um effizienteres Geldausgeben deute auf eine Verlagerung weg von klassischen Systemen wie Artillerie und Panzern hin zu Luftverteidigung, Drohnen und Präzisionsmunition. Das Flugabwehrsystem Skyranger komme zwar voran, könne mögliche Rückgänge bei 155-Millimeter-Munition oder Panzersystemen aber nicht ausgleichen. Bislang fehlten Rückmeldungen aus der Ukraine, die das System als entscheidenden Faktor bestätigten.
Unter dem Strich gefährde die Streichung der F-126 zwar die Ziele für 2030, stelle die grundsätzliche These eines anhaltenden Rüstungsaufschwungs aber nicht infrage, so mwb research. Der Marinebereich steuere weniger als 10 Prozent zum Umsatz bei, weshalb der Kurssturz von elf Prozent übertrieben wirke. Entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Managements sei nun eine transparente Korrektur der Prognose bei der nächsten Zahlenvorlage.


