EverYield: Börsengang kann sinnvoller nächster Schritt sein
Eine neue Anleihe von EverYield stößt offenbar auf großes Interesse bei Investoren. Die Gesellschaft hat das Maximalvolumen der Anleihe jüngst von 30 Millionen Euro auf 50 Millionen Euro erhöht. Im Gespräch mit der Redaktion von 4investors.de erläutert CEO Mario Mildner, wie man das frische Geld einsetzen will. Mildner gibt Auskunft über Investitionskosten und Fördermöglichkeiten. Er spricht zudem über Marktlücken und über die Besicherung der Anleihe. Die Anleihe wird jährlich mit 9,0 Prozent verzinst, sie läuft bis 2032. Gezeichnet werden kann das Papier bis zum 26. Juni.
4investors.de: EverYield entwickelt und betreibt Anlagen zur Verwertung von Klärschlamm und zur Rückgewinnung von Phosphor. Es wird Klärschlamm aufbereitet, den die Kommunen sowieso beseitigen müssen. Dafür wird EverYield von den Kommunen bezahlt. Wird der Klärschlamm nur von Kommunen geliefert oder gibt es noch andere Lieferanten?
Mildner: Der Schwerpunkt liegt klar auf kommunalen Kläranlagen, weil dort die größten Mengen anfallen und die regulatorischen Verpflichtungen greifen. Gleichzeitig gibt es aber auch industrielle Abwässer und industrielle Klärschlämme, die perspektivisch relevant sein können. Entscheidend ist: Klärschlamm fällt kontinuierlich an. Das macht den Stoffstrom langfristig stabil und unabhängig von klassischen Wirtschaftszyklen.
4investors.de: Stoßen sie damit in eine Marktlücke vor oder gibt es schon ernsthafte Konkurrenz?
Mildner: Es gibt bereits erste Referenzanlagen und etablierte Marktteilnehmer, etwa im Bereich der Monoverbrennung. Gleichzeitig ist der Markt noch weit davon entfernt, ausreichend Kapazitäten aufgebaut zu haben. Wir sprechen hier von einem komplett neuen Infrastruktursegment mit erheblichem Investitionsbedarf. Deshalb sehen wir den Markt weniger als klassischen Verdrängungswettbewerb, sondern vielmehr als strukturelle Kapazitätslücke.
Unser Vorteil liegt in der Integration verschiedener Wertschöpfungsstufen – also Entsorgung, Energie, Phosphor und digitale Plattform – sowie in unserem standardisierten Roll-out-Modell gemeinsam mit starken Industriepartnern.
4investors.de: Wie viele Anlagen betreiben sie derzeit?
Mildner: Wir befinden uns aktuell in der Aufbau- und Roll-out-Phase. Unser Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, die ersten Standorte zu entwickeln und anschließend standardisiert zu skalieren. In unserer Planung sehen wir bis 2032 rund 10 operative Anlagen.
4investors.de: In Deutschland wird der Bereich auf mehreren Ebenen unterstützt. Es gibt dabei Fördermöglichkeiten für Umwelttechnik, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung. Zusätzlich kommen teilweise Förderungen auf EU-Ebene hinzu. So können sich nicht rückzahlbare Zuschüsse von 50 Prozent ergeben. Ist das in anderen Ländern ähnlich gestaltet?
Mildner: Ja, grundsätzlich sehen wir europaweit eine ähnliche Entwicklung. Die regulatorischen Ziele kommen vielfach aus EU-Richtlinien, die dann national umgesetzt werden. Natürlich unterscheiden sich Förderstrukturen und Umsetzungsgeschwindigkeiten von Land zu Land. Aber die grundsätzliche Richtung ist überall dieselbe: thermische Verwertung, Kreislaufwirtschaft und Phosphorrückgewinnung.
4investors.de: Wie hoch sind die Investitionskosten für eine neue Anlage?
Mildner: Das hängt von Standort, Kapazität und technischer Ausgestaltung ab. Für unsere Standardanlage kalkulieren wir derzeit mit einem Brutto-CAPEX von rund 40 Millionen Euro. Durch Förderungen kann sich der effektive Netto-CAPEX allerdings deutlich reduzieren.
4investors.de: Wie viel Zeit vergeht von der ersten Planungsidee bis zur Inbetriebnahme der Anlage?
Mildner: Bei Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung sprechen wir typischerweise von mehreren Jahren. Dazu gehören Standortentwicklung, Genehmigungen, Finanzierung, Engineering und Bau.
Wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, halten wir einen Zeitraum von etwa zwei bis vier Jahren für realistisch.
4investors.de: EverYield verdient nicht nur an der direkten Entsorgung des Klärschlammes. Gleichzeitig wird Energie erzeugt, Phosphor wird gewonnen. Wer nimmt ihnen den Phosphor ab, der bei der Verbrennung des Klärschlamms produziert wird?
Mildner: Phosphor ist ein kritischer Rohstoff für die Landwirtschaft und die Düngemittelproduktion. Europa ist heute stark von Importen abhängig. Dementsprechend sehen wir großes Interesse entlang der Düngemittel- und Agrarwertschöpfungskette. Der Markt für recycelten Phosphor wird aus unserer Sicht in den kommenden Jahren deutlich wachsen.
4investors.de: Wie viele Anlagen können sie jährlich errichten?
Mildner: Unser Ziel ist ein standardisierter Roll-out. Gemeinsam mit unseren Industriepartnern schaffen wir die Voraussetzungen, mehrere Projekte parallel umzusetzen. Der entscheidende Faktor ist weniger die Technologie als vielmehr die Geschwindigkeit bei Genehmigungen, Standortentwicklung und Finanzierung.
4investors.de: Wie groß ist der Einzugsradius für ihre Anlagen?
Mildner: Das hängt von regionalen Stoffstrommengen und Logistikstrukturen ab. Grundsätzlich verfolgen wir einen regionalen Ansatz mit wirtschaftlich sinnvollen Transportdistanzen von rund 150 km. Dieser Radius definiert auch die Zahl an relevanten Anlagen in Österreich. Ziel ist es, Entsorgungssicherheit regional zu organisieren und gleichzeitig Skaleneffekte zu nutzen.
4investors.de: Jetzt begeben sie eine Anleihe, die sie jüngst von 30 Millionen Euro auf bis zu 50 Millionen Euro aufgestockt haben. Welche Pläne haben sie mit dem frischen Geld aus der Anleihe?
Mildner: Der überwiegende Teil der Anleiheerlöse – rund 33 Millionen Euro – soll für den Erwerb der beiden Unternehmensstandorte in der Steiermark, den Ankauf strategischer Entwicklungsflächen sowie den Aufbau des ersten Murau-Murtal Energy Campus verwendet werden. Die verbleibenden Mittel dienen der Weiterentwicklung weiterer Projekte in Österreich und Deutschland.
Damit investieren wir gezielt in bestehende Infrastruktur mit laufenden Cashflows und schaffen gleichzeitig die Grundlage für weiteres Wachstum in den Bereichen Energie, Klärschlamm-Monoverbrennung, Phosphorrückgewinnung und Düngemittelproduktion.
4investors.de: Wie wird die Anleihe besichert sein?
Mildner: Die Anleihe sieht eine projektnahe Besicherungsstruktur vor. Wir, bzw. die Emittentin verpflichtet sich, Forderungen der Anleihegläubiger künftig durch erstrangige Verpfändungen von Anteilen an Gesellschaften zu besichern, an denen EverYield direkt oder indirekt beteiligt ist. Das betrifft insbesondere jene Projektgesellschaften, in die Mittel aus der Anleihe investiert werden – etwa für den Erwerb von Beteiligungen oder die Finanzierung der jeweiligen Infrastrukturprojekte. Die Sicherheiten werden zugunsten der Anleihegläubiger an einen Treuhänder verpfändet.
Zusätzlich arbeitet die Struktur mit klar definierten Cashflow-Mechanismen und investorenfreundlichen Covenants. Wichtig ist aber auch: Es handelt sich nicht um eine Garantie, sondern um eine strukturierte projektbezogene Besicherung.
4investors.de: Ein IPO ist auch ein Thema bei EverYield?
Mildner: Grundsätzlich denken wir langfristig kapitalmarktorientiert. Derzeit liegt der Fokus aber klar auf dem operativen Aufbau der Plattform und dem erfolgreichen Roll-out der ersten Projekte. Wenn sich das Geschäftsmodell wie geplant entwickelt, kann ein Börsengang perspektivisch natürlich ein sinnvoller nächster Schritt sein.


