Börse am Morgen: Broadcom, BYD, Lufthansa, Gold, Konjunkturdaten - Nord/LB
Die Einschätzung von Börsenprofis für die Konjunktur in der Euro-Zone hat sich im Juni auf niedrigem Niveau erneut leicht verbessert. Das Stimmungsbarometer stieg um 3 Punkte auf minus 13,4 Zähler und damit das 2. Mal in Folge, wie die Beratungsfirma Sentix zu ihrer mtl. Umfrage unter 1.029 Anlegern mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf minus 14,6 Punkte gerechnet. "Die Sorgen um eine deutliche konjunkturelle Abschwächung haben damit spürbar nachgelassen", erklärte Sentix-Geschäftsführer Hussy.
Die Aufträge der deutschen Industrie sind im April wegen der sinkenden Nachfrage infolge des Iran-Kriegs fast doppelt so stark eingebrochen wie erwartet. Das Neugeschäft fiel um 3,8% geringer aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dafür sorgte u.a. die schwächere Nachfrage aus den Euro-Ländern. Eine negative Entwicklung meldeten branchenseitig v.a. die Hersteller von elektrischer Ausrüstung (-16,3%), die Maschinenbauer (-7,4%) und die Automobilindustrie (-5,3%). Werden Großaufträge ausgeklammert, schrumpften die gesamten Bestellungen im April um 3,8%. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Februar bis April um 3,1% niedriger als in den drei Monaten zuvor.
Tagesausblick
Die deutschen Im- und Exporte werden heute neben der Industrieproduktion von zentraler Bedeutung sein. Diese werden nämlich zeigen, wie stark Deutschland von den Problemen im internationalen Handel betroffen sein wird. Wir gehen davon aus, dass unsere Handelsbilanz im April eine höhere Importquote neben einer negativen Exportquote ausweisen dürfte. Über die absoluten Zahlen zum Außenhandel sagt dies zunächst noch nicht allzu viel aus, ist aber dennoch ein wichtiger Anhaltspunkt zur Beurteilung der hiesigen Lage. Die Industrieproduktion dürfte allerdings gegenüber dem März wieder angestiegen sein, was an dieser Stelle gute Nachrichten darstellen sollten, sofern unsere Prognose zutrifft.
Renten- und Aktienmärkte
Der gestrige überraschend starke Rückgang bei den deutschen Industrieaufträgen im April bewegte den Anleihemarkt kaum. Allerdings belastete die sich erneut verschärfende Lage im Nahen Osten die Kurse deutscher Staatsanleihen.
Für den deutschen Aktienmarkt ging es mit Minuszeichen in die neue Woche. Investoren sind sich unsicher, ob der Rücksetzer im Technologiesektor nur eine kurze Unterbrechung der KI-getriebenen Rally war oder der Beginn einer stärkeren Korrektur. Ein Belastungsfaktor war die enttäuschend aufgenommene Umsatzprognose des Chipherstellers Broadcom am vergangenen Mittwoch. Anleger trennten sich zudem von Luftfahrtaktien. Die weltweite Luftfahrtbranche hat ihre Gewinnprognose für 2026 wegen des Nahost-Konflikts fast halbiert. Als Gründe nannte der Verband gestiegene Treibstoffkosten und gestörte Flugkorridore. DAX -0,58%; MDAX -1,05%; TecDAX -0,16%
Wall Street: Anleger griffen nach Rücksetzer am Fr. wieder bei Tech-Werten zu. Dow Jones -0,16%; S&P500 +0,30%; Nasdaq Comp. +0,86%-
Sektor
Der chinesische Automarkt steckt in der Krise. Im Mai brach der Absatz verglichen mit dem Vorjahr um 22,3% ein, wie aus Daten des chin. Branchenverbandes CPCA hervorgeht. Es war damit der 8. Monat in Folge mit einem Minus. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband nun mit einem Absatzrückgang von 11%. Bislang hatte der CPCA lediglich 1% Rückgang vorhergesagt. Der wichtigste Grund für den Einbruch sei die wegbrechende Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen angesichts der hohen Ölpreise seit Ausbruch des Iran-Kriegs, hieß es. Allerdings läuft auch das Geschäft mit Elektroautos schlechter (-7,5%/5.Minus in Folge).
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ITK: Digitalminister Wildberger hat mit Ländern, Kommunen sowie Telekommunikationsunternehmen und Branchenverbänden einen schnelleren Netzausbau in Deutschland vereinbart. Geplant sei, dass die Telekommunikationsbranche 2026 rund 8,5 Mrd. EUR in Glasfaser und rund 2,4 Mrd. EUR in Mobilfunknetze investiere, teilte das Ministerium mit. Damit können 2026 rund 5,6 Mio. Glasfaseranschlüsse bereitgestellt werden, davon rund 3,1 Mio. direkt nutzbar. Gegenwärtig nutzen nur 15% der Kunden einen Glasfaseranschluss.
Rohstoffe
Die zunehmenden Zinsängste setzten den Goldpreis stark unter Druck. Das Edelmetall erreichte den tiefsten Stand seit fast 6 Monaten. Anleger befürchten, dass die Spannungen im Nahen Osten die Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen, was die US-Notenbank zu Zinserhöhungen bewegen könnte. Bei steigenden Zinsen schichten Anleger vermehrt in verzinste Anlagen um, was die Nachfrage nach Edelmetallen dämpft.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

