Börse am Morgen: Hugo Boss, SAP / Oracle, SpaceX, Ölpreis - Nord/LB
Die EZB hat gestern wie erwartet beschlossen, erstmals seit 2023 ihre Leitzinsen (um jeweils 25 BP) anzuheben. Damit reagieren die Währungshüter nach einer sinnvollen Beobachtungsphase auf den deutlichen Inflationsanstieg und die weiteren Risiken durch den Iran-Krieg. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob die EZB damit vor einem neuen Zinserhöhungszyklus steht. Die Notenbank bewegt sich auf einem schmalen Grat: Die Inflationsrisiken fordern eine überlegte und überzeugende Reaktion, die schwächere Konjunktur mahnt aber auch zu einer gewissen Vorsicht. Deshalb signalisiert der EZB-Rat zwar die Bereitschaft für weitere Zinsschritte, legt sich aber weiterhin nicht auf einen geldpolitischen Pfad fest. Wir rechnen nur noch mit einer weiteren Zinserhöhung, die voraussichtlich im September folgen dürfte.
Im April verzeichneten die deutschen Beherbergungsbetriebe 39,5 Mio. Übernachtungen (y/y -3,1%). Dabei sank die Zahl inländischer Gäste um 3,9% auf 32,9 Mio., diejenige ausländischer Gäste nahm dagegen leicht um 0,6% auf 6,6 Mio. zu. Von Januar bis April 2026 summierten sich die Übernachtungen auf 126,1 Mio. (y/y +0,6%).
Das Deutsche Hypo Immobilienklima setzt seinen Abwärtstrend fort und fällt im Juni m/m um 5,3% auf 79,4 Punkte (y/y .19,3%). Sowohl das Ertrags- (-6,7% auf 84,5 Punkte) als auch das Investmentklima (-3,6% auf 74,4 Punkte) geben nach. Mit Ausnahme des Hotelklimas (+3,2% auf 91,4%) kommt es in allen Segmenten zu Rückgängen. Am stärksten betroffen ist das Büroklima (-9,0?% auf 62,6 Punkte), gefolgt vom Handel (-6,6?% auf 71,1 Punkte) und Wohnen (-4,8?% auf 122,1 Punkte). Das Logistikklima bleibt mit -0,9?% auf 90,5 Punkte weitgehend stabil.
Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte sanken im April 2026 um y/y 12,3% bzw. m/m 1,5%. Dabei verbilligten sich pflanzliche Erzeugnisse um y/y 12,1% und tierische Produkte um y/y 12,4%. Im Monatsvergleich entwickelten sich beide gegenläufig: pflanzliche Produkte -4,2%, tierische +0,1%. Preisdämpfend wirkten vor allem Speisekartoffeln (y/y -54,7%, m/m unverändert). Bei tierischen Erzeugnissen belastete insbesondere Milch (y/y -26,2%), während Eier um 13,0% teurer waren. Die Preise für Tiere lagen insgesamt 3,6% unter Vorjahr, getrieben von Schlachtschweinen (-11,6%). Dagegen verteuerten sich Rinder (+4,2%) und Geflügel (+2,6%).
Tagesausblick
Die Märkte stehen zum Wochenschluss zunächst im Zeichen wichtiger Inflationsdaten aus Deutschland. In den USA richtet sich der Blick am Nachmittag auf das vorläufige Verbrauchervertrauen der Universität Michigan. Darüber hinaus dürfte das IPO von SpaceX als größter Börsengang aller Zeiten weltweit Beachtung finden.
Aktienmärkte
Während es an den europäischen Aktienmärkten nur zögerlich nach oben ging, zeigte sich die Wall Street regelrecht beflügelt, nachdem US-Präsident Trump am Abend – mal wieder – einen Friedensdeal für das Wochenende in Aussicht stellte. Der DAX wurde durch SAP ausgebremst, die unter einem Kursrutsch des US-Konkurrenten Oracle aufgrund umfangreicher Finanzierungspläne litten. DAX +0,06%; MDAX +0,52%; TecDAX -1,30%; Dow Jones +1,86%; S&P500 +1,75%; Nasdaq Comp. +2,54%.
Unternehmen
Der heute anstehende Börsengang von SpaceX setzt neue Maßstäbe: Mit einem Emissionsvolumen von USD 75?Mrd. ist es das größte IPO der Geschichte, die anfängliche Bewertung liegt bei USD 1,77 Bio. Damit wäre SpaceX das siebtwertvollste börsennotierte Unternehmen der USA. Das von Elon Musk gegründete Raumfahrt- und KI-Unternehmen wirbt derzeit intensiv um Investoren. Insgesamt werden 555,6 Mio. Aktien zu je USD 135,00 angeboten; die Neuemission soll Medien zufolge nahezu vierfach überzeichnet sein. Aufgrund der Größe gilt eine rasche Aufnahme in MSCI-Indizes als möglich, während S&P Global mit Verweis auf strengere Kriterien – darunter mehrere profitable Quartale – bremst.
Der britische Textil-, Schuh- und Sporthändler Frasers bietet den Aktionären von Hugo Boss EUR 38,00 je Aktie in bar. Das Angebot bewertet den Konzern mit 2,68?Mrd.?Euro und wird von Experten als wenig attraktiv eingestuft. Da Frasers bereits rund 26% hält und keine Mindestannahmeschwelle nennt, gilt die Offerte weniger als Übernahmeversuch, sondern als strategischer Schritt, um die Beteiligung flexibel über 30% auszubauen, ohne ein Pflichtangebot auslösen zu müssen.
Rohstoffe
Die Ölpreise legten gestern eine Achterbahnfahrt hin. Zunächst kletterten sie infolge weiterer Kampfhandlungen und Drohgebärden im Iran-Krieg weiter nach oben, bevor es dann nach der Trump’schen Kehrtwende spürbar abwärts ging.
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Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

