Börse am Morgen: Salzgitter, Inflation, EZB, Anleihen, Stromexporte - Nord/LB
Die Zahlungsmoral dt. Unternehmen erweist sich trotz schwacher Konjunktur als stabil; der durchschnittl. Zahlungsverzug liegt weiterhin bei 7,7 Tagen und damit auf Vorjahresniveau. Dies signalisiert kurzfristig robuste Liquidität, ist jedoch laut der Wirtschaftauskunftei Creditreform kein Zeichen nachhaltiger Entspannung, da viele Unternehmen Investitionen zurückstellen und Kredite kaum nachfragen. Regional und sektoral bestehen deutliche Unterschiede, was auf heterogene finanzielle Belastungen und strukturelle Faktoren hinweist. Während Unternehmen aus den Bundesländer Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern vergleichsweise schnell zahlen, weisen Bundesländer im Norden der Republik (bspw. Mecklenburg-Vorpommern oder Hamburg) deutlich höhere Verzugszeiten auf. Besonders kritisch ist das Baugewerbe mit stark überdurchschnittlichem Zahlungsverzug, während Unternehmen aus den Sektoren Chemie, Groß- und Einzelhandel eine deutlich bessere Zahlungsmoral zeigen.
Die dt. Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal in 12 von 16 Bundesländern Wachstum, wobei Berlin und Brandenburg mit jeweils +0,9% die stärkste Dynamik aufwiesen. Demgegenüber schrumpfte Nordrhein-Westfalen leicht (-0,1%), während auch mehrere norddeutsche Bundesländer nach starkem Vorjahr rückläufige oder schwache Entwicklungen zeigten. Treiber des Wachstums ist insbesondere ein guter Start der Industrie, der jedoch regional unterschiedlich wirkt. Belastend wirken gleichzeitig gestiegene Preise infolge geopolit. Spannungen (u.?a. Iran-Konflikt). Insgesamt wuchs die dt. Wirtschaft um 0,3% und schnitt damit besser ab als die Eurozone (-0,2%), wobei insbesondere zusätzliche Impulse durch höhere Verteidigungsausgaben kommen.
Tagesausblick
Der heutige Tag könnte auch als „Inflationstag“ bezeichnet werden, denn sowohl aus China als auch aus den USA werden Preisdaten für den Mai veröffentlicht. In den USA dürfte die Inflationsdynamik weiter abklingen, auch wenn sie mit prognostizierten 0,5% M/M weiterhin erhöht ist. Vor allem im März waren die Daten allerdings positiv überraschend und der Inflationsschock blieb bislang aus. Die Märkte harren und hoffen natürlich weiterhin auf ein absehbares Ende des Irankonfliktes (dieser ist derzeit der Haupttreiber der Entwicklung).
Rentenmärkte
Britische Gilts zeigten am Dienstag eine ausgeprägte Versteilerung der Zinskurve, da vor allem langfristige Renditen „weniger stark fielen“, während kurze Laufzeitrenditen nachgaben. Ein ähnliches Muster war bei dt. Bunds zu beobachten. Treiber war insbesondere der Rückgang der Energiepreise (Brent Intraday: -4,1%) infolge geopol. Annäherungssignale (USA–Iran), welche das globale Ölangebot erhöhen könnten. In der Eurozone outperformten italienische Staatsanleihen (BTPs) in diesem Umfeld ggü. ihren Pendants. Obwohl morgen ein 25bp-Zinsschritt der EZB beschlossene Sache ist, profitierten BTPs aufgrund gestiegener Erwartungen einer möglichen (mittelfristigen) geldpolitischen Pause sowie aufgrund rückläufigem Risikoappetit an den Aktienmärkten.
Unternehmen
Salzgitter sichert sich mit EWE erstmals langfristig grünen Wasserstoff und vereinbart ab dem Jahr 2030 die Lieferung von rund 10.000 t jährlich (für die Dauer von insgesamt sieben Jahren). Der Vertrag markiert für beide Seiten einen Meilenstein, da es sich sowohl für EWE als auch für Salzgitter um den jeweils ersten Großabnahmevertrag im Wasserstoffbereich handelt. Der Einsatz des Wasserstoffs ist zentral für die Transformation hin zu einer nahezu emissionsfreien Stahlproduktion im Rahmen der Dekarbonisierungsstrategie des Konzerns. Trotz staatlicher Fördermittel in Milliardenhöhe sehen beide Unternehmen weiterhin erhebliche strukturelle Hürden beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Die Konzerne fordern daher von der Politik bessere Rahmenbedingungen wie wettbewerbsfähige Strompreise, verlässliche Regulierung und Investitionssicherheit (um Kostenrisiken zu reduzieren und den Markthochlauf zu beschleunigen).
Rohstoffe
Deutschland ist im ersten Quartal 2026 erstmals seit Ende 2023 wieder Nettoexporteur von Strom, getragen durch steigende Exporte (+20,4%) und rückläufige Importe (-15,5%) bei einem Überschuss von 3,1?Mrd. KWh (Quelle: Stat. Bundesamt). Die Stromerzeugung wuchs insgesamt um 6%, wobei erneuerbare Energien mit einem Anteil von 53,3% und einem Zuwachs von 13,9% klar dominierten, insbesondere durch eine starke Windkraft (+28,8%). Konventionelle Energieträger verloren leicht an Bedeutung (-1,8%), mit rückläufiger Kohleverstromung (-5,1%) und moderatem Anstieg bei Erdgas (+3,2%). In diesem Umfeld lohnt sich ein Blick auf den derzeitigen Gasspeicherstand. In Deutschland sind die Kavernen (Stand: 09. Juni) zu rd. 35% gefüllt. In Europa zu rd. 43%.
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Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

